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Energienutzungsplan für die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn

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Von: Iris Janda

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SWM-Geothermieanlage in Kirchstockach.
Die SWM betreiben in Kirchstockach eine Geothermieanlage. Höhenkirchen-Siegertsbrunn könnte vom weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes womöglich profitieren. © SWM/Robert Haas

Höhenkirchen-Siegertsbrunn muss beim Thema erneuerbare Energien noch aufholen – das hat jüngst im Gemeinderat ein Zwischenbericht zum Energienutzungsplan ergeben.

Das Interesse daran, von fossilen auf erneuerbare Energieträger umzustellen, ist derzeit vielerorts groß. Nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern um bei der Energieversorgung unabhängig von Ländern wie Russland zu werden. Selbst FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner bezeichnete Erneuerbare Energie kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine als „Freiheitsenergie“.

In Höhenkirchen-Siegertsbrunn gibt es bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien noch deutliches Ausbaupotenzial, wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates deutlich wurde. Professor Herbert Palm, Leiter des Instituts für Nachhaltige Energiesysteme (ISES) an der Hochschule München stellte dem Gremium den aktuellen Projektstand des Energienutzungsplans (ENP) für Höhenkirchen-Siegertsbrunn vor, der seit 2020 beauftragt wurde.

Ein solcher Plan wurde letztmalig 2010 erstellt. Im Vergleich sind die Zahlen ernüchternd: In zehn Jahren hat sich die Gemeinde bei der nachhaltigen Energienutzung um nur sechs Prozent von 15 auf 21 Prozent gesteigert. „Wenn wir diese Geschwindigkeit beibehalten, gehen wir weit am Ziel vorbei“, erklärte Fachmann Palm. Die Gemeinde möchte den Zielen des Landkreises folgend bis 2050 den Energieverbrauch um 60 Prozent reduzieren, der Rest soll zu 100 Prozent durch regenerative Energie gedeckt werden. Damit sich daran etwas ändern kann, wird der neue Energienutzungsplan erstellt.

Palm hatte aber auch gute Nachrichten im Gepäck: „Höhenkirchen-Siegertsbrunn kann sich im Strom- und Wärmesektor fünffach selbst versorgen.“ Dafür müssten nun die richtigen Weichen gestellt werden. „Der Wärmesektor hat es in sich“, erklärte Palm. 60 Prozent des Energieverbrauchs in der Gemeinde entfallen darauf. Dabei machen Erdgas und Erdöl sowie Benzin Dreiviertel der CO2-Emissionen der Kommune aus. Erdgas ist die mit Abstand größte Einzelform von Primärenergie. „Wenn wir davon unabhängig sein wollen, müssen wir beim Wärmesektor ansetzen“, so der Experte.

Dabei sei für die Gemeinde ein kommunales Wärmennetz die größte Option, auch wenn dies ein Generationenprojekt sei. Laut Fachmann könnten nur zwei bis drei Kilometer Leitung pro Jahr verlegt werden ohne dass die Infrastruktur im Ort lahmgelegt werde. Das Wärmennetz könne dann entweder von einer Biomasse- oder einer Geothermieanlage gespeist werden.

Palm plädierte dabei für die Geothermie. „Wir sitzen hier auf einem Goldschatz“, betonte er. Auch wenn Höhenkirchen-Siegertsbrunn keine Aufsuchungsrechte für Geothermie, sogenannte Claims, hat, gebe es für die Gemeinde zwei Optionen. Sie könne sich entweder bei den Stadtwerken München (SWM) anschließen oder im Zusammenschluss mit umliegenden Kommunen in Form einer ARGE eine gemeinsame Anlage errichten und betreiben.

Mit den SWM könnte sich womöglich eine gute Möglichkeit zu Verhandlungen bieten, mutmaßte Palm. Denn die Stadtwerke wollen die von ihr betriebenen Anlagen in Dürrnhaar und Kirchstochach verbinden und nach Perlach weiterführen. Dazu müsste eine Leitung durch Höhenkirchen gelegt werden, an die sich die Gemeinde anschließen könnte.

Essenziell bei der Reduzierung der Emissionen seien Effizienzmaßnahmen etwa durch verbesserte der Gebäudedämmung. Dadurch werde sich der Verbrauch trotz Bevölkerungswachstum bis 2050 um ein Drittel reduzieren. Auch auf den Dächern der Bürger sieht Palm großes Potenzial: „Ich würde allen Bürgern im Ort empfehlen, ihre Dachflächen mit PV-Anlagen und Batteriespeicher auszustatten.“ Durch den Speicher seien diese sehr wirtschaftlich und die Investition würde sich schnell auszahlen.

Als „aufhellender Zwischenstand“ lobt CSU-Fraktionsvorsitzender Roland Spingler den Bericht des Fachmanns. Er habe mitgenommen, dass bei der Fernwärme Gas gegeben werden müsse. Er bezweifle allerdings, dass die Nachfrage der Bürger, vor allem wenn sie sich erst eine Wärmepumpe zugelegt haben, groß sei. Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne), die in Vertretung die Sitzung leitete, meinte: „Wir müssen da dran bleiben, das ist die Zukunft.“

Iris Janda

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