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Kleine Kinos haben es schwerer: Gröbenlichtspiele kämpfen ums Überleben

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Von: Ulrike Osman

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Blickt sorgenvoll in die Zukunft: Petra Löw, die Betreiberin der Gröbenlichtspiele. Noch trägt sich das kleine Kino. „Aber wenn die Besucherzahlen nicht um ein Drittel steigen, dann schaut es nicht gut aus“, so Löw.
Blickt sorgenvoll in die Zukunft: Petra Löw, die Betreiberin der Gröbenlichtspiele. Noch trägt sich das kleine Kino. „Aber wenn die Besucherzahlen nicht um ein Drittel steigen, dann schaut es nicht gut aus“, so Löw. archi Ich gebe das Kino nicht vorschnell auf. Petra Löw © (Archivfoto) Weber

Kürzlich sind die Gröbenlichtspiele für ihr Programm ausgezeichnet worden – wieder einmal. Den Preis des FernsehFilmFonds (FFF) Bayern hat Betreiberin Petra Löw schon oft entgegengenommen. Der FFF will kleine Kinos unterstützen, denn sie haben besonders zu kämpfen. Und das liegt nicht nur an den Nachwirkungen der Pandemie.

Gröbenzell – Paradoxerweise sind es ausgerechnet die Filmverleiher, die kleinen Häusern wie den Gröbenlichtspielen das Leben schwer machen. Denn sie scheren alle Kinos, unabhängig von der Größe, über den gleichen Kamm, indem sie für ihre Filme eine bestimmte Laufzeit diktieren. Um zum Beispiel einen Film wie „Avatar“ zu bekommen, muss Petra Löw sich verpflichten, diesen vier Wochen lang durchgehend zu zeigen. Und da sie nur einen Vorführsaal hat, läuft dann eben nichts anderes.

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Gröbenlichtspiele: „Ein buntes Programm wäre wichtig“

Lediglich an Heiligabend durften zusätzlich „Der Räuber Hotzenplotz“ und ein weiterer Kinderfilm gezeigt werden. Das habe ihr der „Avatar“-Verleiher Disney „gnädig gestattet“, sagt Petra Löw mit bitterem Unterton. Zu gern würde sie auf solch knebelnde Bedingungen nicht eingehen und Filme häufiger wechseln. „Ein buntes Programm wäre wichtig.“ Doch auf einen Blockbuster wie „Avatar“ zu verzichten, kommt nicht in Frage. Er ist ein Frequenzbringer und holt eine andere Besuchergruppe ins Haus als sonst, nämlich Familien mit älteren Kindern. Das sei gerade deshalb wichtig, weil Kinderfilme nicht mehr so ziehen wie früher, erklärt Petra Löw. Ihr Stammpublikum ist weiblich und über 40.

Es war kein gutes Jahr für das traditionsreiche Kino in der Puchheimer Straße. Die Besucherzahlen haben auch nach dem Wegfall der Beschränkungen noch nicht das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht. „Wir liegen gut 30 Prozent hinter den Zahlen von 2019“, sagt Petra Löw. Und selbst da sei der Betrieb schon ein Nullsummenspiel gewesen. Als Hauptkonkurrenz sieht sie die Streamingdienste, wenn Kinofilme dort schon kurz nach dem Erscheinen abrufbar sind.

„Es ist schon schwierig“: Kleine Kinos haben es schwerer

Noch tragen sich die Gröbenlichtspiele, weil der Betreiberin das Haus gehört, in dem das Kino untergebracht ist. Eigentlich, sagt Petra Löw, müsste sie sich selbst eine Miete zahlen, um Rücklagen für Sanierungsarbeiten an dem 72 Jahre alten Gebäude zu bilden. Doch dafür reichen die Einnahmen nicht. „Es ist schon schwierig.“

Sie solle bloß das Kino nicht aufgeben – diesen Satz hört die 60-Jährige oft von ihren Besuchern. Dann kann sie nur dazu auffordern, regelmäßig zu kommen und im Bekanntenkreis Mundpropaganda zu machen.

Dass dem Ort ohne die Gröbenlichtspiele etwas fehlen würde, ist unbestritten. Denn Petra Löw arbeitet neben dem normalen Betrieb regelmäßig mit lokalen Einrichtungen zusammen. Mehrmals im Jahr finden Kinowochen für die Grundschulen statt. Dann besorgt sie die gewünschten Streifen. Meist sind es Verfilmungen von Kinderbüchern, die zuvor im Unterricht gelesen wurden.

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Gröbenlichtspiele: „Ich gebe das Kino nicht vorschnell auf“

Was ebenfalls gut funktioniert, sind die Kinoabende des Bund Naturschutz (BN). Im September lief „Into the Ice“, ein Film über eine Grönlandexpedition. Im November folgte „North Drift – Plastik in Strömen“ über die Vermüllung der Meere. „Diese Filme laufen sehr gut, weil der BN auf seinen Kanälen dafür Werbung macht“, sagt Petra Löw.

Meist besorgt sie der Ortsvorsitzenden vorab einen Zugang zu den Filmen, damit diese potenzielle Zuschauer auf den Inhalt neugierig machen kann. Das funktioniert. Angesprochen fühle sich zwar immer die gleiche Zielgruppe ökologisch bewusster Menschen, aber das Haus ist jedenfalls voll. „Das ist eine schöne Zusammenarbeit“, so Löw.

Im neuen Jahr will sie sich mit dem BN zusammensetzen und die nächsten Kinoabende planen. „Ich gebe das Kino nicht vorschnell auf“, verspricht die 60-Jährige. „Aber wenn die Besucherzahlen nicht um ein Drittel steigen, dann schaut es nicht gut aus.“

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