Acht Millionen Euro Förderung vom Bund

Kampf gegen Virus-Kopien: Start-Up aus Martinsried entwickelt Corona-Medikament

Einblick ins Eisbach-Labor in Martinsried: Hier tüfteln zwölf Mitarbeiter am Corona-Medikament.
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Einblick ins Eisbach-Labor in Martinsried: Hier tüfteln zwölf Mitarbeiter am Corona-Medikament.

Martinsried (Lkr. München) könnte zum Silicon Valley der Corona-Medizin werden: Gleich mehrere Firmen arbeiten hier an Medikamenten gegen Covid19.

  • Start-Up „Eisbach“ aus Martinsried entwickelt Medizin gegen Coronavirus
  • Im Idealfall kommt Medikament noch Ende 2022 heraus
  • Es schaltet die Vermehrung des Virus aus

Landkreis München - Der Standort Martinsried (Lkr. München) mausert sich immer mehr zum Silicon Valley der Corona-Medizin: Neben der Formycon AG (siehe unten) hat auch das Start-Up „Eisbach“ vielversprechende Ansätze bei der Entwicklung eines Medikaments vorzuweisen.

Corona-Medikament aus Martinsried könnte Ende 2022 auf dem Markt sein

Für weitere Tests hat das Unternehmen, das im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) sitzt, jetzt vom Bundesministerium für Forschung acht Millionen Euro zugesprochen bekommen.

„Wir haben gerade mit der Herstellung des Materials für Tests am Menschen begonnen“, so Geschäftsführer Dr. Adrian Schomburg. Die klinische Phase, in der die Verträglichkeit geprüft wird, soll im März starten. „Wenn alles ideal läuft, kann das Medikament noch 2022 auf den Markt kommen.“

Dr. Adrian Schomburg leitet das Start-Up Eisbach, das an einem Corona-Medikament arbeitet

Anders als bei Formycon soll dieses nicht Menschen helfen, die wegen des Virus im Krankenhaus behandelt werden müssen, sondern jedem Corona-Patienten direkt nach der Diagnose. Denn das sogenannte Virusstatikum bremst die Vermehrung des Virus im Körper aus.

Tablette gegen Corona soll Vermehrung des Virus verhindern

„Um sich zu vervielfältigen, besitzt das Virus in sich eine Art Kopierer. Bildlich gesprochen schaltet unser Medikament dessen Blatteinzug aus. Die Information, die zur Vermehrung kopiert werden muss, kommt nicht mehr hinein“, so Schomburg. Dafür wird ein spezielles Enzym angegriffen.

Der Vorteil: „Dieses gehört zu den am wenigsten mutierenden Teilen des Coronavirus“, sagt Schomburg. Das Medikament, das als Tablette eingenommen werden soll, wirkt daher bei allen Virusvarianten. „Wie ein Antibiotikum – nur nicht für Bakterien, sondern Viren.“

Entwicklung des Corona-Medikaments aus persönlichen Gründen

Einen ähnlichen Mechanismus haben auch die Krebs-Medikamente, an denen Eisbach im IZB seit seiner Gründung 2019 arbeitet. Dass das Start-Up nun ebenfalls in der Corona-Forschung tätig ist, hat auch persönliche Gründe.

Das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie in Martinsried.

„Im Februar 2020 kam ich von einer Konferenz krank zurück, an der auch viele Gäste aus China teilgenommen hatten“, erzählt Schomburg. Er war unter den ersten in Deutschland, die auf das Coronavirus getestet wurden. „Zum Glück war es bei mir aber nur die Grippe.“

In Martinsried entwickeln derzeit zwölf „Eisbach“-Mitarbeiter das Corona-Medikament. Hergestellt wird es von Mitarbeitern in Indien und China. „Eine Herstellung in Deutschland wäre zu teuer und zu langsam gewesen“, sagt Schomburg.

Förderung auch für Formycon

An einem Corona-Medikament arbeitet zudem die Formycon AG in der Martinsrieder Fraunhoferstraße. Mit insgesamt 12,5 Millionen Euro wird die Firma vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert, um Studien für die präklinische und klinischen Phase zu finanzieren. Letztere soll im vierten Quartal 2021 beginnen. Die Förderung ist Teil der Bayerischen Therapiestrategie zur Bekämpfung der Pandemie.

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