Vollsperrung der Bahnhofstraße ab 12. Juli

Ladensterben wegen Baustelle? Gautings Händler bangen um ihre Existenz

Bereits jetzt gibt es rund um den KARLS-Bau an der Bahnhofstraße Gauting zahlreiche Sperrungen und Umleitungen.
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Bereits jetzt gibt es rund um den KARLS-Bau an der Bahnhofstraße Gauting zahlreiche Sperrungen und Umleitungen.

Voraussichtlich ab 12. Juli wird ein Teil der Bahnhofstraße Gauting voll gesperrt. Während manche einen Verkehrsinfarkt befürchten, klagen Ladenbesitzer über Existenznöte.

  • Vollsperrung der Bahnhofstraße Gauting zwischen Ammerseestraße und Bahnhofplatz
  • Bauarbeiten voraussichtlich von Mitte Juli bis Mitte September
  • Ladenbesitzer beklagen hohe Umsatzeinbußen und fehlende Kommunikation

Gauting - Einbahnregelungen, Umfahrungen und weggefallene Parkplätze: Seit Ende 2019 fordert der Bau des KARLS-Komplex am alten Grundschul­areal viel Geduld von den Gautingern. Voraussichtlich ab Montag, 12. Juli, wird nun wegen Kanalbauarbeiten die Bahnhofstraße zwischen Ammerseestraße und Bahnhofplatz für mehrere Wochen komplett gesperrt.

Vollsperrung der Bahnhofstraße Gauting - Verkehrsinfarkt droht

Das weckt Bedenken, dass die Umfahrung der Gautinger Hauptachse über die schmale Berg- und Jägerstraße zu einem Verkehrsinfarkt führen wird. Und bei manchen schürt die Ankündigung sogar pure Angst.

Etwa bei Familie Hanrieder, die dort seit über 20 Jahren einen Schreibwaren- und Lotto-Laden betreibt. „Das ist bisher die absolut schwerste Zeit für uns“, sagt Johannes Hanrieder.

Ladenbesitzer wie Familie Hanrieder, die ein Schreibwaren- und Lottogeschäft betreiben, bringt die Baustelle schon jetzt ans Limit.

Schon seit Beginn der KARLS-Baustelle und dem Wegfall der Parkplätze vorm Geschäft sei der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen. „Viele Kunden würden gern kommen, sind dafür aber nicht gut genug zu Fuß“, so Hanrieder. „Jetzt noch die Vollsperrung – das ist existenzbedrohend.“ Und weiter: „Wir fühlen uns von der Gemeinde im Stich gelassen.“

Ladenbesitzer klagen über Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent

Ähnlich düster sieht es bei den meisten kleinen Geschäften in dem Straßenabschnitt aus. Von zweistelligen Minuszahlen berichtet Uschi Hofmann von der Parfümerie „Flair“.

„Es kommen nur noch die Kunden zu uns, die einen Besuch nicht mehr aufschieben können“, erzählt der Inhaber von Optik Mauer, Andreas Wiediger. Etwa ein Drittel seines Umsatzes büße er seit 2019 ein.

Genauso wie der Bioladen nebenan, wie Eigentümer Dieter Mückenhausen bestätigt: „Wir haben die letzten Monate eigentlich nur überlebt, weil wir Lieferservice angeboten haben.“ Doch der ist mit der Vollsperrung der Bahnhofstraße quasi unmöglich. Genauso fraglich: Ob der Naturkostladen währenddessen überhaupt beliefert werden kann. „Wir wissen nicht, ob unsere Laster durch die schmale Bergstraße passen“, so Mückenhauser.

Gemeinde Gauting: „Geschäfte weiter zu Fuß erreichbar“

Der Gemeinde Gauting zufolge hat die ausführende Baufirma die Umfahrungsstrecke bereits mit Lkw getestet. Auch die MVG habe erfolgreiche Probefahrten mit Bussen durchgeführt.

Noch ist die geplante Vollsperrung der Bahnhofstraße nicht gestartet, die Umleitungsschilder sind noch durchgestrichen.

Dass während der Sperre keine Kunden in die Geschäfte kommen könnten, sei falsch, betont Gemeinde-Sprecherin Charlotte Rieboldt. „Fußgänger werden auf dem bereits fertiggestellten Radweg geführt und die Grundstücke erhalten mittels Grabenbrücken einen Anschluss an diesen Weg. Nur an einzelnen Tagen wird bis an die Hauskante hin gepflastert werden – das geschieht in Absprache zwischen Straßenbauern und Ladeninhabern.“

Gautinger Händler beklagen fehlende Kommunikation

Genau diese bemängeln die Händler aber. Manche hätten von der Sperrung nur vom Gewerbeverband gehört. Einige bekamen eine E-Mail der Gemeinde, Schreibwarenhändler Johannes Hanrieder Ende Juni immerhin einen Brief. Darin verweist die Gemeinde auf eine Anweisung des Landratsamts. „Wir sind als Gemeinde Gauting über diese Entwicklung und vor allem kurzfristige Information überrascht.“

Die Ladenbesitzer glauben das nicht: „Das kann mir doch keiner erklären, dass man das nicht vorher gewusst hat“, so Mückenhauser. Und auch auf Hallo-Nachfrage heißt es: „In einer Vorstudie war man planungsseitig von einer Vollsperrung ausgegangen. Die Gemeinde Gauting hat jedoch darauf gedrungen, dass der Zeitraum der Vollsperrung maßgeblich minimiert wird“, so Sprecherin Rieboldt.

Ende der Sperrung im September ist noch nicht gewiss

Vorgesehen ist bisher, die Beschränkungen zum Start des neuen Schuljahres wieder aufzuheben. Man werde „alles versuchen, das Gros der Arbeiten bis zum 13. September abzuschließen“, betont Rieboldt. Aber: Unter anderem fehlende Rohstoffe würden in der Baubranche zu Termin- und Kostenschwankungen führen, „eine Entwicklung, die nicht bis ins Detail vorhersehbar ist und entsprechende Reaktionen nach sich zieht“.

rea

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