H1N1-Impfung: Bayern verbrennt 39 Millionen

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Nur eine halbe Million Bayern holten sich den Impfschutz.

München - Im Jahr 2009 grassierte die Schweinegrippe in Deutschland und es wurde fieberhaft ein Impstoff entwickelt, damit die Bevölkerung geschützt wird. Jetzt endet die Haltbarkeit des Präparats.

Der Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) war der Schweinegrippe entgegengetreten und hatte sich als erster Bürger des Freistaats am 21. Oktober 2009 die Impfung setzen lassen. Nur: Die Bayern taten es ihm nicht gleich. Der Freistaat blieb auf Millionen von Spritzen sitzen. Jetzt läuft deren Haltbarkeit ab – und gut 39 Millionen Euro Steuergeld gehen buchstäblich in Flammen auf! Dazu kommen weitere Millionen für Grippe-Medikamente wie Tamiflu 

Wissenschaftler hatten lange befürchtet, dass eine neue Grippe-Pandemie die Menschheit heimsuchen würde. Zuletzt hatte die Spanische Grippe ab 1918 bis zu 50 Millionen Menschen dahingerafft. Dann kam im April 2009 die unbekannte, sehr ansteckende Virus-Mutation vom Typ H1N1. Die Weltgesundheitsorganisation rief die höchste Warnstufe aus.

Für diesen Notfall hatte der Bund vorsorglich Verträge mit Pharma-Konzernen geschlossen – um schnell an genügend Impfstoff zu kommen. GlaxoSmithKline sollte in Dresden 50 Millionen Dosen Pandemrix herstellen, das bei zweimaliger Impfung für 25 Millionen Bürger reichen würde. Nachdem bereits eine Spritze ausreichend schützte und die Diskussion über die Sicherheit des Wirkstoffs Impfmüdigkeit erkennen ließ, reduzierte man die Bestellung auf 34 Millionen Dosen. So erreichten den Freistaat statt der geplanten 7,5 Millionen Dosen nur 5,1 Millionen Einheiten. Von diesen lagern immer noch 3,5 Millionen an einem geheimen Ort, bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage der tz. Die Kosten belaufen sich auf jeweils 8,33 Euro – macht einen Schaden von 29,2 Millionen Euro.

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Da die zweijährige Haltbarkeit ab September abläuft, sucht Sachsen-Anhalt im Auftrag aller Bundesländer für den Impfstoff im Gesamtwert von 239 Millionen Euro eine große Müllverbrennungsanlage. Doch der Schaden in Bayern ist größer: Die fehlenden 1,6 Millionen Einheiten sind mitnichten alle genutzt worden, weil sich die Bayern als besonders impfmüde erwiesen.

Das Ministerium verweist auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts, nach der nur vier Prozent der Bayern sich beim Hausarzt immunisieren ließen. Das entspricht 500 000 Impflingen. Die restlichen 1,1 Millionen Einheiten müssten demnach noch in den Kühlschränken von Apotheken und Ärzten lagern, wenn sie nicht längst in den Müll gewandert sind. Macht noch einmal 9,2 Millionen Euro Steuergeld, das der Freistaat vorgestreckt hat.

 Dazu kommen fast 200 000 Euro für das Serum speziell für Schwangere. Gesamtschaden: 38,6 Millionen Euro! Aber auch dieser Betrag steigt noch: Der Freistaat lagert 3,8 Millionen Packungen verschiedener Medikamente wie Tamiflu für bereits Grippekranke ein – Kosten: 42,6 Millionen Euro. Die ersten Einheiten liefen im Oktober 2010 ab, die letzten dürften bis 2016 fällig sein.

David Costanzo

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