Großer Philhellene wird Namensgeber

Gemeinde Ottobrunn lobt Preis für Gesangswettbewerb aus

Der Ottobrunner Historiker Herbert Speckner
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Der kürzlich verstorbene Philhellene Herbert Speckner wird Namensgeber für einen Preis, der zum Thema „Hellas“ an junge Nachwuchssänger vergeben wird.

2022 wird erstmalig – und vorerst einmalig – der „Dr. Herbert Speckner-Preis der Gemeinde Ottobrunn“ vergeben. Ausgezeichnet werden Nachwuchssänger, die Werke des Philhellenismus interpretieren.

Herbert Speckner, der über viele Jahre Historiker am Otto-König-von-Griechenland-Museum der Gemeinde Ottobrunn war, wird posthum zum Namensgeber einer Auszeichnung. Die Gemeinde lobt den „Dr. Herbert Speckner-Preis der Gemeinde Ottobrunn“ aus. Die Auszeichnung, die mit einem Preisgeld in Höhe von 6000 Euro dotiert ist, wird im Rahmen des ersten internationalen „Bolko von Hochberg“-Lied-Gesangswettbewerbs vergeben.

Initiatorin des Wettbewerbs ist Eleni Ioannidou, Gründerin und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins für die Förderung der Kultur und Völkerverständigung Ars-Augusta mit Sitz in Görlitz. Sie trat bereits im April 2020 mit der Bitte an Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer heran, den Wettbewerb zum Thema „Hellas“ zu unterstützen. Nachwuchssänger sollen dabei Lieder aus der weltweiten Literatur vortragen, die von der Bewegung des Philhellenismus, einer geistigen Bewegung in der Zeit der Aufklärung, inspiriert worden waren. Ursprünglich hätte der Wettbewerb anlässlich des 200. Jahrestages des Beginns des Griechischen Freiheitskampfes vom 21. bis 25. März dieses Jahres stattfinden sollen. Wegen der anhaltenden Pandemie wurde er um ein Jahr verschoben.

Die Preisträger sollen nach Abschluss des Wettbewerbs mit einem Konzertprogramm durch mehrere europäische Städte touren, die mit der Geschichte der Gründung des modernen griechischen Staats verbunden sind. „Wir planen unter anderem Konzerte in Ottobrunn und in der Partnerstadt Nafplio“, erklärt Ioannidou.

Konzertabend mit Künstlern aus aller Welt

Die Sopranistin Ioannidou ist in Ottobrunn keine Unbekannte. Im Sommer 2015 veranstaltete sie einen Konzertabend im Wolf-Ferrari-Haus mit Musik von Ermanno Wolf-Ferrari, unter anderem die Oper „Il segreto die Susanna“. Die in Polen geborene Künstlerin und Veranstalterin hat griechische Wurzeln und steht in engem Austausch mit dem griechischen Pianisten Jannis Vakarelis, der unter anderem das Musikfestival in Nafplio leitet.

Veranstalterin Ioannidou fragte im Frühjahr 2020 bei der Gemeinde an, ob ein entsprechender Liederabend der Preisträger mit Klavierbegleitung im Wolf-Ferrari-Haus grundsätzlich möglich sei und dieses Konzert als zusätzlicher Preis für den Wettbewerb ausgelobt werden könne. Nachdem der Rathauschef und Horst Frank, Leiter des Wolf-Ferrari-Hauses, generelles Interesse an einer Unterstützung bekundeten, kam Ioannidou im Februar diesen Jahres mit einer weiteren Bitte auf die Gemeinde zu.

Zwar seien aus den Bewerbern, alles hochkarätige junge Künstler aus der ganzen Welt, bereits 90 Duos ausgewählt worden, allerdings erschwere die Pandemie Organisation und Finanzierung des Wettbewerbs. Sowohl bereits bewilligte Fördergelder als auch Sponsoren aus der Privatwirtschaft seien weggefallen. Daher fragte sie bei der Gemeinde an, ob diese eine oder mehrere Preise ausloben könne. „Für mich ist die Unterstützung in diesem Jahr sehr wichtig, um die Preisgelder finanzieren zu können“, erklärt Ioannidou. Im Gegenzug übernehme sie die Organisation und die Künstler-Honorare für das Preisträgerkonzert im Wolf-Ferrari-Haus, das im kommenden Jahr stattfinden soll.

Einen Großteil der finanziellen Unterstützung möchte ein Ottobrunner Bürger übernehmen. Er hat sich schriftlich bei der Gemeinde gemeldet und sich bereit erklärt, 4000 Euro für die Preisgelder zu übernehmen. Zusätzlich sprach sich der Gemeinderat in seiner März-Sitzung auf Empfehlung der Verwaltung dafür aus, weitere Unterstützungsleistungen im Wert von 2000 Euro zuzusagen, wenn dadurch eine erfolgreiche Durchführung des Konzerts in der Gemeinde sichergestellt wird.

Als von der Veranstalterin die Benennung des Preises nach einem großen Philhellenen vorgeschlagen wurde, war es für Bürgermeister Thomas Loderer naheliegend, diesen dem im Dezember 2020 verstorbenen Herbert Speckner zu widmen.

Speckner hat sich nach der Gründung des Otto-König-von-Griechenland-Museums im Jahr 1989 die bayerisch-griechische Geschichte während der Regentschaft König Ottos zum Leib-und-Magen-Thema gemacht. Er trug mit Vorträgen, Abhandlungen und Buchbeiträgen zu einem tieferen Verständnis dieser Periode der europäischen Geschichte bei. Von 1995 bis zu seinem Tod führte er außerdem das Amt des Schriftführers im Förderverein des Museums aus. Für seine großen Verdienste erhielt er 2015 die Bürgermedaille der Gemeinde. Zu dieser Auszeichnung gesellt nun die Würdigung in Form des Dr. Herbert Speckner-Preises, der vorerst einmalig ausgelobt wird.

Wettbewerb als Beitrag zur Völkerverständigung

Bei der Initiatorin Eleni Ioannidou ist die Freude über die finanzielle Unterstützung aus Ottobrunn groß. Egal Südkorea, USA, Russland oder Aus­tralien: Die Teilnehmer kommen aus aller Welt. Für Otto­brunn mit seiner engen Verbindung zu Griechenland sei die Auslobung des Preises eine gute Gelegenheit, sich international zu präsentieren. Die Vorsitzende von Ars-Augusta sieht den Wettbewerb als wertvollen Beitrag für die Völkerverständigung: „Viele Griechen wissen gar nicht, wie wichtig Bayern und König Otto für die griechische Revolution und den Aufbau des neuen Staats waren“, verdeutlicht sie.

Bei ihren Besuchen in Griechenland, auch in Nafplio, habe sie gemerkt, dass das Thema Otto oft negativ belegt sei. „Ich hoffe die Veranstaltung trägt dazu bei, dass sich solche festgefahrenen Meinungen verbessern und die Städte einander näher kommen“, meint Ioannidou. Und das wäre sicherlich im Sinne des Namensgebers Herbert Speckner gewesen.

Iris Janda

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