Besitzer muss in einer anderen Farbe streichen

Ein knallgrünes Haus? Nicht mitten in Olching

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Nicht zu übersehen: Das Geschäftshaus am Nöscherplatz 6 in Olching. Der Vermieter hat es quietschgrün streichen lassen – das passt der Stadt gar nicht. Denn erlaubt sind nur weiße Farbe und Grautöne.

Olching - Anton Oswald ist ein "farbenfroher Mensch". Deswegen hat er sein Jeanshouse in Olching auch knallgrün streichen lassen. Doch das ist der Stadt viel zu bunt - sie gibt ihm eine ganz andere Farbe vor.

Anton Oswald (47) braucht Farbe in seinem Leben. Früher war das Haus lavendelfarben. Momentan findet er grün gut. Und das zeigt er allen – zumindest allen Passanten am Nöscherplatz – in Olchings guter Stube. Dort steht sein Geschäftshaus und das hat Anton Oswald kreischend grün streichen lassen. „Mir gfoit’s guad“, sagt der Olchinger und lacht. Eine bunte Welt sei doch schön, meint er. Außerdem sei die Raiffeisenbank in Eichenau ja auch blau und das Radgeschäft orange gestrichen. Und: „Unser Haus war immer schon auffällig“, sagt Oswald, der das Gebäude an die Geschäftsleute vom Jeanshouse vermietet.

Doch der Stadt gefällt der farbliche Ausflug in gewagtere Welten überhaupt nicht. Im zuständigen Bauamt bevorzugt man weiß. Oder grau. Das hat man erst unlängst bei der Änderung des Bebauungsplanes festgelegt – betroffen sind genau vier Häuser. Denn die sollen farblich ins Bild passen. In diesem Zuge wurden auch Stellplätze reguliert, es gab eine öffentliche Auslegung.

"Irgendwie interessiert mich sowas halt wenig"

An Anton Oswald ist das vorbeigegangen. „Irgendwie interessiert mich sowas halt wenig“, gibt er lachend zu. Die Sprecherin der Stadt sagt dagegen: „Wir gehen davon aus, dass die Neuerungen bei allen Betroffenen angekommen sind.“ Wegen seiner unbeabsichtigten Farb-Rebellion ist dem 47-Jährigen nun ein Beschwerdeschreiben ins Haus geflattert. Er muss die Fassade sofort neu streichen – auf eigene Kosten. Farbauswahl: weiß oder grau.

Das will Oswald aber erst einmal nicht. „Ich mag halt mal sehen, ob man da eine friedliche Lösung finden kann“, sagt er. „Ich will kein böses Blut.“ Aber irgendwie ärgert es ihn schon, dass ihn von der Stadt niemand darauf aufmerksam gemacht hat, als er dort sein Gerüst anmelden musste. Dann hätte er eben weiß gestrichen.

Nachbarn würden sich nicht an dem Grün stören, sagt Oswald

Doch jetzt hat sich der Olchinger schon an das neue Aussehen gewöhnt. Auch die Nachbarn würden sich nicht an dem Grün stören, sagt Oswald. Im Gegenteil: Er habe schon viele positive Rückmeldungen bekommen. Das freut den Vermieter. Obwohl er andererseits auch zugibt: „Jo mei, es is ja bloß a Farb.“

In Bruck übrigens gab es im Jahr 2006 eine ähnliche Debatte, nachdem ein Radgeschäft sich die Farbe blau ausgesucht hatte. Die damaligen Proteste dagegen verhallten ungehört. Zweirad Fischbecks Haus ist bis heute blau.

Verena Usleber

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