Übung der Feuerwehren und Rettungsdienste in der Wolfart-Klinik

Großalarm: „Brand in Krankenhaus“

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Unheimlicher Anblick: Aus einem Patientenzimmer dringt Rauch; hinter den Scheiben leuchtet der Widerschein der Flammen. Der Übung fehlte es nicht an Realitätsnähe.

Brand auf zwei Stockwerken mit 26 betroffenen Personen in der Gräfelfinger Wolfart-Klinik: Dieses Szenario übten jetzt 59 Rettungskräfte, 100 Feuerwehrler und vier Polizisten. 

Unter Atemschutz bergen Feuerwehrmänner die ersten Opfer und bringen sie zum Sichtungsplatz.

Gräfelfing – Um 16.16 Uhr wird Alarm in der Wolfart-Klinik ausgelöst: Auf Station vier sollen zwei Krankenzimmer brennen. Wenige Minuten später erreicht ein erster Rettungswagen die Klinik, kurz darauf folgt die Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing. Schnell wird klar: Die beiden betroffenen Stockwerke sind voller Patienten, die evakuiert werden müssen. Eine erste Gruppe der Feuerwehr dringt mit Atemschutzmasken in das Gebäude ein. Der Rauch auf den beiden Etagen ist so dicht, dass man kaum die Hand vor den Augen sieht. Von außen wird die Drehleiter ausgefahren, werden Schläuche ausgerollt. Immer mehr Löschfahrzeuge und Rettungswagen treffen ein. Schaulustige versammeln sich vor der Klinik, die Waldstraße und anliegende Straßen sind abgesperrt.

Das täuschend echte Szenario war am Donnerstag nur eine Übung. Die Malteser München-Land und die Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing probten in der Wolfart-Klinik den Ernstfall: Ein Brand in einem Krankenhaus mit einem „Massenanfall von Notfallpatienten und Betroffenen“, wie es in der Fachsprache heißt. Die Initiative ging von der Wolfart-Klinik aus, nachdem bei einem Großbrand am Universitätsklinikum „Bergmannsheil“ in Bochum vor einem Jahr zwei Menschen starben. Ziel der Übung war es, die neuen Richtlinien für solche Großeinsätze zu proben, die 2017 auf Digitalfunk umgestellte Einsatzkommunikation zu testen und die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und der Feuerwehr zu optimieren, sagt Johannes Edel von den Maltesern – und so bestmöglich agieren zu können, falls wirklich mal was passiert.

Ein Rauchgenerator hat die Stockwerke mit Disconebel verraucht. Um voranzukommen, müssen sich die Feuerwehrler an den Wänden entlangtasten. Was sie genau erwartet, wissen sie nicht. Im Treppenhaus und in der Station liegen Verletzte. Sie werden ins Erdgeschoss gebracht. Auch über die Balkone und Drehleitern werden Patienten gerettet. Ihre Wunden an Beinen und Oberkörpern sehen täuschend echt aus, ihre Schmerzensschreie klingen authentisch und wollen nicht aufhören. Andere Patienten laufen im Schockzustand herum, eine junge Frau stammelt unentwegt nach ihrer Schwester.

Geordnetes Cha os: Die Drehleiter beleuchtet die Szene vor der Klinik. Rettungswagen fahren der Reihe nach vor, um Verletzte abzutransportieren.

Die Helfer der Malteser begutachten alle Verletzungen, ordnen sie je nach Schwere in unterschiedliche Kategorien ein. Draußen steht etwas entfernt ein Reservoir an Rettungswagen bereit, die je nach Bedarf vor die Klinik fahren. Der Einsatzleiter koordiniert in einem Wagen die Abläufe. „Solche Einsätze proben wir etwa einmal im Monat in verschiedenen Gebäuden wie zum Beispiel auch Schulen“, sagt Gerhard Bauer, Kreisbrandmeister der Kreisbrandinspektion München. Neben der Kreisbrandinspektion und der Gräfelfinger Feuerwehr waren am Donnerstag auch die Feuerwehren aus Planegg, Neuried und Krailling beteiligt. Sie alle und die Malteser „wussten, dass es eine Übung geben wird, das genaue Drehbuch kannten sie aber nicht“, sagt Johannes Edel. Ehrenamtliche Helfer der Malteser spielten mit viel Hingabe die Patienten.

Ebenso wie das Szenario an sich waren auch alle Zeitabläufe, Standorte der Fahrzeuge und andere Details genau wie bei einem echten Großbrand arrangiert. „Die Feuerwehr versucht immer, von außen zu retten. Wenn das nicht möglich ist, betreten sie das Gebäude“, sagt Johannes Edel. Die Rettungsdienste holen die Verletzten erst von einem Sichtungsplatz ab, den die Feuerwehr in der Nähe des Brandes einrichtet – in der Wolfart-Klinik ein Teil des Erdgeschosses. „Es ist natürlich wichtig, dass sich Feuerwehrler und Rettungsdienste dabei nicht gegenseitig blockieren, sondern koordiniert arbeiten.“ Die Wagen der Rettungsdienste parken deshalb stets etwas entfernt, damit die Zugangswege für die Feuerwehrler frei sind.

Ein Patient wird in den Rollstuhl gesetzt, für die Fahrt zur Erstversorgung.

Die große Auswertung der Übung in Gräfelfing wird erst in einigen Monaten fertig sein. Wenige kleine Fehler waren bereits während der Übung erkennbar. So wurden zwei, drei Patienten unter Schockzustand im Erdgeschoss eine Weile von niemandem beachtet. Ein Rettungswagen fuhr in den direkten Zugangsweg vor der Wolfart-Klinik hinein und musste dann wenden.

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