Höhenkirchen-Siegertsbrunn lässt Bedarf von Luftfiltern untersuchen

Keine unüberlegten Käufe

Raumluftfilter
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Welches Gerät und auch wie ein mobiler Raumluftfilter im Klassenzimmer positioniert ist, hat Einfluss auf seine Wirksamkeit.

Die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn möchte nicht pauschal alle Räume mit mobilen Raumluftfiltern ausstatten, sondern sich von einem Fachplaner beraten lassen. Denn nicht in jedem Raum ist ein solches Gerät sinnvoll.

Mit seiner Ankündigung, dass alle bayerischen Schulen nach den Sommerferien mit Raumluftfiltergeräten ausgestattet sein sollen, hat Ministerpräsident Markus Söder die Kommunen vor große Herausforderungen gestellt. Denn offen ist sowohl, welche Geräte geeignet sind, als auch, ob und inwiefern die Geräte überhaupt zum Infektionsschutz beitragen sind.

Wie vielerorts musste sich auch in Höhenkirchen-Siegertsbrunn der Gemeinderat in seiner Juli-Sitzung mit der Frage auseinandersetzen, inwieweit die Kommune für die gemeindlichen Kindergärten und Grundschulen weitere mobile Luftfiltergeräte anschafft. Für unzureichend belüftbare Räume hatte die bereits im Winter mobile Geräte im Rahmen des ersten Förderprogramms der Staatsregierung angeschafft.

Bedarf besteht bei über 100 Räumen an Schulen und Kitas. Da vielfach zwei Geräte pro Raum benötigt werden würden, müsste die Gemeinde rund 180 Geräte kaufen. Der Freistaat fördert 50 Prozent der Anschaffungskosten, allerdings müssen die Gemeinden die Installations- und Wartungskosten selbst tragen.

Die Beschäftigung mit dem Thema zeige, dass vor der Ausstattung der Räume diverse Fragen zu klären seien, erklärte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) dem Gremium. So gebe es eine Vielzahl an Angeboten, aber kaum konkrete Aussagen, welcher Lüfter wie effizient sei und wo er genau im Raum positioniert werden muss. Auch seien einige Räume nur mit sehr wenig Steckdosen ausgestattet und es sei unklar, ob das Stromnetz der Belastung standhalte. „Das ist ein Vorgaukeln falscher Sicherheit, wenn wir den Luftfilter irgendwo hinstellen, wo wir nicht wissen, ob er überhaupt etwas bringt“, warnte die Rathauschefin.

Deshalb schlage die Verwaltung vor, einen Fachplaner zu beauftragen, der die Räume analysiert und den tatsächlichen Bedarf ermittelt. Auf Basis dessen Ergebnisse sollen dann die benötigten Geräte angeschafft werden. 130.000 Euro seien für die Maßnahme bereits im Haushalt eingestellt. Der Fachplaner werde auch festinstallierte raumlufttechnischen (RLT)-Anlagen in Betracht ziehen. „Das ist eine nachhaltige, aber nicht die schnellste Lösung“, erklärte Konwitschny.

Auch der Kreisausschuss habe sich ebenso wie andere Gemeinden dafür ausgesprochen, nicht pauschal Geräte für alle Räume anzuschaffen, sondern ein Fachbüro zu beauftragen.

Grünen-Rätin Janine Schneider wollte einen Zeitrahmen für die Maßnahme wissen. „Ein Zeithorizont ist schwer abzuschätzen“, meinte die Bürgermeisterin. Produkte gebe es viele auf dem Markt, aber die Fachplaner würden nicht aus dem Boden wachsen und die Nachfrage nach ihnen derzeit hoch. Sie hoffe, dass die Untersuchungen des Planers in den Sommerferien stattfinden können.

Der Gemeinderat schloss sich einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung an. „Wir müssen den optimalen Schutz für unsere Kinder gewährleisten. Aber nicht nach dem Motto ,Viel hilft viel‘“, erklärte CSU-Mann Roland Spingler. Parteikollege Peter Guggenberger schloss sich an: „Die Dringlichkeit ist uns allen klar. Sie darf aber nicht zu unüberlegten Käufen führen.“ Auch Otto Bußjäger (UB) war wichtig zu betonen, dass der gesamte Gemeinderat den bestmöglichen Schutz der Kinder im Sinn habe. „Aber es schützt nicht der am meisten, der am meisten Geld ausgibt.“

Iris Janda

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