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Höhenkirchen-Siegertsbrunn lehnt Antrag auf Kiesabbau ab

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Von: Iris Janda

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Ein Bagger in einer Kiesgrube.
Einem Antrag auf Kiesabbau nahe Dürrnhaar stehen mehrfach öffentliche Belange entgegen. © ija

Vor rund einem Jahr sorgte ein Antrag auf Kiesabbau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn für Unmut. Nun gibt es einen weiteren Antragssteller. Doch dieses Vorhaben scheint kaum Chance auf Umsetzung zu haben.

Schon wieder Kiesabbau – dieser Gedanke mag nicht wenigen beim Blick auf die Tagesordnung des Gemeinderates in Höhenkirchen-Siegertsbrunn im September gekommen sein. Während der vor rund einem Jahr eingereichte Antrag auf Kiesabbau nahe des Muna-Geländes noch immer in Prüfung beim Landratsamt ist, möchte nun ein anderer Antragsstelle im Wald an der Ortsgrenze zu Aying Kies abbauen. Der Abbau soll laut Antrag 20 Jahre lang auf einer Fläche von 9,2 Hektar erfolgen mit einer Wiederbefüllung von 22 Jahren. Die Chancen des Antragsstellers stehen allerdings nicht gut, mit dem Antrag bei der behördlichen Prüfung durchzukommen.

Wie Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) in der Sitzung verdeutlichte, stünden öffentliche Belange mehrfach entgegen. Darüber hinaus seien die eingereichten Unterlagen unvollständig. Vor allem fehlt die artenschutzfachliche Bewertung des Grundstücks. Das geht aus einer Stellungnahme des Planungsbüros Dr. Schober zurück, das bereits für die Gemeinde wegen des bisherigen Kiesabbauantrags tätig ist.

Demnach müsste eine Bewertung vorliegen, inwieweit höhlenbrütende Vogelarten oder Fledermäuse durch die Rodung beeinträchtigt oder geschädigt werden könnten. Außerdem müsste untersucht werden, ob in dem Waldbestand europäisch geschützte Tierarten leben. Die Bedeutung des Waldstücks spiegelt sich auch im Flächennutzungsplan wider, der das Grundstück als „Wald mit besonderer Bedeutung für das Landschaftsbild“ und „Straßen- und Lärmschutzwald“ ausweist. Weil das Vorhaben dem entgegen stehe, sei es allein schon deswegen planungsrechtlich unzulässig.

„Als der Antrag bei uns einging, haben wir uns natürlich an die Gemeinde Aying gewandt“, erklärte die Rathauschefin. Daraus ging hervor, dass Aying seit 2016 Pläne für eine Umgehungsstraße für Dürrnhaar hat. Das hat zur Konsequenz, dass das daran angrenzende Grundstück auf Siegertsbrunner Flur für eine mögliche Umgehungsstraße vorgehalten werden muss.

Der Grundstückseigentümer selbst hatte anscheinend Kenntnis von dem Ansinnen des Antragsstellers. Er teilte der Verwaltung mit, dass er keine Verträge mit diesem geschlossen habe. Laut Landratsamt sei dieses Vorgehen in Ausnahmefällen wohl möglich.

Nicht nur für die Verwaltung auch für das Gremium war der Fall klar. „Natürlich lehnen wir es ab“, erklärte Otto Bußjäger (UB). Es würde seiner Überzeugung nach mehrere Jahrhunderte dauern bis der Bannwald dort wieder in seiner derzeitigen Form nachwächst. Die Abbaupläne auf dem Grundstück seien ein „Waldmassaker“.

Rupert Franke (SPD) schloss sich seinem Vorredner und der Verwaltung an. Er hoffe, dass Höhenkirchen-Siegertsbrunn in der Region das gallische Dorf ohne Kiesabbau bleibe. Für die Klimaschutzgemeinde Höhenkirchen mute der Antrag zur Abholzung von 9,2 Hektar Bannwald „wie ein Schlag ins Gesicht“ an, meinte Grünen-Rätin Gudrun Hackl-Stoll. Dass das Vorhaben an der Muna so schnell Begehrlichkeiten bei Anderen geweckt habe, hätte sie verwundert. Ihre Fraktion hoffe, dass es auf staatlicher Ebene bald eine Änderung bei der Privilegierung von Kiesabbau gebe.

Folglich lehnte der Gemeinderat einstimmig den Antrag ab. Bürgermeisterin Konwitschny freute sich über den Beschluss. „Ich hoffe sehr, dass alle anderen Behörden das Vorhaben genauso kritisch sehen.“

Iris Janda

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