Streit um Trainer-Zuruf

„Hau den Zehner um!“: Erst Trainer-Eklat, dann Tumult bei U9-Turnier 

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Bei einem Hallenfußballturnier für Kinder kam es am Wochenende in Weichs zu unschönen Szenen.

Unschöne Szenen gab es beim U9-Wettbewerb der Dachauer Hallenmeisterschaft der Fußball-Junioren. Ein Trainer soll angeordnet haben, einen Spieler des Gegners „umzuhauen“. Es folgte ein Tumult in der Halle.

Weichs/München - In der kleinen Halle an der Fränkinger Straße in Weichs tummelten sich am Samstagnachmittag rund 150 Jugendfußballer und Zuschauer, um bei den Hauptrundenturnieren der jüngsten Kicker – Jahrgänge 2010 bis 2013 – dabei zu sein. Zunächst blieb alles im Rahmen. Das sollte sich jäh ändern – bei der letzten Vorrundenpartie der U9-Junioren. „Ich habe selten so einen Tag erlebt wie am Samstag“, sagt Walter Wolf, Abteilungsleiter Fußball und Mitglied im Organisationsteam des gastgebenden SV Weichs, der seit 25 Jahren Jugendturniere austrägt.

F-Jugend-Turnier in Weichs: „Hau den Zehner um!“ - Zeuge berichtet von drastischem Trainer-Zuruf

Beim Kick zwischen dem SV Italia 1965 München und dem TSV Milbertshofen geschah folgendes: Der Milbertshofer Trainer habe gehört, wie der Italia-Trainer landessprachlich seine Spieler aufgerufen habe, gegen einen bestimmten Milbertshofer Spieler vorzugehen, sagt der Gesamtleiter der Hallenmeisterschaft, Dirk Borsbach,der selbst nicht in der Halle war. Ein Augenzeuge präzisiert: „Das Ganze eskalierte, nachdem der Italia-Trainer Anweisung gab, die Nummer 10 umzuhauen.“ Wohlgemerkt: Auf dem Parkett standen achtjährige Kinder!

Der Italia-Coach bestreitet laut Borsbach die Vorwürfe. Dennoch: Die Partie soll angeblich hart geführt worden sein. Am Schluss, so Walter Wolf, solle ein Milbertshofer Bub ein gröberes Foul an seinem Gegenspieler begangen haben. Das wiederum führte dazu, dass der Vater eines Italia-Kickers austickte. Der Mann lief aufs Spielfeld und wollte auf den Schiedsrichter losgehen. „Einer aus unserem Organisationsteam lief hinterher und konnte ihn nach draußen drängen“, so Wolf. „Nach 20 Minuten ist er wiedergekommen und hat sich entschuldigt.“ Diesbezüglich beruhigte sich die Lage. Indes, der Wirrwarr war noch nicht vorbei.

Video: Spitzen-Schiedsrichter gegen Gewalt im Amateurfußball

Weichs: Nach Eklat bei Hallenturnier - Trainer will Spieler nicht mehr ins Halbfinale schicken

Plötzlich wollte der TSV Milbertshofen nicht mehr zum Halbfinale, für das sich das Team qualifiziert hatte, antreten; die Münchner reisten stattdessen ab. „Die Kinder wollten weiterspielen, nur der Milbertshofer Trainer nicht“, weiß Organisator Borsbach. Er lasse seine „Kinder nicht zusammentreten“, soll der Coach laut Walter Wolf geäußert haben.

Statt dem TSV Milbertshofen durfte nun der TSV Dachau 1865 in der Vorschlussrunde gegen den hohen Favoriten ASV Dachau ran, nur: Wegen der Unruhe in der Halle sei es zu keinem „richtigen“ Spiel mehr gekommen, so der Augenzeuge. Trotz des Tohuwabohus wurde das Turnier zu Ende gespielt. Der TSV Dachau 1865 triumphierte, der SV Italia landete im Endklassement auf Rang vier.

Eklat bei Jugendturnier: „Erwachsene haben sich nicht mehr unter Kontrolle“

„Der Vorfall wurde von uns als Orga-Team dem Bayerischen Fußballverband gemeldet, der wiederum ein Sportgerichtsverfahren in die Wege leitet“, so Dirk Borsbach. Der Verband ermittele nun gegen alle Beteiligten. Der Turnierleiter und seine Leute bedauern den Vorfall. Er kann das Verhalten des Vaters und des Italia-Trainers jedoch nicht verstehen: „Vor jedem Turnierstart wird ein Turnierkodex vorgelesen, der für alle Seiten, Spieler, Trainern und Eltern, gilt. Daher ist es nicht wirklich schön, wenn Junioren sich ansehen oder anhören müssen, wenn Erwachsene sich nicht mehr unter Kontrolle haben.“

Bei der Dachauer Hallenfußballmeisterschaft gab es vor zwei Jahren schon einmal einen Eklat (wir berichteten). Seinerzeit war es auf der Tribüne der Halle in Günding zu einer wüsten Schlägerei unter Eltern gekommen, bei der es zwei Verletzte gab.

Walter Wolf hat zwei Dinge ausgemacht, die problematisch seien. „Es gibt Trainer, die mit allen Mitteln versuchen zu gewinnen“, sagt er, „und es gibt Eltern, die meinen, dass ihre Kinder unbedingt Profis werden müssen“.

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