Johann Raunecker lebte Seite an Seite mit Maximilian II. und Ludwig II.

Roseninsel-Gärtner und Nachbar der Könige: Planeggerin auf den Spuren ihres Urgroßvaters

Gertraud Wurm aus Planegg hält das Ergebnis ihrer Recherche über den Gärtner der Roseninsel, Johann Raunecker
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Stolz hält Gertraud Wurm aus Planegg das Ergebnis ihrer Recherche über den Königsgärtner der Roseninsel, Johann Raunecker, in die Kamera.

Johann Raunecker war der erste königliche Gärtner der Insel im Starnberger See. Sein Leben hat Gertraud Wurm aus Planegg jetzt erforscht und ein Buch verfasst

Planegg - Wenn Gertraud Wurm zwei- bis dreimal im Jahr auf der Roseninsel im Starnberger See zu Besuch ist, dann ist das nicht nur ein schöner Ausflug, sondern auch ein bisschen Heimat. Denn ihr Urgroßvater Johann Raunecker lebte einst mit Frau und sieben Kindern auf dem Kleinod – als erster königlicher Gärtner der Insel, Seite an Seite mit Maximilian II. und Ludwig II..

Recherche über den Gärtner der Roseninsel 2018 begonnen

„Das Wissen über sein Wirken wäre vollkommen in der Versenkung verschwunden, wenn ich nicht angefangen hätte, über meine Familie zu recherchieren“, erzählt die Planeggerin.

Die Familiengeschichte erforschen – dieses Ziel hatte sich Getraud Wurm 2018 mit ihrem Eintritt in die Rente vorgenommen. Viel war damals nicht bekannt. „Wir hatten immer nur darüber gesprochen, dass meine Oma und ihre Geschwister ‚Inselkinder‘ gewesen sind und mit dem Boot zur Schule nach Feldafing rudern mussten. Aber wieso, warum – das wusste ich nicht.“

Also suchte Wurm nach Antworten: im Gemeindearchiv Feldafing, beim Bistum Augsburg und schließlich im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher, auf das sie der heutige Roseninsel-Verwalter verwiesen hatte. „Und da hat man mir dann einen Packen Unterlagen auf den Tisch gelegt“, sagt die 66-Jährige und schmunzelt.

Johann Raunecker war viel mehr als nur der Gärtner

Damit begann für Wurm eine „detektivische Puzzlearbeit“. Zusätzlich erschwert wurde diese durch die altdeutsche Schreibschrift, die für die Planeggerin je nach Verfasser besser oder schlechter lesbar war. Auf manchen Dokumenten konnte sie nur Schlagworte entziffern – und ließ sich die Schriftstücke von einem Historiker transkribieren.

Was Wurm dabei erfahren hat: „Mein Urgroßvater hatte eine wirklich verantwortungsvolle Position. Er war bei weitem nicht nur ein Gärtner.“ So war Johann Raunecker zwischen 1862 und 1878 auch dafür zuständig, dass niemand ohne Erlaubniskarte die Insel – ein privater Rückzugsort des Königs – betrat. Raunecker beaufsichtigte zudem Vermessungsarbeiten sowie Pfahlbauten-Ausgrabungen und hatte dem Obersthofmarschallstab darüber zu berichten.

Gärtnerhaus lag nur 15 Meter neben der Königsvilla

Aber auch sonst hatte Raunecker eine Vertrauensstelle inne. Als erster Gärtner mit festem Wohnsitz auf der Insel kamen er und seine Familie den Königen besonders nah. Das kleine Gärtnerhaus, das aus den Bruchstücken einer Kirchenruine gebaut wurde, lag nur 15 Meter neben der königlichen Villa, dem sogenannten Casino. „Da kann man sich gar nicht aus dem Weg gehen“, so Wurm.

Das Gärtnerhaus auf der Roseninsel lag nur wenige Meter neben der königlichen Villa, dem Casino.

Zumal das Obergeschoss des Gärtnerhauses dem für Gäste des Königs genutzt wurde und ihre Urgroßmutter Fanny Raunecker für Reinigungsarbeiten im Casino angestellt war. „Ich bin mir sicher, dass es – solange nur zum Beispiel Ludwig II. vor Ort war – einen direkten Kontakt gab.“

Einen Wermutstropfen gibt es aber: „Mich hätte sehr interessiert, welche Regeln es für die sieben Kinder gab. Ob sie sich auf der Insel offen zeigen konnten oder immer im Haus bleiben mussten“, bedauert die Planeggerin. Doch dazu fand sich in den Unterlagen nichts.

Über das Lebens Johann Rauneckers hat Gertraud Wurm ein Buch verfasst

Viele Informationen hat Wurm mit ihrer Recherche dennoch gesammelt – und diese in einem Buch zusammengefasst. 150 Exemplare hat sie im Eigenverlag drucken lassen – als Geschenk für ihre Recherchehelfer, die örtlichen Archive oder Interessierte. „Es war nicht Sinn meiner Recherche, unbedingt ein Buch zu verkaufen. Ich freue mich einfach, dass mein Urgroßvater so nicht in Vergessenheit gerät.“

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