Auf vier Mopeds bei einer Rallye quer durch den Balkan

Es kommt auf den Zusammenhalt an

Nicht die Ersten im Ziel bei der Rallye durch den Balkan, aber definitiv gut gelaunt und mit drei Bären im Gepäck: Die „Rusty Racers“ Dominik R. (von links nach rechts), René S., Patrick P. und Marco „Oddo“ F.
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Nicht die Ersten im Ziel bei der Rallye durch den Balkan, aber definitiv gut gelaunt und mit drei Bären im Gepäck: Die „Rusty Racers“ Dominik R. (von links nach rechts), René S., Patrick P. und Marco „Oddo“ F.

Über Pässe, bis ans Meer, quer durch den Balkan ging es für vier Freunde auf ihren Mopeds. Patrick P. aus Ottobrunn und sein Team nahmen Anfang September an einer Rallye teil. Wer als Erstes am Ziel ankam, das war völlig egal. Vielmehr ging es darum, gut durchzukommen und viel Spaß zu haben.

Eine Rallye ist kein Rennen. „Bei uns ging es nicht um Geschwindigkeit, sondern ums Ankommen“, erzählt Patrick P. aus Ottobrunn. Gemeinsam mit drei Freunden nahm er Anfang September an einer Rallye durch mehrere Balkanländer teil. Startpunkt war in Österreich, mehr als 1000 Kilometer legten sie zurück, durch Slowenien, Kroatien, Bosnien, Italien, bevor sie nach ihrer Rundtour wieder in Österreich ankamen. Die Bedingung für die etwa 200 Teilnehmer der Veranstaltung des Back­road Clubs: Sie durften nur mit Fahrzeugen unterwegs sein, die mindestens 20 Jahre alt sind. Patrick P. und sein Team entschieden sich für Mopeds.

Mit einem Moped kann man schon mit mal 50 oder 60 Kilometer pro Stunde dahinbrettern. „Wir aber hatten noch eine Zündapp Star dabei, die fuhr maximal 32 km/h“, sagt er. So ging es für die vier „Rustiy Racers“ beim besten Willen nicht um Geschwindigkeit, sondern ums tägliche Ankommen am Tagesziel. „Wir trudelten meist als Letzte irgendwo ein, oft erst gegen 22 Uhr, es konnte aber auch mal 1 Uhr nachts sein“, erzählt der 27-jährige Ottobrunner.

Nicht gerade förderlich für die Geschwindigkeit war auch ihr Gepäck: Ob das ihre Zelte waren oder Öl, Ersatzteile und Werkzeug. „Wir waren gut beladen“, sagt P. Und gleich nach dem Start im österreichischen Lessach kam auch schon ein Pass. „Da hätten uns die Rennräder überholen können, so langsam waren wir am Loiblpass“, erinnert sich Patrick P. lachend.

„Jeden Morgen gab es um 7.30 Uhr eine Morgenbesprechung“, erklärt der Rallye-Teilnehmer. Dort erhielten die Starter nicht nur Informationen über die Checkpoints oder Sehenswürdigkeiten. Es gab auch jeden Tag sogenannte Challenges, Herausforderungen, die auf der Fahrt zu erledigen waren. „Wir mussten zum Beispiel ein Bild machen, wie wir mit Einheimischen ein Bier trinken. Oder Fotos im Stil von ,Baywatch‘ nachstellen. Und eine Aufgabe lautete, dass wir einen Bulldog ziehen“, erinnert sich P. Andere Tages-Herausforderungen kamen allerdings von ganz alleine: kleinere oder größere Pannen. „Vor allem mit der Zündapp hatten wir viele kleine Pannen oder Vergaser-Probleme“, so der Ottobrunner. „Aber ein richtiges Problem hat uns die Simson SR 50 bereitet“, erzählt er weiter. An der bosnischen Grenze ging diese nicht mehr an.

Das Schrauben, Zerlegen und Tüfteln begann. „Das Besondere aber an dieser Rallye wird in genau diesen Momenten klar: der Zusammenhalt“, so der 27-Jährige. Wer eine Panne hat oder Hilfe benötigt, der schreibt dies in die WhatsApp-Gruppe aller Teilnehmer. „Und so waren wir schon bald zu zehnt und suchten den Fehler.“ Leider ohne Erfolg: Bis 23 Uhr hätten sie versucht, das Moped wieder zu reparieren. P. gelang es dann aber, einen Sprinter zu organisieren, mit dem sie bis in nächste Dorf fahren konnten. Am nächsten Tag gingen die Reparaturtüfteleien aufs Neue los. Das Moped hatten sie komplett zerlegt. Aber der Ehrgeiz war groß, es zu schaffen. „Bis zum Nachmittag hat es gedauert, aber wir haben es geschafft!“ Die Rallye-Reise konnte weitergehen!

Ganz fachfremd sind die vier Teammitglieder nicht. Im richtigen Leben sind sie Mechatroniker beziehungsweise Industrie-Mechaniker. „Wie man allerdings Mopeds wieder zum Fahren bringt, das lernt man erst bei der Rallye“, so der 27-Jährige. Und es helfe eben auch so sehr, dass man auf die anderen Rallye-Teilnehmer zählen könne. „Es dauert nicht lange, bis einer in der Gruppe antwortet, dass er mal ,schnell‘ vorbeikomme, um zu helfen.“

Die Rallye des Veranstalters Backroad Club war nicht die erste für die „Rusty Racers“. „Wir haben das zum zweiten Mal gemacht. Und 2019 haben wir bei einer Autorallye durch Skandinavien mitgemacht“, so P. und fügt hinzu: „Mit den Mopeds jetzt, das war härter, aber eben auch besser.“ Es gäbe viel mehr, das kaputt gehen könnte. Im Auto könne einer auch mal eine Runde schlafen, das gehe bei einem Moped-Team natürlich nicht. „Wir brauchten vier fitte Fahrer“, sagt P. Außerdem sehe man bei der langsameren Geschwindigkeit mehr. Abstecher machen oder einen Umweg nehmen, um zum Beispiel die Plitvicer Seen zu sehen, das konnten sich die vier dennoch nicht leisten. Sie wären sonst niemals nach fünf Tagen am Ziel angekommen. „Einen alten Militärflughafen allerdings und ein verlassenes Hotel haben wir entdeckt“, so der „Rusty Racer“. Und viel Kontakt zu Einheimischen am Wegesrand gehabt. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass vier Deutsche mit Mopeds durch den Balkan tuckern.

Blickfang war auch das Maskottchen der Rallye, Lenny. „Jeden Tag wurde aufs Neue entschieden, bei welchen Teilnehmern Bär Lenny mitreist“, erzählt er. Bei ihnen im Team habe es Lenny besonders gut gefallen, denn sie hatten noch Bärin Hannelore im Gepäck. „Und als wir im Ziel ankamen, da kam noch ein kleiner Mini-Bär zum Vorschein“, schmunzelt der Ottobrunner. Mit ihren Bären, die sie mit Gurten auf der Fahrt an sich gebunden hatten, konnte das Team unterwegs auch gut Spenden sammeln. Bei jeder Rallye, die der Backroad Club veranstaltet, unterstützten die Teilnehmer ein Projekt und somit Menschen, die Hilfe benötigen. „Dieses Mal ging das Geld an einer Vorschule in Marokko.“

Bis Januar kann sich das Team für die nächste Rallye anmelden. Es sieht ganz danach aus, als würden die Freunde wieder aufbrechen wollen. Heuer hatten sie nicht nur viel Spaß, genossen den guten Zusammenhalt unter allen Teilnehmern, sondern holten mit der Bewältigung der Challenges sehr gute Platzierungen. „Und das, obwohl wir die Langsamsten waren“, freut sich P.

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