Ayinger SPD-Gemeinderat tritt aus Partei aus 

Leiter wird parteilos

Gemeinderatsmitglied Erich Leiter gehört nun nicht mehr der SPD an sondern engagiert sich jetzt parteilos
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Erich Leiter bleibt den Grundwerten der SPD weiterhin verbunden, geht nun seinem Mandat als Gemeinderat, ab dem 30. April, parteilos nach. Auch der Ortsverein der Ayinger Sozialdemokraten löst sich auf.

Zum 30. April tritt das Gemeinderatsmitglied Erich Leiter aus der SPD aus. Gleichzeitig löst sich auch der Ayinger Ortsverein auf. Warum Leiter austrat und wie es für ihn jetzt weitergeht, erzählt er im HAL­­LO-Gespräch. 

Aying - Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands schreibt sich als ehemalige Arbeiterpartei vor allem Solidarität auf die Fahne. Die Sozialdemokraten setzen sich seit eh und je für die Belange des „Unteren Drittels“ ein, wie Erich Leiter erklärt. Den Grundwerten der SPD ist das Gemeinderatsmitglied Leiter verbunden, dennoch tritt er nun zum 30. April aus der Partei aus.

Leiter kommt mit den parteiinternen Streitereien nicht weiter klar. „Ich kann diese Streiterei nicht mehr ertragen.“ Weiter sagt Leiter: „Das ist dieses öffentliche zur Schau stellen von Konflikten.“ Damit meint er auch die Verstimmung in der Bundespolitik zwischen Wolfgang Thierse und Saskia Esken. „Da denke ich mir, die sollen doch mal miteinander telefonieren und den Konflikt, den sie haben, ausdiskutieren und dann ist es wieder gut.

Man muss das doch nicht alles über die Presse machen.“ Missfallen hat Erich Leiter auch der Umgang der Listenaufstellung beim Bezirksparteitag, als „gewisse Leute den Platz nicht bekommen haben, den sie gerne gehabt hätten.“ Gerne erinnert Leiter an das Trio aus Helmut Schmidt, Herbert Wehner und Willy Brandt. „Die haben sich auf den Tod nicht ausstehen können, aber sie haben miteinander gearbeitet. Und das war erfolgreich.“ Leiter stört, dass die fiesen Spitzen oft aus den eigenen Reihen kämen und da nimmt er auch die Mitglieder der SPD nicht aus.

„Ich verstehe da genau so wenig die Mitglieder. Das schlimmste, was der SPD hätte passieren können, waren die sozialen Netzwerke, glaube ich. Wenn man sich da mal die Kommentarspalten anschaut, sind oft die eigenen Genossen die größten Kritiker, die in den Kommentarspalten auftauchen. Was ist das für eine Außenwirkung?“ Von heute auf morgen traf Leiter die Entscheidung jedenfalls nicht. Noch im vergangenen Jahr kandidierte er als roter Bürgermeisterkandidat im Kommunalwahlkampf. Es arbeitete länger in ihm, bis er die Entscheidung schließlich traf.

Der Ausstieg schmerze einerseits. Auch, weil Leiter zu seinem Vorgänger immer gesagt habe: „Ich möchte nicht der letzte Vorsitzende der SPD Aying sein. Und jetzt ist es doch so.“ Der SPD-Ortsverein wurde bereits im März mit der SPD Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Umgebung fusioniert. Allerdings ist Leiters Weggang nicht der Grund für die Auflösung des Ortsvereins, wie Florian Schardt, Vorsitzender der SPD München-Land erklärt.

„Erich Leiter hat uns schon im Frühjahr 2020 darum gebeten, diesen Schritt zu gehen, um ihn von administrativen Aufgaben zu entlasten. So haben wir es in Brunnthal vor einigen Jahren auch gemacht. Für kleine Ortsvereine ist das eine gute Lösung.“ Zwischen dem Austritt Leiters und der Zusammenlegung gebe es also keinen Zusammenhang. Schardt aber versteht, dass Leiter sich an dem teilweise rauen Umgang stört.

„Die Kommunikation in den sozialen Medien ist manchmal sehr hart und verletzend. Da kann man nur versuchen, nicht alles an sich heranzulassen und selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Und im Zweifel kommt man ja auch ohne Facebook & Co. ganz gut durchs Leben.“ Parteilos wird sich Leiter nun im Ayinger Gemeinderat weiter engagieren. Die Partei, die sich für „Normalverdiener oder das untere Drittel einsetzt“, das sei die SPD laut Leiter.

Darum traf er seine Entscheidung nicht leichtfertig. „Der Austritt ist mir wahnsinnig schwergefallen. Aber letzten Endes muss man sich irgendwann mal entscheiden, ob man sich weiter ärgert.“ Florian Schardt ist sich sicher: „Wenn Erich Leiter an der Tür der SPD Höhenkirchen anklopft und ein Bier mit ihnen trinken möchte, werden sie sicher nicht ‚Nein‘ sagen.“

Melanie Schröpfer

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