Initiative für die West-Trasse

Anwohner kämpfen gegen mögliches Aus der Straße – ist Ex-Bürgermeister Schuld an dem Stillstand?

Die Anwohner in der Röntgenstraße in Martinsried wünschen sich seit Jahren eine West-Trasse.
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Die Anwohner in der Röntgenstraße in Martinsried wünschen sich seit Jahren eine West-Trasse.

Martinsried soll seit 2013 eine Umfahrung bekommen. Jetzt liegt das Projekt wohl auf Eis - zum Ärger der Anwohner. Die Gründe und wie die Betroffenen weiterkämpfen wollen

  • Um Martinsried soll seit Jahren eine Entlastungsstraße gebaut werden
  • Gemeinderäte hatten Beschluss von 2013 nun als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet
  • Anwohner wollen Bürgerinitiative gründen, um Realisierung durchzusetzen

Martinsried - Als Dieter Nussbächer 1979 an die Martinsrieder Röntgenstraße gezogen ist, sei eine Entlastungsstraße westlich des Orts bereits in Plänen skizziert gewesen. Seine Nachbarin Sabine Albrecht kaufte vor 27 Jahren ihre Wohnung in Martinsried im Hinblick darauf, dass bald eine Umfahrung geplant würde.

Heute sind die beiden – wie viele andere Anwohner – sauer. Nicht nur, weil es die 2013 vom Gemeinderat letztlich beschlossene West-Trasse bis heute nicht gibt. Sondern auch, weil deren Bau erneut in den Sternen steht.

Das hatte sich in einer Sitzung des Ausschusses für Bauleitplanung Mitte April herauskristallisiert. Dabei hatten die Gemeinderäte eigentlich nur über das Grundstück Fraunhoferstraße 1 beraten, über das die Umfahrung künftig an den Ort angebunden werden sollte. Und mehrere Räte hatten dabei betont, dass der Beschluss für die Trasse von 2013 nicht mehr zeitgemäß sei.

Westtrasse in Martinsried: Pläne geraten ins Stocken

Ein Aussage, welche die Anwohner der Röntgenstraße auf die Barrikaden treibt. „Wir wollen, dass die Planungen endlich umgesetzt werden“, sagt Bettina Kempkes, die ebenfalls dort wohnt. Sabine Albrecht ergänzt: „Wir sind dafür sogar bereit, eine Bürgerinitiative zu gründen.“

Denn die Lärm- und Feinstaubbelastung durch Durchfahrtsverkehr und Lastwagen, die sich zuhauf durch die schmale Straße schlängeln, sei seit Jahren hoch. Auch für Fußgänger sei die Situation nicht sicher. „Mein Mann sitzt im Rollstuhl. Am Nachmittag, bei Berufsverkehr, kommt er hier nicht über die Straße“, so Kempkes.

Ganz vom Tisch ist die Umfahrung nicht, betont Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU). „Der Beschluss ist nach wie vor vorhanden.“ Doch in Zeiten von Corona und der ohnehin bevorstehenden Aufnahme von Schulden müsse die Gemeinde Prioritäten setzen.

Bürgermeister Hermann Nafziger betont, dass die Umfahrung nicht ganz vom Tisch ist.

Ein neues Projekt mit Kosten von zwei bis vier Millionen Euro „möchte ich aktuell eigentlich nicht angehen“, so Nafziger. Zumal erst vier der benötigten zwölf Grundstücke in Gemeindehand sind.

Der Grund dafür geht zurück in die Zeit vor Nafzigers Amtsantritt. „Es ist nach dem Beschluss 2013 nie eine echte Planung der Straße beauftragt worden“, so der heutige Rathauschef. Darum sei bisher auch nicht konkret um Grundstücke verhandelt und kaum Geld für das Projekt ausgegeben worden. „Es wurde einfach nie vorangetrieben.“

Ortsumfahrung: Anwohner sind sauer über stockenden Planungsprozess

Drastischer fomuliert es Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour (FDP-Liste), der den Beschluss zur Umfahrung ebenfalls als überholt ansieht. „Der Gemeinderat und die Bevölkerung wurden vom Altbürgermeister bezüglich der Grundstücke fehlinformiert.“ Von Schall-Riaucour will nun eine Bürgerbefragung anregen, um den Beschluss gegebenenfalls zu aktualisieren.

Doch die Anwohner der Röntgenstraße sind müde. Bei Bürgerversammlungen und -veranstaltungen hätten sie immer wieder ihren Wunsch eingebracht. „Am Ende entscheidet der Gemeinderat doch anders“, sagt Evelyn Wolff resigniert. Die Leidtragenden sind die Menschen im Viertel. Denn eine Alternative zur Verkehrsberuhigung dort sehe er nicht, so Nafziger.

Bestehende Martinsrieder Bürgerinitiative gegen die Umfahrung

Deutlich anders positioniert sich die Bürgerinitiative Planegg Martinsried zur West-Umfahrung. Sie setzt sich vehement gegen eine Umsetzung ein.

Die Begründung: Die Trasse zerstöre einen vom Regionalen Planungsverband als Frischluftschneise ausgewiesenen Grünzug mit Biotopen. Die Initiative um die Martinsriederin Barbara Gutmann fürchtet, dass die Straße als Verbindung von A96 und A95 genutzt würde.

Diese Alternative zum Münchner Südring könnte nach Ansicht der Gruppe sogar mehr Verkehr nach Martinsried bringen. „Damit nähmen Lärm und Luftverschmutzung sowohl in den angrenzenden Wohngebieten als auch im Grünstreifen selbst enorm zu“, so die Initiative. Dabei sei insbesondere die Feinstaubbelastung – etwa für das in der Nähe liegende Planegger Gymnasium – kritisch zu sehen.

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