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Hilfreiche Video-Plattform

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Von: Verena Rudolf

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Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (links) hat Frank Jorga (Zweiter von rechts) und sein Team in dessen Studio besucht.
Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (links) hat Frank Jorga (Zweiter von rechts) und sein Team in dessen Studio besucht. © oh

In Kirchheim produziert ein Medien-Unternehmen Videos für geflüchtete Ukrainer, um ihnen die Ankunft in Deutschland und die Bewältigung des neuen Alltags zu erleichtern.

Es sind ganz banale Fragen, die sich viele Ukrainer, die nach Bayern geflüchtet sind, stellen: Kann ich das Leitungswasser trinken? Ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für Ukrainer weiterhin umsonst? Aber auch: Wie kommen Geflüchtete an eine Krankenversicherung? Frank Jorga und sein Team beantworten all diese Fragen.

„Gleich in der ersten Nacht, als die Russen einen Fuß über die Grenze setzten, stand für mich fest, dass wir etwas tun müssen“, sagt Jorga von Gadget Productions in Kirchheim. Schon bei der Flüchtlingskrise 2015 wollte er aktiv werden, nun aber war er sich sofort klar, mit seinem Medien-Unternehmen auf die Art und Weise zu helfen, wie er es am besten kann. „Ich habe hier ein Riesen-Studio.“ Für gewöhnlich sind es Erklärfilme und Videos für Unternehmen, die er in Kirchheim produziert. „Meinen eigentlichen Job habe ich derzeit aber an den Nagel gehängt“, so Jorga.

Sein derzeitiges Projekt heißt European People Media und ist eine Plattform, die Ukrainer in Deutschland willkommen heißt und ihnen hilfreiche Informationen in ihrer Sprache und auf Englisch bietet. Die kurzen Filme sollen es den geflüchteten Menschen erleichtern, nach ihrer Ankunft zurechtzukommen. Die Filme sind sowohl auf Youtube als auch auf Instagram und Facebook zu finden.

Hinter jedem einzelnen Informationsfilm steckt viel Recherchearbeit. Jorgas Mitarbeiter, zu denen derzeit auch Ehrenamtliche gehören, hängen sich ans Telefon oder suchen die Informationen im Internet zusammen. „Ich beschäftigte mittlerweile auch Ukrainer“, erzählt Jorga: „Mittlerweile zehn Ukrainern habe ich zehn Mitarbeiter von meinem Unternehmen gegenübergestellt.“ Für seine ukrainischen Kräfte galt es da unter anderem auf die Schnelle auch vier Rechner mit kyrillischer Tastaturen zu organisieren. Und ein Glücksfall war es, dass sein Team schnell die Ukrainerin Yuliia Sabadash kennenlernte. Sie ist Event-Managerin und eine große Bereicherung für das Projekt. Aber ebenso Kontakte zu einer Psychologin sind nun überaus wertvoll. „Sie ist sehr engagiert und geht nun für uns zum Beispiel auf die Traumabewältigung bei Kindern ein“, berichtet Jorga.

Mal geht die Produktion eines Videos recht schnell und nimmt nur etwa einen Tag in Anspruch. Dann aber könnte es auch mal vier Tage dauern, um ein komplizierteres Thema wie die Versorgung von Schwangeren darzustellen.

Das Reservoir an Themen ist unerschöpflich. Ob es um Arztbesuche und Corona-Impfungen gehe oder auch nur um den Hinweis, dass es in Deutschland Pfand auf fast alle Plastikflaschen gäbe und diese nicht im Restmüll entsorgt werden sollten.

Das Interesse der Ukrainer an ihren Videos ist groß. „Pro Stunde hatten wir jetzt 60 Aufrufe bei Instagram, das läuft bisher auch besser als You­tube“, so Jorga. Unter dem Account @europeanpeoplemedia finden Interessierte die Videos und Beiträge.

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