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Haarer Bauausschuss diskutiert Stelzen-Radweg über der B304

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Eine Visualisierung eines Stelzen-Radwegs entlang der B304 aus der Draufsicht.
Ein Stelzen-Radweg über der B304: Im Haarer Bauausschuss blieben viele Fragen offen. Sie sollen nun im nächsten halben Jahr geklärt werden. © Gemeinde Haar

Erstmals hat der Bauausschuss des Haarer Gemeinderats über einen Stelzen-Radwegs auf der B304 diskutiert. Eine Entscheidung für oder gegen das Projekt hat das Gremium aber nicht getroffen. Zunächst sollen weitere Informationen gesammelt werden.

Haars Bürgermeister Andreas Bukowski, sein Vaterstettener Amtskollegen Leonhard Spitzauer und Stefan Ziegler, Vorsitzender des Bezirksausschusses Trudering-Riem, hatten die Idee für den Stelzen-Radweg vor ungefähr einem Jahr vorgestellt (HALLO berichtete).

Bukowski sieht in dem Ständerradweg über der B304 eine schnelle, barrierefreie, sichere, überörtlich und attraktive Radverbindung zwischen dem Landkreis Ebersberg, dem Landkreis München, Trudering, Berg am Laim und Haidhausen. Dabei werde bestehende Infrastruktur genutzt, um zusätzliche Verkehrswege zu schaffen. „So entsteht statt Konkurrenz ein guter Mix gleichberechtigter Verkehrsmittel“, betont Haars Bürgermeister.

Zudem sieht Haars Gemeindeoberhaupt in dem Projekt „echten Klimaschutz“ durch eine Verlagerung des Verkehrs, klimapositive Bauweise und durch zusätzliche Stromerzeugung durch Photovoltaik-Module entlang der Strecke. Diese würden bis zu ein Megawatt Strom pro Kilometer erzeugen. Die nachhaltige Holzbauweise mit einem lokalen Rohstoff im Leichtbau-System sieht der Bürgermeister als weiteren Vorteil. Zudem seien auch die Kosten für das Projekt überschaubar. Bei drei bis 3,5 Millionen Euro würden diese liegen, schätzt ein Hersteller, mit dem die Initiatoren im Gespräch sind.

Im Haarer Bauausschuss konnte die Idee der drei CSU-Politiker allerdings nicht überzeugen. Die Stelzenkonstruktion habe einige gute Ansätze und könne punktuell zur Überwindung von geografischen Barrieren sinnvoll eingesetzt werden, hieß es etwa seitens des SPD.

Allerdings sei ein Stelzen-Radweg über diese Länge und an dieser Stelle nicht sinnvoll. So erklärt Haars dritte Bürgermeisterin Katharina Dworzak: „Das Fahrrad gewinnt zunehmend an Stellenwert und attraktive Strecken werden auch gerne genutzt. Allerdings gibt es eine Reichweitengrenze für das Fahrrad. Gerade auf dem täglichen Weg zur Arbeit, der einen großen Teil der Mobilität ausmacht, sind nur wenige bereit, weite Strecken mit langer Dauer auf sich zu nehmen.“

Wesentlich effektiver sei das ÖPNV-System. Kein anderes Verkehrsmittel transportiere bei so geringem Flächenverbrauch wetterunabhängig so viele Menschen. Deshalb sei der Bau einer Tramstrecke, die einem Radstelzenweg vorzuziehen. Ob ein Radweg über einer Tramstrecke möglich sei, „vertraue ich mit Verlaub meinen Kollegen bei der MVG, die dies verneinen, mehr als einer Schweizer Firma, die ihr Produkt verkaufen will“, so Dwor­zak.

Zudem verweist die SPD-Politikerin auf städtebauliche Aspekte. Viele Haarer würden die B304 schon jetzt als eine Schneise, die Haar trennt, empfinden. Dieses Empfinden würde mit einem Projekt dieser Art manifestiert werden, ist sich Dworzak sicher. Man hätte eine optische Barriere durch die Gemeinde. Die Kapazitäten der Verwaltung und des Gemeinderats sollten deshalb auf wirklich sinnvolle Projekte konzentriert werden wie den Radweg entlang der Bahn.

Auch die Grünen sehen das Projekt eher skeptisch. Aufgeständerte Radwege seien geeignet, Flüsse, Autobahnen oder Bahntrassen zu überbrücken und so eine schnelle Verbindung für Radfahrende herstellen. Allerdings seien sie keine eigenständigen Bauwerke für die Langstrecke.

„Wir können uns daher gut vorstellen, solche Radbrücken über die B471 und andere Hindernisse des Schnellen Radwegs entlang der Bahnlinie München-Ebersberg zu errichten. Diese Trasse ist unser Angebot an Streckenradelnde im Münchner Osten: schnell, hindernisarm, kostengünstig und einfach realisierbar. Sie wurde von Grünen in zehn Orten gemeinsam erarbeitet und entspricht im Haar dem einstimmig verabschiedeten Mobilitätskonzept der Gemeinde“, erklären die Haarer Grünen.

Bevor ein Hochradweg über der B304 auch nur näher erwogen werden könnte, müssten eine Menge noch offener Fragen untersucht und positiv beantwortet werden. Dazu gehören Aspekte wie Bedarf und Verkehrsanalysen, Attraktivität im Betrieb, Technik, Bau und Unterhalt, aber auch Bürokratie und Rechtsfragen. Auch Fragen zum Anbieter urb-x, Kosten und Realisierungsprozess haben die Haarer Grünen. Antworten auf alle Fragen sollen gesammelt werden.

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