Frauenarzt soll seine Frau getötet haben

Haftbeschwerde: Kommt Michael B. frei?

Michael B. (r.) besteht darauf, seine Gattin Brigitte nicht getötet zu haben.

Pretzen/Landshut - Der Anwalt des wegen Mordes verdächtigten Frauenarztes Dr. Michael B. hat Haftbeschwerde eingelegt. Ob der 54-Jährige, der seine Frau getötet haben soll, freikommt, entscheidet das Landgericht Landshut.

Seit 5. Dezember befindet sich der einst angesehene Gynäkologie-Professor in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Landshut. Michael B., der zwei Jahre lang eine Frauenarzt-Praxis in Erding betrieb, wird vorgeworfen, am 4. Dezember seine Gattin im gemeinsamen Reihenhaus am Hochrainacker in Pretzen zunächst geschlagen und dann erwürgt zu haben. Laut Obduktionsbericht starb die 60-Jährige durch das Zudrücken ihres Halses.

Der Tatort in Erding.

Michael B., lange Jahre erfolgreicher Chefarzt an den Frauenkliniken in Bremen und Osnabrück, bestritt anfangs, seiner Frau Gewalt angetan zu haben. Er sprach von einem Unfall, bei dem er nicht anwesend gewesen sei. Deswegen habe er am 4. Dezember seinen Nachbarn gebeten, den Rettungsdienst zu verständigen. Ein wenig später eintreffender Notarzt konnte aber nur noch den Tod feststellen. Nach seiner Inhaftierung äußerte sich B. gar nicht mehr.

Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Maximilian Müller aus München, hatte noch vor einem Monat Informationen unserer Zeitung bestätigt, keinen Haftprüfungsantrag gestellt zu haben. Das macht aber jeder Anwalt sofort, wenn es ernsthafte Zweifel an der Tat gibt. Nun hat Müller Haftbeschwerde eingelegt. Deren Eingang bejahte am Dienstag Dr. Christoph Fellner, Richter und Pressesprecher des Landgerichts Landshut. „Das Dokument liegt vor. Darüber wird die Erste Strafkammer entscheiden, also das Schwurgericht.“ Dies sei noch nicht erfolgt, mit einer Entscheidung rechnet Fellner in den kommenden Tagen. „Bei Haftfragen ist immer Eile geboten.“ Grundsätzlich wird Haftbeschwerde eingelegt, um einen Untersuchungshäftling aufgrund mangelnder belastender Beweise freizubekommen.

Zu den Erfolgsaussichten der Beschwerde wollte sich Fellner nicht äußern. Auch von der Staatsanwaltschaft war dazu keine Aussage zu bekommen. Die Chancen für B. dürften aber nicht sehr gut stehen. Denn laut Obduktionsbericht kam Brigitte B. durch händische Gewalteinwirkung zu Tode. Damit wird sich die Verteidigung schwer tun, das Schwurgericht von einem Unfall zu überzeugen. Dies ist die einzig mögliche Strategie Müllers, der gestern nicht zu erreichen war.

Wird die Haftbeschwerde abgelehnt, gilt ein Gerichtsverfahren als sicher. Derzeit läuft es auf einen Indizienprozess hinaus. Den würde Gisela Geppert, Vorsitzende des Schwurgerichts leiten. Die als erfahren, besonnen und akribisch bekannte Richterin leitete auch die Verhandlungen gegen den Mörder des Kirchascher Finanzbeamten Anton Fanger sowie gegen den jungen Doppelmörder von Notzing. Ersterer wurde zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt, Zweiterer erhielt lebenslänglich.

Das Haus des Paars in der Pretzener Siedlung liegt in einer Art Dornröschenschlaf. Nachbarn berichten, ab und an würden Ermittler ein- und ausgehen. Die Spurensuche und -auswertung ist noch nicht abgeschlossen. Deswegen ist auch der Mercedes des Arztes, zu dem anfangs Zeugenhinweise erbeten wurden, immer noch polizeilich beschlagnahmt.

Hans Moritz

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