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Gruseliger Fund vor Kloster: Bauarbeiter graben Skelette aus - Forscher mit erster Vermutung

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Von: Clara Wildenrath

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Kein Durchkommen gibt es vor dem Kloster in Dietramszell – sehr zum Leidwesen der Gewerbetreibenden.
In der Dietramszeller Ortsmitte unmittelbar vor dem Kloster ist viel Erdreich bewegt worden - dabei stießen die Bauarbeiter auf einen gruseligen Fund: Fünf menschliche Skelette wurden ausgegraben. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Am Kirchenvorplatz in Dietramszell wurden menschliche Knochen gefunden. Insgesamt fünf Skelette wurden freigelegt. Vermutlich handelt es sich um einen alten Friedhof.

Dietramszell – Damit hatten sie nicht gerechnet: Als die Bauarbeiter den Untergrund für die Renovierung des Klostervorplatzes in Dietramszell vorbereiten wollten, stießen sie auf Knochen – menschliche Knochen, wie sich schnell herausstellte. Das herbeigerufene Ausgrabungsunternehmen barg inzwischen die Skelette von insgesamt fünf Personen.

Skelett am Kirchenvorplatz
Die Gebeine, die am Kirchenvorplatz gefunden wurden, werden derzeit einer anthropologischen und archäologischen Untersuchung unterzogen. © Gemeinde Dietramszell

Gruseliger Fund vor Kloster Dietramszell: Bauarbeiter graben fünf Skelette aus

Die Gebeine fanden sich Anfang August dieses Jahres im Wurzelbereich der drei alten Linden, die bis zum Frühjahr vor dem Kloster gestanden hatten, berichtete Bürgermeister Josef Hauser in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Der Archäologe Dr. Jürgen Schreiber aus Peiting (Landkreis Weilheim-Schongau), der die eingeleiteten Untersuchungen leitet, geht davon aus, dass die Bestattungen „auf jeden Fall vor der Pflanzung der Bäume“ stattfanden.

Hauser schätzt ihr Alter daher auf mindestens 150 Jahre. Eine genauere Datierung sei schwierig, so Schreiber, weil keinerlei Grabbeigaben wie Rosenkränze oder Wallfahrtsanhänger gefunden wurden. „Es gibt nur ein paar bronzene Gewandhäkchen und einige Sargnägel.“

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Knochen werden untersucht: Skelette könnten zu einem alten Friedhof gehören

Die Anthropologin Dr. Kristin von Heyking aus Grafrath (Landkreis Fürstenfeldbruck) untersuchte die Knochen genauer. „Es handelt sich um erwachsene Personen männlichen und weiblichen Geschlechts“, erklärte sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Auffällige pathologische Veränderungen habe sie an den Knochen nicht entdeckt. Die Skelette seien in gestreckter Lage in Ost-West-Richtung bestattet worden, laut der Expertin handelt es sich daher um christliche Begräbnisse. „Vermutlich gehörten sie zu einem ehemaligen Friedhof.“

Weil die menschlichen Überreste in zwei Erdschichten übereinanderlagen, nimmt von Heyking an, dass die Bestattungen in einigem zeitlichen Abstand erfolgt sind. „Eventuelle Überreste eines alten Friedhofs sind durch die Bauaktivitäten in den vergangenen Jahrzehnte wohl weitgehend zerstört worden“, vermutet auch Rathauschef Hauser.

Klosterkirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut - Vorplatz wird neu gestaltet

Die heutige Kloster- und Pfarrkirche, vor deren Eingang sich die Skelette fanden, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, das Kloster selbst besteht schon seit über 900 Jahren. Über die Jahrhunderte wurde es immer wieder von Bränden und Kriegen heimgesucht und mehrfach wieder aufgebaut. Seit 1831 befindet es sich im Besitz der Salesianerinnen aus Indersdorf (Landkreis Dachau).

Mehr Aufschluss darüber, wann die fünf Menschen beerdigt wurden, bringen möglicherweise die Ergebnisse der anthropologischen und archäologischen Untersuchungen. Die liegen der Gemeinde bislang nicht vor.

Die Neugestaltung des Klostervorplatzes beeinträchtigt die laufende Nachforschung nicht. Nachdem die Archäologen die fünf Skelette geborgen hatten, gingen die Bauarbeiten weiter. Im Herbst sollen die Dorferneuerungsmaßnahmen vor der Kirche abgeschlossen sein.

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