Großeinsatz wegen Brand in Puchheim - Einsatzkräfte verletzt

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Puchheim - Bei einem Brand in einer Autowerkstatt in Puchheim bei München ist am Sonntag ein Millionenschaden entstanden. Ein Polizist und ein Feuerwehrmann wurden verletzt.

Es klang wie ein entferntes Feuerwerk oder Gewehrsalven, erzählt eine Nachbarin. Als sie am Sonntag früh um 5.30 Uhr aus dem Fenster blickte, brannte das Dach einer großen Halle im Gewerbegebiet am Bahnhof schon lichterloh. „Es prasselte und knallte, wir hatten richtig Angst.“

Beißender Rauch zog über den Ort, der Funkenflug war so stark, dass die Bahnlinie zwischen Fürstenfeldbruck und Puchheim zwei Stunden lang gesperrt werden musste. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurden die Anwohner per Rundfunkdurchsage gebeten, ihre Fenster geschlossen zu halten. Der Großbrand hat eine Autowerkstatt und eine Lagerhalle völlig zerstört. Der Schaden geht in die Millionen, schätzt die Polizei.

Bilder vom Einsatzort

Großeinsatz wegen Feuer in Puchheim

„Wahrscheinlich ist die 60 Meter lange Halle nicht mehr zu retten und das Metallgerüst, das die Flammen übrig ließen, muss abgerissen werden“, sagte ein Polizeisprecher.

Das Feuer brach zwischen 4 und 5 Uhr im Gewerbepark Josefstraße aus. 180 Feuerwehrleute rückten aus, konnten den Brand aber bis gestern Abend nicht vollständig löschen, da immer wieder Glutnester aufloderten. Am Nachmittag sprühten sie deshalb das Dach vollständig mit Löschschaum ein.

Die Bedingungen für den Einsatz waren schwierig — das Industriegelände beherbergt rund 80 Firmen und ist unübersichtlich, sagte Kreisbrandrat Hubert Stefan. Immerhin konnten die Feuerwehrmäner ein Übergreifen auf die restlichen Gebäude verhindern. Ob ein technischer Defekt oder Brandstiftung das Großfeuer auslösten, ist noch unklar. Die Fahnder kamen nicht weiter, da sie die Halle wegen der hohen Temperatur und der Einsturzgefahr nicht betreten konnten. So ist die Brandursache weiterhin völlig unklar.

Ob das Feuer in der Werkstadt oder in der Lagerhalle ausbrach, konnte nicht ermittelt werden. Lediglich die Ursache der Knallgeräusche dürfte geklärt sein: „Das waren die Eternitplatten auf dem Dach, die es wegen der enormen Hitze lautstark zerrissen hat“, vermutete der Kreisbrandrat.

Für die Puchheimer Feuerwehr war es der zweite Großeinsatz binnen einer Woche. In der Neujahrsnacht waren sie zu einem Balkonbrand ausgerückt – und dann von rund 60 Vandalen mit Feuerwerkskörpern beschossen worden.

Erst in der vergangenen Woche kam es auch in Dachau zu einem Großbrand in einem Sportcenter.

Susasse Sasse

 

Die sprach mit Augenzeugen des Infernos:

Angst um die Feuerwehrler

Meine ganze ­Familie ist bei der Feuerwehr, deshalb schaue ich hier vorbei. Vielleicht brauchen sie etwas. Mein Vater war 46 Jahre Feuerwehrmann, früher waren sie aber viel seltener im Einsatz. Heute müssen sie fast jeden Tag raus. Ich habe auch Angst um meine Lieben, bei einem Brand kann immer etwas passieren. Was an Silvester passierte, ist sowieso unglaublich!

Renate Luther (51), Hausfrau aus Puchheim

Es war richtig unheimlich

Ungefähr um fünf Uhr hörten wir mehrere ­Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht vorbeirasen. Kurz darauf gab es eine mordsmäßige Knallerei. Das hat sich angehört, als würden Tanks in die Luft fliegen. Das hat wirklich ordentlich geballert, es war beängstigend. Wir wohnen ungefähr 800 Meter von der Brandstelle entfernt und haben gesehen, wie über dem Industriegebiet eine dunkelrot angeleuchtete Rauchsäule in den Nachthimmel stieg. Es war unheimlich!

Rosemarie (72) und Georg (72) Werner, Rentner

Proberaum in Gefahr

Um 5.20 Uhr sprang mein Sohn Simon aus seinem Bett und raste zur Feuerwehr. Das ist hier ja ein Inferno! Jetzt bange ich um unsere Verstärker. Wir haben hier auf dem Gelände unseren Bandproberaum, und darin lagern Geräte im Wert von 30 000 Euro. Ich hoffe, dass es nur Zufall ist, dass sich die Feuerwehreinsätze in letzter Zeit so häufen. Schlimm, dass die Feuerwehr an Silvester beim Einsatz beschossen wurde!

Frank Ankele (54), Diplomingenieur

Seit Stunden im Einsatz

Meine 180 Kollegen und ich sind seit aller Herrgottsfrüh im Einsatz. Ich hoffe, die Menschen honorieren die Arbeit von uns Feuerwehreleuten. Ich war an Silvester dabei, als meine Kameraden oben auf der Leiter beschossen wurden. Es war schrecklich! Aber an so etwas denkt man während einem Einsatz nicht. Ich hoffe, die Verantwortlichen werden gefunden und zur Rechenschaft gezogen.

Andreas Gierstorfer (25), Feuerwehrmann

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