Historischem Gehöft in Gauting droht bald der Abriss

Im Südwesten von München: Archäologen entdecken am Wunderlhof römische Münzen und mehr

Ein Archäologe hält eine Münze aus der Zeit des römischen Kaisers Konstantin in der Hand.
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Acht gut erhaltene spätrömische Münzen haben Archäologen in Gauting bei München entdeckt.

Im Kürze soll der historische Wunderlhof in Gauting abgerissen werden. Jetzt haben Archäologen dort spektakuläre Funde aus Zeit der Römer und Bajuwaren gemacht

Gauting - Wegen akuter Einsturzgefahr ist ein Abriss des Wunderlhofs im Gautinger Zentrum schon seit 2019 beschlossen. Noch steht der alte Bauernhof zwar, sein Ende ist nun aber terminiert: Im Oktober soll das Gehöft, das vermutlich um 1900 erbaut wurde, abgebrochen werden. Das bestätigte die dafür zuständige Architektin Brigitte Hintze.

Archäologen graben seit Mitte Juli am Wunderlhof in Gauting

Doch schon jetzt wird auf dem Grundstück gearbeitet: Seit Mitte Juli gräbt ein Archäologieteam auf dem Gelände – mit beachtenswertem Ergebnis. „Wir haben erst knapp die Hälfte des Grundstücks untersucht, aber schon deutlich mehr gefunden als gedacht. Allein auf der aktuellen Fläche haben wir über 300 Befunde gemacht“, sagt der Grabungsleiter Stefan Mühlemeier.

Archäologe Stefan Mühlemeier gräbt seit Mitte Juli auf dem Grundstück des Wunderlhofs in Gauting.

Zahlreiche Knochen und Keramikscherben hat sein Team bisher aus dem Boden geholt. „Typisch frühmittelalterlicher Siedlungsabfall“, sagt der Chefarchäologe.

Flecken in Erde lassen auf bajuwarisches Langhaus schließen

Schwarze Flecken in der Erde lassen zudem auf die Umrisse eines bajuwarisches Langhauses aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, auf Grubenhäuser und eine Feuerstelle schließen. „Es ist wie meistens: Wenn man nach Hinterlassenschaften der Römer sucht, tauchen auch viele andere Dinge auf.“

Denn eigentlich vermutet die Untere Denkmalschutzbehörde auf dem Gelände einen Teil der alten Römerstraße von Bregenz nach Salzburg, die bei Gauting die Würm überquert haben soll. Von der Straße ist bislang zwar nichts zu sehen. „Aber wir haben gerade zur Würm hin schon Funde aus der Römerzeit gemacht“, bestätigt Archäologe Mühlemeier.

Acht gut erhaltene Münzen aus der Zeit Konstantin des Großen

So haben er und seine Kollegen insgesamt acht „ungewöhnlich gut erhaltene“ Münzen aus der Spätantike entdeckt. Portraits und Inschriften verraten, dass diese aus der Zeit Kaiser Konstantins (306-337 n. Chr.) stammen.

Vorderseite einer der acht Münzen aus Römerzeit, die beim Wunderlhof in Gauting gefunden wurden.

Allerdings sei es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie vor Ort auch zum Bezahlen genutzt wurden. „Sonst müssten sie ziemlich abgenutzt sein“, sagt Mühlemeier. Stattdessen lagen diese wohl in der Erde, die etwa von den Bajuwaren als Baumaterial genutzt wurde.

Gemeinderat Gauting bestimmt, was mit den Funden passiert

„Was genau mit den Fundstücken passieren soll, steht noch nicht fest“, erklärt Andreas Röming von der Gemeinde Gauting, der diese rechtlich gehören. Klar ist: Nach Ende der archäologischen Arbeiten im November werden alle Funde gesäubert, katalogisiert und dem Gemeinderat als Liste präsentiert. „Dieser entscheidet dann, ob die Gemeinde diese selbst aufbewahrt oder sie an die Obere Bodenschutzbehörde München übergeben werden sollen.“

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