Der Mann, der die Mallards rockte

Große Trauer um Phill Handy

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Seine Späßchen machte er auch mit dem Gegner: Phill Handy (M.), hier noch als Spieler, hatte für alle etwas übrig.

Sein deutsch-amerikanischer Dialekt amüsierte alle, seine Rockmusik pushte die Spieler, und sein unermüdlicher Einsatz brachte den Bau des Sportgeländes voran: Die Baseballer der Erding Mallards trauern um eines ihrer wichtigsten Gesichter: Phill Handy.

Erding – „Dein Werf muss ankommen“, sagte Phill Handy immer zu seinen Schützlingen. Das war dem Baseball-Trainer ein wichtiges Anliegen – wichtiger als der Fakt, dass der „Werf“ eigentlich der „Wurf“ ist. Seine Baseball-Freunde bei den Erding Mallards verbesserten ihn aber nicht. Im Gegenteil: Sie genossen diesen deutsch-amerikanischen Sprech, den der gebürtige US-Bürger drauf hatte. „Es war schon Deutsch, aber es hat sich immer sehr Amerikanisch angehört“, sagt Anders Lind schmunzelnd.

Er ist der 2. Vorsitzende der Stockenten, wie die Mallards auf Deutsch übersetzt heißen. Auch Lind spricht mit Dialekt, er kam 1991 aus seiner Heimat Schweden nach Deutschland. Aber Handys Ansprachen amüsierten ihn trotzdem. Lind erzählt, dass es Handy, Jahrgang 1961, auch mit den Artikeln nicht so genau genommen habe. „Der Werf“ oder „das Werf“, wen interessierte das schon. „Die Artikel hat er nach Gutdünken eingesetzt. Ich wohne lange genug hier, um zu erkennen, dass sein Deutsch nicht perfekt war. Aber das war halt seine Marke“, sagt Lind lachend.

Eine Marke, das war Handy unbestritten. „Er war immer lustig, machte viele Witze, zum Beispiel bei unseren Spielen.“ Einst trainierte Handy nämlich ein paar Jahre lang die Herren-Mannschaft der Mallards. 2012 sprang dabei die Vizemeisterschaft in der Landesliga heraus. Lind war sein Spieler und kam oft mit lauten Klängen in Kontakt. Nicht, weil sein herzlicher Coach so viel schimpfte, sondern weil dieser großer Fan von Classic Rock und Hard Rock aus den 70er- und 80er-Jahren war. „Das legte er als Aufwärmmusik auf – so laut es ging“, erzählt Lind.

Auch mit lautstarken Maschinen war Handy bestens vertraut. Als die Mallards in den Jahren 2009 und 2010 ihre neue Heimat in Schollbach aufbauten, war der Mann aus Connecticut als Bauleiter immer unterwegs – egal, ob mit der Planierraupe, dem Traktor oder der Bobcat. Mit Maschinen und Werkzeugen kannte sich Handy eben auch aus. Bei der Hightech-Werkstatt „MakerSpace“ in Garching war er bis zuletzt Geschäftsführer.

Teambuilding, auch das beherrschte der Mann, der nicht nur Spieler und Trainer war, sondern von 2010 bis 2012 auch 2. Vorsitzender: „Er hat uns immer angefeuert, aber nie jemanden schlecht gemacht. Seine Anweisungen waren so, dass sie denjenigen weitergebracht haben“, sagt Lind. Eine liebevolle Person, die nicht nur in sportlicher Hinsicht ein Familienmensch war: Handy lebte mit seiner Frau und drei Kindern in Kinzlbach (Bockhorn).

Bei den Erding Mallards gibt es ab sofort nur noch den „Wurf“, nicht mehr den „Werf“. Und die 33, Handys Rückennummer, wird es auch nicht mehr geben. „Sie ist jetzt eine Retired Number, also bei uns gesperrt“, sagt Lind. Denn Phill Handy ist nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Zu seinen Ehren trägt ab sofort kein Mallard mehr die 33 auf dem Rücken, dafür aber in seinem Herzen.

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