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Ein Tag mit dem Bildungsprogramm Gorilla am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn

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Von: Roland Friedl

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Gorilla Botschafter bei Meditationskurs im Vordergrund. Im Hintergrund Schüler, auf Matten liegend.
Nach den anstrengenden Freestyle-Kursen am Vormittag durften die Schüler des Gymnasiums Höhenkirchen-Siegertsbrunn am Nachmittag ein wenig zur Ruhe kommen. © Gorilla

Im Rahmen ihrer Tour 2022 besuchen die Botschafter von Gorilla Schulen in Bayern und veranstalten dort Workshops, in denen die Schüler lernen, sich mehr zu bewegen, gesünder zu essen und achtsamer zu leben.

Höhenkirchen – Wer in der Früh noch etwas müde die Turnhalle des Gymnasiums betritt, merkt sofort die positive Stimmung, die an diesem Tag in der Schule herrschen wird. In der ganzen Halle machen sich Sportler warm, dazu läuft Musik. Auf der anderen Seite trudeln langsam Schüler ein und nehmen auf Langbänken Platz. Dann machen die Sportler und Mitarbeiter einen Kreis, schreien mehrmals „Let‘s go Gorilla“ und positionieren sich den Schülern gegenüber in einer Reihe.

Die Sportler stellen sich als Freestyle-Profis und Botschafter des Gesundheitsförderungs- und Bildungsprogramms Gorilla vor, welche an diesem Dienstagmorgen Anfang Oktober für die 120 Neuntklässler des Gymnasiums Höhenkirchen-Siegertsbrunn Einsteigerkurse in ihren jeweiligen Sportarten abhalten werden.

Da sind Skateboarder, Parcoursläufer, Breakdancer. Und Vertreter von Freestyle-Fußball sowie Freestyle-Frisbee. Außerdem wird mit Beatboxern Musik gemacht. Allesamt sind Profis auf ihrem Gebiet und zeigen den Schülern bei der Vorstellung schon mal, was sie können. Noch springt die Energie der Gorilla-Botschafter nicht so ganz auf die Schüler über. „Neuntklässlern ist alles peinlich“, sagt Tobias Kupfer, Geschäftsführer von Gorilla. Doch schon bald, nachdem sie zum Kurs ihrer Wahl gegangen sind, haben die Schüler spürbar Spaß an der Sache. Im Skateboardkurs sind knapp 30 Lernwillige, welche mit Schonern, Helm und Board ausgestattet auf dem Pausenhof üben. Dort ist ein mobiler Skatepark aufgebaut, welcher von Gorilla im Lkw von Schule zu Schule transportiert wird. Jede Schule, die am Programm teilnimmt, bekommt ihn für einen Monat.

Insgesamt läuft ein Gorilla-Förderprogramm zwei Jahre, es beginnt mit dem Eröffnungsworkshop, wie eben an diesem Tag am Gymnasium. Danach gibt es kleinere Events an der Schule. Schritt für Schritt wird versucht, den gesunden Lebensstil in den Schulalltag zu integrieren. Ganz wichtig seien dabei die Lehrer, merkt Tobias Kupfer an.

Beim Frisbee-Kurs, bei dem zu Beginn verschiedene Wurftechniken ausprobiert werden, macht der Lehrer mit beim Werfen. So etwas gefällt Tobias Kupfer besonders, denn daran wird deutlich, dass auch diese Lust auf die Aktionen haben. Es kann dann beispielsweise gelingen, dass die Sportlehrer Teile der Freestyle-Sportarten in ihren Unterricht aufnehmen.

Tobias (bei Gorilla sind alle schnell per du) hat das Programm vor sieben Jahren nach Deutschland geholt. Gegründet wurde Gorilla 2010 in der Schweiz. Zu Beginn musste er Schulen anschreiben, mittlerweile bewerben sich sehr viele davon für das zweijährige Angebot. Das Team von Gorilla prüft dann, ob die jeweilige Schule die nötigen Voraussetzungen wie eine gut ausgestattete Turnhalle und große Außenflächen erfüllt.

„Bewegungsmangel, Übergewicht und Zukunftsängste bei Kindern und Jugendlichen sind schon sehr lange ein Thema. Doch zwei Jahre Pandemie mit massiven Einschränkungen wirken wie ein Katalysator für diese ungesunde Entwicklung. Gorilla ist daher wichtiger denn je für die Kids“, so schildert Tobias, der frühere Skateboard-Profi, seine Motivation. Es gehe schon damit los, dass viele Kinder vor der Schule nicht frühstückten. An jeder Schule werde diese Frage gestellt und die Lehrer seien regelrecht überrascht, wenn sie mitbekommen, wie viele Schüler nicht gefrühstückt haben. Da sei es kein Wunder, wenn in den ersten beiden Stunden Mathe nichts zu Stande komme, so Tobias weiter. Daher setzt Gorilla nicht nur auf Sport, sondern auch auf eine gesunde Ernährung, Konzentrationsfähigkeit und Nachhaltigkeit.

Zwischen den Sportkursen wird ein reichhaltiges Frühstück mit Müsli, Jogurt, Vollkornbrot und Früchten serviert. Dafür sorgt das Food-Team, welches nach dem zweiten Teil der Kurse zum Mittagessen einen Salat zubereitet. Aus dem übriggebliebenen Obst und Gemüse werden dann später noch Smoothies gemacht. Dies ist einer der Workshops, den die Schüler am Nachmittag besuchen können. Außerdem gibt es Balance-Workshops, bei denen mit den Schülern das Meditieren geübt wird. Da geht es auch darum, ihnen Tipps für selbstbewusste Entscheidungen mitzugeben.

Schon bei der Vorstellungsrunde war der Versuch der Gorilla-Botschafter zu spüren, den Jugendlichen ihr eigenes Selbstvertrauen weiterzugeben. In den Green-Workshops wird auf eine nachhaltige, aber auch selbstbestimmte Umgangsweise mit der Umwelt geachtet. Es gibt an manchen Schulen Imkerei-Wahlkurse, doch selten bekommen die Schüler die Welt der Bienen wohl so dynamisch präsentiert wie von Quentin, einem 18-jährigen Nachwuchs­imker. Als Beefluencer produziert er Videos und Tutorials auf Tiktok und Youtube. Einige davon und viele weitere Erklärungsvideos zu den anderen Themen gibt es auf der Gorilla-Website.

In Höhenkirchen-Siegertsbrunn war Quentin auch im Skate-Team mit dabei und filmte die Aktionen mit einer Drohne. Natürlich ist die ganze Ausstattung, die Gorilla an die Schule bringt, nicht ganz billig. Auch die zirka 150 Freestyler müssen für ihre Einsätze bezahlt werden. Ein einzelner Workshop koste 12.000 bis 14.000 Euro, erzählt Tobias. Im Moment werde Gorilla für drei Jahre von der Siemens-Betriebskrankenkasse gesponsert. Danach stelle sich die Frage der Finanzierung aber neu.

Gorilla zielt nicht nur da­rauf ab, dass sich die Kinder und Jugendlichen mehr bewegen, sondern es soll insgesamt eine Bewegung gestartet werden. Eine Bewegung, die viele Lebensbereiche mit einschließt. Die Lehrer am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn wirken jedenfalls motiviert. Sie sind froh, dass sich Gorilla ihre Schule ausgesucht hat. Und von den Schülern erhoffen sich die Gorilla-Botschafter, dass sich das Verhältnis ein wenig umkehrt, und es am Ende des Tages die Schüler sind, welche die Freestyle-Profis mit ihren erlernten Kunststücken selbstbewusst beeindrucken.

Roland Friedl

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