81-Jähriger ungerecht behandelt? 

Vor seinen Augen überfahren: Herrchen ohrfeigt Autofahrer und wird dafür angezeigt

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Manfred Schmitz und sein Hund Felix (r.) hatten eine besonders innige Bindung. Der Verlust seines treuen Begleiters schmerzt den Grünwalder noch immer. 

Als wäre die Trauer nicht schon schlimm genug: Ein 81-Jähriger fühlt sich nach dem Unfalltod seines Hundes Felix ungerecht behandelt. 

Grünwald – Manfred Schmitz (81) aus Grünwald ist unendlich traurig. Durch einen Unglücksfall hat er seinen Hund Felix verloren, der ihm über viele Jahre ein treuer Begleiter gewesen ist. Dass Schmitz bei all dem Kummer auch zwei Anzeigen ins Haus geflattert sind – daran ist er nicht ganz unschuldig. Trotzdem fühlt er sich ungerecht behandelt.

„Wie ein böser Traum“

„Die ganze Sache kommt mir vor wie ein böser Traum“, sagt Manfred Schmitz. Er ist angezeigt wegen Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Die Folge eines Zwischenfalls, bei dem der Rentner offensichtlich die Nerven verloren hatte. Der Tag, an dem ein Autofahrer (82) seinen geliebten Mischling Felix überfuhr, auf dem Zebrastreifen in der Schlossstraße in Grünwald.

Der Tag auch, an dem Schmitz aus Wut und Schmerz heftig reagierte: Er verpasste dem Autofahrer an Ort und Stelle, durchs offene Fenster, eine Ohrfeige. Um dann, vor Sorge um seinen Hund, den Unfallort zu verlassen und zum Tierarzt zu laufen. Und sich damit unerlaubt entfernt hat.

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„Das ist wie eine Zäsur im Leben“

Felix wurde auf dem Zebrastreifen von einem Auto überfahren. 

Beides gibt Schmitz unumwunden zu. Aber er habe im Affekt gehandelt, sagt er. Nicht aus böser Absicht. Er fühle sich ungerecht behandelt, sagt er, schließlich sei er der Geschädigte. Denn, so hatte es auch die Polizei berichtet, der Autofahrer war nach der Watschn so heftig erschrocken, dass er unvermittelt losfuhr und Manfred Schmitz mitriss. Der fiel schließlich auf die Straße und blieb dort liegen mit Prellungen und Verstauchungen auf der rechten Körperhälfte.

Die Schmerzen hat der Senior überstanden. Den Tod seines Hundes allerdings hat er nicht verkraftet. „Das ist wie eine Zäsur im Leben“, sagt er. Um seine Trauer in den Griff zu bekommen, habe er sich zwischen den Jahren zwei Wochen auf die Insel Sylt zurückgezogen, sagt er. Und er hat einen Anwalt eingeschalten. Schmitz will ebenfalls klagen. Sein Anwalt macht ihm Hoffnung auf Schmerzensgeld. Doch das Geld ist Manfred Schmitz nicht wichtig. „Was habe ich davon, wenn der Hund nicht mehr lebt?“ Ihm geht es um Gerechtigkeit.

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Eine Ohrfeige gilt als Körperverletzung

Rein rechtlich gibt es jedoch wenig zu rütteln: Eine Ohrfeige gelte bereits als Körperverletzung. Beim unerlaubten Entfernen vom Unfallort könnte das Gericht möglicherweise zu Gunsten des 81-Jährigen entscheiden. „Es wird der Einzelfall bewertet. Womöglich war hier der Versuch, das Leben des Hundes zu retten, wichtiger“, sagt ein Sprecher der Polizei Grünwald.

Da es in der Gemeinde Grünwald keine generelle Leinenpflicht gibt, bekommt Schmitz diesbezüglich keine Probleme. Felix sei eigentlich immer ohne Leine über den Zebrastreifen gelaufen, sagt er. Bedenken hatte der 81-Jährige keine. „Wir sind hier bestimmt schon 150 Mal vorbei gegangen, Felix kannte den Weg, obwohl er blind war.“

Die Trauer sitzt tief bei Manfred Schmitz. Er hat Felix auf dem Tierfriedhof „Letzte Ruhe“ in Obermenzing begraben lassen. Hier kann er ihn regelmäßig besuchen und sich an die schöne, gemeinsame Zeit erinnern.

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