"Die wollten sie töten"

Vier Schäferhunde fallen Labrador an

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Die körperlichen Wunden der Labradorhündin sind verheilt. Doch den Schock haben Chanouk und ihr Frauchen Andrea Kleist noch immer nicht überwunden. Die Tierärztin beginnt jetzt eine Therapie, um das Ganze zu bewältigen.

Gröbenzell/Dachau - Schock im Maisfeld: Vier hochaggressive Schäferhundmischlinge stürzen sich auf eine Labradorhündin. Sie verletzen das Tier schwer. Das war im September. Jetzt steht fest, die angreifenden Hunde gehören einer Gröbenzellerin. Nur über einen juristischen Umweg kann sie für die Beißattacke ihrer Vierbeiner zur Verantwortung gezogen werden.

Der Mais steht hoch in dem Feld bei Welshofen (Kreis Dachau). Tierärztin Dr. Andrea Kleist ist mit ihrer Hündin Chanouk unterwegs. Wegen der hohen Pflanzen sieht die 54-Jährige die freilaufenden Schäferhundmischlinge erst im letzten Moment. Die Vier hetzen ihre Hündin, werfen sie nieder, schleudern sie herum und beißen sie. Erst als weitere Spaziergängerinnen auftauchen, traut sich die Tierärztin mit einer der Frauen dazwischen zu gehen. Chanouk hat neun tiefe Bisswunden, zahlreiche kleinere Bisse und Kratzer. Für die Spezialistin Dr. Kleist steht fest, die Angreifer sind verhaltensgestört. „Sie wollten sie töten.“

Eine Kollegin behandelt Chanouk. Die Hündin ist traumatisiert. Auch ihr Frauchen hat einiges abbekommen. Die Schäferhunde und die anderen Frauen sind verschwunden. Nur der Name eines Tieres ist bekannt – Lilly. Nach Berichten in der Lokalzeitung meldeten sich jedoch Zeugen. „Es gab viele Hinweise, die haben uns sehr weitergeholfen“, sagt der Sprecher der Dachauer Polizei, Michael Richter.

Unter anderem hatten sich die Zeugen die Nummern mehrerer Autos gemerkt, die in der Nähe des Tatorts geparkt waren. Wie sich jetzt herausstellte, gehörte ein Auto einer 32-jährigen Frau aus Gröbenzell – der Halterin der vier Schäferhundmischlinge.

Doch hat sich die Frau strafbar gemacht? „Nach dem Tierschutzgesetz ist das schwierig. Durch dieses werden Tiere vor Menschen geschützt“, klärt Polizeisprecher Richter auf. Wie weit kann demnach ein Halter das Tun seines Hundes verursachen und inwieweit ist er für dessen Verhalten verantwortlich?

Der Nachweis ist schwer zu führen. Aber: Beim Angriff hatte sich auch Andrea Kleist verletzt. Die Folge: Die Staatsanwaltschaft führt nun ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die 32-jährige Gröbenzellerin. Außerdem wurde die Verwaltung in ihrem Wohnort informiert, um weitere Maßnahmen gegen die Hundehalterin zu ergreifen.

Ein schwacher Trost für Andrea Kleist. Körperlich sind sie und Hündin Chanouk zwar wieder in Ordnung. Aber: „Wir beide haben schwerste psychische Traumata erlitten“, sagt die Tierärztin, die seit 20 Jahren in München-Moosach eine Hundeschule betreibt. Ende Januar beginnt sie eine Therapie. Auf dem Zivilrechtsweg möchte sie zumindest die Heilungskosten für ihre Chanouk erstreiten. Die haben sich auf über 2000 Euro summiert. „Alles Weitere steht in den Sternen“, meint sie.

Der Polizei hat die Gröbenzellerin versprochen, nicht mehr mit ihren Vierbeinern in Welshofen aufzutauchen. Andrea Kleist hat hier leise Zweifel. Nach dem Überfall ist die 32-Jährige beobachtet worden, wie sie erneut in Welshofen ihre Hunde ausgeführt hat. „Ich bin fassungslos über diese Skrupellosigkeit“, meint die Tierärztin.

(Thomas Zimmerly) 

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