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Erneuter Anlauf der Gemeinde Haar zur Stadtgründung

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Das Haarer Rathaus.
Die Gemeinde Haar strebt an, eine Stadt zu werden. Der Vorschlag stößt auf große Zustimmung, aber auch auf Kritik. © Charly D.

Die Gemeinde Haar möchte zur Stadt werden. Das hat der Gemeinderat gegen die Stimmen von Teilen der SPD- und Grünen-Fraktion beschlossen.

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Haarer Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit beschlossen, einen erneuten Anlauf zu nehmen, um die viertgrößte Landkreiskommune zur Stadt zu erheben. Die Voraussetzungen für eine Stadterhebung erfülle Haar, betonte Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU). Damit könne die Gemeinde ihre Attraktivität steigern, vor allem im Bereich Wirtschaft und Kultur. Dies führe auch dazu, dass die Lebensqualität für die Bürger noch verbessert werden könnte, so das Gemeindeoberhaupt.

Obwohl die Entscheidung mit 22 zu acht Stimmen fiel, stieß sie auf sehr unterschiedliche Reaktionen. „Ich freu mich drauf“, kommentierte etwa FDP-Ortschef und Ratsmitglied Peter Siemsen die Entscheidung. Die Freude blieb, wie er wenige Tage nach der Sitzung berichtete, nicht lange ungeteilt: Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung in der lokalen Presse habe ihn auf der Straße und im Netz Zustimmung erreicht. Von den Befürwortern wären häufig die Aspekte Offenheit und Selbstbewusstsein genannt worden.

Ablehnende Stimmen hätten ihn nach dem Beschluss bisher nicht erreicht. Ganz im Gegenteil: „Fehlt uns der Mut, auf das Erreichte stolz zu sein?“, zitierte er das Unverständnis eines Bürgers gegenüber Ängsten vor einer Stadterhebung. In der Gemeinderatssitzung hatte Siemsen vor dem Einstieg in eine angstgesteuerte Diskussion gewarnt. Identität und Lebensqualität zu bewahren, blieben der Haarer Kommunalpolitik auch zukünftig als Gestaltungsaufgaben erhalten, unabhängig davon, welchen Titel der Ort trage.

Mit dem Herausstellen positiver Attribute wie Offenheit, Attraktivität und Selbstbewusstsein könnten jedoch aus seiner Sicht durchaus Chancen für Haar erwachsen. Siemsen hat hierbei vor allem die dringend notwendige Entwicklung von Gewerbe im Blick.

Ganz anders die Einschätzung der SPD. In der Diskussion machten sowohl die Dritte Bürgermeisterin Katharina Dworzak als auch Fraktionssprecher Thomas Fäth deutlich, warum die Mehrheit der SPD-Fraktion dieses Ansinnen ablehnt. Katharina Dworzak ist als studierte Geographin und Stadtplanerin darauf eingegangen, dass Haar die Kriterien für eine Stadternennung nicht erfüllt und dass es zahlreiche Bedenken in der Bevölkerung gegen diesen Schritt gebe, da beispielsweise Mieterhöhungen befürchtet werden.

Thomas Fäth wies vor allem auf den hohen Arbeitsaufwand hin. Diese Arbeitszeit sollte besser in Akquise von Unternehmen investiert werden, die sich aktuell nach neuen Räumlichkeiten umsehen. Das wäre zielführender als darauf zu hoffen, dass der Marketing-Gag „Stadt“ Unternehmen magisch anziehen werde.

Die Haarer Grünen erwarten weder das Ende aller Finanzsorgen noch eine großstadtartige Anonymisierung, wenn Haar Stadt würde. Auch die von ihnen angeregte Befragung von Bürgern auf der Künstlermeile habe ein meist gleichgültiges Feedback ergeben.

Aber wie stehen die Chancen, dass Haar überhaupt zur Stadt erhoben wird? Siemsen sieht Indikatoren, die dafür sprechen: Seit dem ersten Anlauf 2001 haben sich Einwohnerzahl und Ortsinfrastruktur deutlich weiterentwickelt. Die überregional bedeutende Haarer Kultur- und Bildungslandschaft zieht mit dem Kleinen Theater, Festivals, EMG, FOS, Pflegeschule und der drittgrößten Volkshochschule in Oberbayern Menschen aus der gesamten Metropolregion an.

„Egal wie es am Ende ausgeht, 950 Jahre Haar im kommenden Jahr sind bereits ausreichend Grund zum Feiern“, gibt sich Siemsen optimistisch. Der Kommentar eines Facebook-Nutzers auf FPH 2.0, dem Freisinnigen Politikforum Haar, brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: Haar hat Zukunft.

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