Münchner stößt auf Schädel

Gruselfund von Grünwald: Der Schwammerlsucher erzählt

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Christian Dieckmann (64) aus München wollte Pilze suchen – gefunden hat er einen Plastikschädel.

Grünwald - Als er den Schädel mit dem Finger anstößt, gefriert ihm das Blut in den Adern. Beim Schwammerlsuchen in Grünwald findet ein Münchner einen Schädel. In der tz erzählt er von dem Gruselfund.

Der vermeintliche Kinderschädel.

Unter dem kleinen Totenkopf liegt ein abgebrochener Halswirbel. Christian Dieckmann (64) stockt der Atem. Er hat selbst zwei Enkelsöhne, drei und zehn Jahre alt, und weiß: Der fleckige Schädel dort unter dem fauligen Baumstumpf kann nur einem Kind gehören. Mit zitternden Händen wählt er die Nummer der Polizei.

Ein totes Kind? Hier in Grünwald? Was ist nur passiert? Dieckmanns Gedanken rasen. Erst Stunden später wird er durchatmen können. Erst nachdem Kriminalpolizei und Spurensicherung angerückt sind und den Wald durchkämmt haben, ist klar: Der Schädel gehört nicht zu einem Kind. Es gab auch kein grausames Verbrechen. Dieser Schädel ist aus Plastik – und Teil eines Spiels.

Das alles weiß der Münchner Dieckmann an diesem Dienstagmorgen noch nicht. Er ist mit seiner Tochter Cornelia (35) unterwegs, Schwammerlsuchen. Kurz hinter dem Grünwalder Waldfriedhof stellen sie ihr Auto ab, folgen dem Feldweg in den Wald. Ein Nachbar hat ihnen die Stelle nahe des Walderlebniszentrums empfohlen. Aber Dieckmann und seine Tochter haben kein Glück. Mit leerem Korb machen sie sich nach einer Weile auf den Rückweg.

Sie kommen an einem Baumstumpf vorbei. Christian Dieckmann, Koch von Beruf, will einen letzten Blick riskieren. Vielleicht verstecken sich ja dort ein paar Schwammerl. „Zuerst dachte ich, da liegt ein kaputter Ball.“ Er beugt sich vor, berührt den Gegenstand mit dem Finger. „Ich glaube, jetzt muss ich die Polizei rufen“, murmelt er in Richtung seiner Tochter Cornelia. Da ist es 10.31 Uhr. Dieckmann weiß das, weil er auf seine Uhr schaut: „Fürs Protokoll.“

Seine Tochter ist völlig aufgelöst, weint, denkt an nichts anderes als ihre beiden Söhne. „Ich hätte Cornelia fernhalten müssen“, sagt Dieckmann. Als die Polizei eintrifft, fahren Dieckmann und seine Tochter heim. Sie denken immer noch, dass da ein totes Kind im Wald liegt.

Noch mehr Totenschädel: Offenbar ist das die Belohnung für die GPS-Schnitzeljagd.

Erst am Nachmittag löst sich die Anspannung auf. Die Spurensicherung stellte fest, dass der Schädel aus Plastik ist. Offenbar war er Teil einer digitalen Schnitzeljagd („Geocaching“), bei der man mit Hilfe von GPS-Daten Schätze an verschiedenen Stationen finden muss. Der täuschend echte Plastikschädel sollte wohl das Versteck origineller machen. Die Polizei bittet: Solche Scherze unterlassen!

Tobias Scharnagl

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