Neubiberger Ehepaar schreibt einen Blog mit Touren in und um München

„Irgendetwas muss unterwegs bitzeln“

Helmut Eder und seine Frau Gitta gehen  immer wieder  draußen auf Entdeckungstour.
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Helmut Eder und seine Frau Gitta gehen immer wieder draußen auf Entdeckungstour.

Ob mit Aussicht in die Ferne oder auf ein idyllisches Gewässer, ob eine lange Wanderung oder ein kleines Abenteuer am Nachmittag — auf dem Blog „Hurra draußen!“ halten Helmut und Gitta Eder aus Neubiberg ihre Outdoor­erlebnisse fest.

„Flott im Quadrat“ — so heißt die Tour, die Helmut Eder auf seinem Blog „Hurra draußen!“ um Siegertsbrunn herum beschreibt. Oder soll es zum „Räuberlager in der glazialen Abflussrinne des Eglinger Gletscherfingers“ gehen? Auch diese Rundwanderung von Deisen-

hofen übers Gleißental nach Kreuzpullach hat Eder, der mit seiner Frau Gitta in Neubiberg wohnt, auf seinem Blog beschrieben.

Seit 2016 lassen Helmut Eder und seine Frau Gitta andere und ähnlich Outdoorbegeisterte, wie sie selbst es sind, an ihren Ideen für Touren teilhaben. Helmut Eder ist Münchner, er kennt seine Stadt und das Umland. „Wir sind schon immer viel und gerne rausgegangen“, erzählt Eder. Und 2016 kam dann noch Hund Pelle in die Neubiberger Familie. „In unserer näheren Umgebung aber haben wir so schnell alles Mögliche abgegrast, man kann nicht immer nur in den Ortspark gehen und so tasteten wir uns an weitere Schätze heran.“

Zu entdecken gibt es nämlich eine Menge! Und auch nach den unzähligen Touren, die sie bereits gemacht und beschrieben haben, kreist in Eders Kopf so vieles, das er erkunden möchte. „Man kommt vom Hölzchen zum Stöckchen“, erzählt er. Kaum seien sie auf Entdeckungsreise einer Wanderung, stoßen sie währenddessen oder auf dem Weg dorthin auf die nächste mögliche Tour. Das kann bei den Eders sowohl eine längere, anspruchsvollere Wanderung sein oder auch nur eine kurze Runde, die man nachmittags noch drehen kann.

Die Länge einer Tour spielt dabei weniger eine Rolle, als die Dramaturgie. „Irgendwas muss unterwegs bitzeln“, so der Neubiberger. Vielleicht gibt es ja eine Burg zu entdecken, ein Denkmal oder auch eine besonders nette Einkehrmöglichkeit. „Eine Tour muss Spaß machen und darf auf keinen Fall langweilig sein.“

Eders Neugier und seine Ortskenntnis leiten ihn auf seinen Wegen. „Es muss mich etwas unterwegs fesseln, das ist mein Anspruch“, beschreibt er seine Motivation, immer wieder aufs Neue mit seiner Frau Gitta und oft auch mit Freunden loszuziehen.

Und jede Tour sei eine Art Spurensuche. Denn auch in der näheren Umgebung zur Heimatstadt gibt es noch so viel Kulturgeschichtliches zu erfahren.

„Es ist ein gigantisches Mosaik, das sich immer mehr zusammenfügt“, sagt Eder. Und die nächste Tour baue meist auf einer anderen auf. Je tiefer er recherchiere, desto mehr Ideen für neue Abenteuer in München, in der Umgebung und im südlichen Bayern entstehen in seinem Kopf.

Nur einmal im Kreis zu gehen, das sei für ihn so langweilig wie Joggen. Im Kopf habe er eine Checkliste, wonach er suche: „Wenig Teer, abwechslungsreich, im besten Fall mit einer kleinen Dramaturgie und oft sind wir auch entlang von Flüssen unterwegs.“

Der Blog ist dennoch nur ein Hobby, wenn auch ein großes und zeitaufwendiges. „Es dauert schon etwa eine Woche, eine Tour festzuhalten. Bilder müssen bearbeiten werden, hinzu kommt noch die Recherche historischer Fakten. Das ist schon ein aufwendiger Prozess“, sagt der Neubiberger. Aber da es ihm eben so viel Spaß mache, nehme er all das auch gerne in Kauf.

Gerade jetzt in der Corona-Zeit bemerken Helmut und Gitta Eder auch, wie hoch die Zugriffsrate auf ihren Blog sei. „Das hat seit Corona brutal zugenommen“, freut er sich. Und mit vielen ebenso begeisterten Lesern und Touren­gehern steige natürlich auch der Anspruch, den Eder an sich stellt.

„Eine Tour beschreibe ich heute ganz anders als noch 2016“, erklärt er. „Mittlerweile müssen wir genau darauf achten, ob es zum Beispiel einen ausreichend großen Parkplatz gibt. Denn bei einer guten Tour rumpeln da demnächst tausende Leute hin. Und eine Tour muss natur-

verträglich sein.“ Der Umgang mit dem Thema habe sich also in den vergangenen fünf Jahren vor allem auch dahingehend verändert, dass Helmut und Gitta Eder eine ganz anderes Verantwortungsgefühl haben. „Unsere Priorisierung bei der Auswahl und Gestaltung der Touren ist heute eine andere.“ So stecke derzeit auch viel Arbeit dahinter, ältere Touren neu aufzuarbeiten und gegebenenfalls zu verändern.

Der Blog begann als Liebhaberei, und sei es noch immer, betont Eder. Er verstehe es als den perfekten Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit in einer Werbeagentur. „Der Blog ist wie ein Labor für mich. Es ist ein Projekt, das man ganz allein verantwortet und bei dem man vieles ausprobiert.“ Und nach der Nachbereitung am Schreibtisch heißt es ja wieder: „Hurra draußen!“

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