„Der Muskelkater kam zu Hause“

Gymnasiasten aus Unterhaching auf Hochtour im Innsbrucker Land

Schülergruppe aus Unterhaching auf dem Winnebachjoch.
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Zehn Schüler vom Lise-Meitner-Gymnasium waren Mitte September auf Hochtour im Innsbrucker Land bei Sellrain – hier bei der Tagesetappe auf dem Winnebachjoch.

Mitte September waren zehn Schüler eines P-Seminars aus ­Unterhaching auf einer mehrtägigen Hochtour in Österreich. Dabei lernten sie vor allem: „Weniger ist mehr!“  

Die Brotzeit in den Schulranzen packen, zum Bus eilen oder aufs Fahrrad schwingen und in der Schule angekommen nach dem neuen Klassenzimmer suchen: Für viele sah oder so ähnlich der Start ins neue Schuljahr aus. Nicht so aber für zehn Zwölftklässler des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching. Dort hieß es Wanderschuhe schnüren, Proviant einpacken und auf zur nächsten Tagesetappe.

Denn das P-Seminar hat über viele Monate eine viertägige Hochtour bei Sellrain im Innsbrucker Land geplant. „Planung und Durchführung einer mehrtägigen Wanderung durch die Alpen“ lautete der Kursname und genau das stand auf dem Programm: von der Programmplanung, der Erstellung eines Sicherheitskonzept, Teambuildingmaßnahmen bis hin zur Sponsorensuche wurden alle Aufgaben von den Schülern übernommen. Auch mit einem eigens eingerichteten Instagram-Account (official.lmguwandern2021) versorgten sie Familie und Freunde zu Hause mit Bildern und Videos von ihrer Tour.

Und das alles, obwohl lange in den Sternen stand, ob die Tour aufgrund der Pandemie-Situation überhaupt stattfinden kann. „Bis kurz nach Ostern sah es noch so aus, als ob wir gar nicht gehen könnten“, erklärt Kursleiterin Christiane Wagner-Klein. Als sich dann eine Besserung der Situation abzeichnete, ging es zunächst Ende Juli für drei Tage nach Ruhpolding auf die Waicher Maisalm.

Manche der Zwölftklässler haben bereits zuvor Wandertouren gemacht, für andere war es Neuland. „Wir betreiben aber alle Sportarten, die mit Ausdauer zu tun haben“, erklärt Mona. Nach der Tour in Ruhpolding habe sie erwartet, dass die Wanderung im Sellrain schwieriger werde. „Ich fand die Wanderung in Ruhpolding viel anstrengender“, meint auch ihr Mitschüler Adrian.

Auf der Tour im Hochgebirge begleitete ein ortskundiger Bergführer die Gruppe aus Unterhaching. „Es war uns wichtig, dass es jemand aus der Gegend ist, weil er das Wetter besser einschätzen kann“, erklärt Wagner-Klein. Mit dem sonnigen Wetter hatten die Schüler dann großer Glück. „Zwei Wochen vorher lag dort noch Schnee“, so die Lehrerin weiter.

Der Bergführer hätte zwar nach Meinung der Schüler mehr erklären und öfter Pausen einlegen können, dafür ist die Gruppe aber zügig voran gekommen. So erreichte sie die tägliche Etappe – immer eine andere Hütte – früher als erwartet. „Das war schön, weil wir so mehr Zeit gemeinsam auf der Hütte hatten“, meint Vincent.

Durch die Teambuilding-Maßnahmen vorab sollte die Gruppe mehr zusammenwachsen. „Ich denke, das hat sich schon über die Wanderung an sich gebessert“, sagt Mona. „Man ist jeden Tag durch das Wandern einer Extremsituation ausgesetzt, dabei entsteht eine ganz andere Ebene des Vertrauens.“ Die Schülern seien nun viel mehr als Gruppe zusammengewachsen.

Darüber hinaus haben die Jugendlichen weitere Lehren aus der Tour gezogen. „Ich würde mich definitiv anders vorbereiten“, erklärt Malaika. Gerade bei der Kleidung laute das Motto: „Weniger ist mehr!“. Schließlich muss jedes Kleidungsstück über Stunden im Rucksack mitgetragen werden.

Auch beim Thema Sicherheit waren die Schüler überrascht, was es alles auf so einer Tour zu beachten gibt und wo Gefahren lauern können. „Es war gut, um seine eigenen Grenzen einschätzen zu können“, meint ein Kursteilnehmer. Manch einer musste die auch überwinden, wie zum Beispiel eine Schülerin ihre Höhenangst bei der Hängebrücke beim Stuibenfall. „Die hat dann auch verdächtig gewackelt“, meint sie lachend in Richtung eines Mitschülers.

Der ein oder andere sei umgeknickt, aber zu größten Verletzungen kam es nicht. Auch weil die Schüler aus dem Team „Sicherheit“ ein eigenes Dehnkonzept entwickelt haben, um Verletzungen vorzubeugen. „Es hatte nicht einmal jemand Muskelkater“, meint Lehrerin Wagner-Klein verblüfft. „Doch“, wendet Malaika ein, „der Muskelkater kam zu Hause“. Einige aus dem Kurs haben Blut geleckt und wollen auch in Zukunft Wandern gehen. Womöglich geht es da auch auf 3000 Meter – die hätten die Schüler diesmal schon gerne geknackt.

Iris Janda

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