Bauprojekt kommt nochmal auf den Prüfstand

Fehler bei Hallenbad-Planung: In Becken dürften nur vier Kinder gleichzeitig

Von fünf Millionen Euro war man ausgegangen. Inzwischen sind die Kosten für Moosburgs neues Hallenbad auf das Doppelte angewachsen – netto, wohlgemerkt. Nun soll alles noch einmal auf den Prüfstand. Auch das eigentlich schon beschlossene, 350 000 Euro teure Babyplanschbecken.

Moosburg – Wer den Planern und dem Gesundheitsamt am Montag im Moosburger Stadtrat Glauben geschenkt hat, für den macht ein Babyplanschbecken ohnehin keinen Sinn. Schon aus Hygienegründen, wie es hieß. Mehr als vier Kinder gleichzeitig dürften demzufolge nicht hinein in das Becken. Andernfalls müsse das Wasser wohl alle halbe Stunde ausgetauscht werden.

Aus Sicht von Rudolf Heinz (CSU) war dies kein Grund, auf ein Familienbad inklusive Planschbecken zu verzichten. „Ja, die bieseln nei“, stellte er fest. Deshalb lasse er sich aber die Sache nicht ausreden, sagte Heinz zur Einschätzung von Gesundheitsamtsmitarbeiter Martin Hofmair, dessen Urteil negativ ausgefallen war. Verärgert zeigte sich Heinz aufgrund der vorgelegten, auf ihn konfus wirkenden Zahlen. Er könne den Stand der Dinge jedenfalls nicht nachvollziehen, empörte sich Heinz und fügte an: „Ich mag gar keinen Beschluss fassen.“ 

Architekt Rainer Eckert räumte Fehler ein. Ursprünglich hatte man in einer anderen Planungsvariante das Hauptbecken tiefer im Boden angesiedelt, was zu Mehrkosten geführt hätte. Eckert betonte jedoch, dass die nun ausgewiesenen Kosten belastbar seien.

Geschätzte Kosten haben sich verdoppelt - „noch nicht Ende der Fahnenstange“

Zweifel waren offenbar angebracht. Laut Grünen-Stadtrat Johannes Becher sind die derzeitigen Kosten nicht das Ende der Fahnenstange. Er hege „mehr und mehr Zweifel“, ob man sich das Bad überhaupt leisten könne, erklärte Becher. Neben den Bau- dürfe man auch die Unterhaltskosten nicht vergessen. Von 70.000 Badegästen auszugehen, hielt Becher für unrealistisch. Es sei wohl eher mit 45.000 zu rechnen.

Gerhard Beubl (SPD) erinnerte daran, dass man irgendwann einmal von fünf Millionen Euro Kosten ausgegangen war. Jetzt sei man bei zehn Millionen, und so wie es aussehe, werde auch das sicher nicht ausreichen. Er sei für ein Hallenbad, „aber nicht um jeden Preis“, machte der SPD-Stadtrat deutlich. 

Pschorr und Hilberg wollen am Plan festhalten

Parteigenosse Martin Pschorr brach indes eine Lanze für das neue Hallenbad. „Man muss schon sagen, dass wir eigentlich ein Hallenbad wollen“, erklärte Pschorr. Auch davon, dass man sich das Babybecken durchaus leisten könne, zeigte er sich überzeugt. „Man muss es noch einmal aufbereiten“, urteilte Pschorr über die Kostenberechnung und über die Betriebskosten, die mit 250.000 angegeben worden waren.

Michael Hillberg (UMB) plädierte ebenfalls für den Bau eines Planschbeckens. „Es sollte Bestandteil bleiben“, forderte er mit dem Hinweis, dass es andernorts doch auch gehe. Von den Kosten abgesehen sei ihm nicht bekannt, dass das Baden irgendwo auf vier Kinder beschränkt sei.

Alles nochmal auf den Prüfstand

Bürgermeisterin Anita Meinelt hatte ohnehin gleich zu Anfang dafür plädiert, sich beim Babybecken noch nicht auf eine Bausumme festzulegen. Was die Kosten für den Bau des Hallen- und die Sanierung des Freibads betrifft, sprach sie sich für eine detaillierte Überprüfung aus. Ihr Beschlussvorschlag lautete dann, die Planung auf Kosteneinsparungen zu prüfen und eine aktualisierte Berechnung vorzulegen. Dem stimmte der Stadtrat schließlich mit großer Mehrheit zu.

Alexander Fischer

Rubriklistenbild: © dpa

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