Bus-Bedarf verwirrt

„Verstehe den Sinn nicht“ ‒ Neue Bus-Route für den 967er in Krailling sorgt für Ärger

 Luisa El Shamaa (li.) und Nina Wiegand befürchten Chaos in der Kraillinger Ligsalzstraße, wenn noch ein Bus fährt.
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Luisa El Shamaa (li.) und Nina Wiegand befürchten Chaos in der Kraillinger Ligsalzstraße, wenn noch ein Bus fährt.

Schon jetzt ist es in der Ligsalzstraße in Krailling wegen parkender Autos oft eng. Jetzt soll noch der 967er-Bus soll durch das Wohngebiet fahren. Anwohner sorgen sich...

Der Landkreis Starnberg peilt für die Buslinie 967 eine neue Route an. Um den Kraillinger Friedhof besser öffentlich anzubinden, soll sie ab Dezember auch durch die Park- und Ligsalzstraße führen und dort mindestens eine neue Haltestelle bekommen.

„Busfahren soll einfach und bequem sein, deswegen sollten Wohngebiete direkt erschlossen werden“, erklärt Kraillings Rathauschef Rudolph Haux (FDP) den Gedanken. Doch bei den Anwohnern sind die Vorbehalte groß, wie sich bei der ersten digitalen Bürger-Veranstaltung (siehe Kasten) zeigte.

„Ich verstehe den Sinn nicht. Der Bus hält dann ja nicht mal direkt am Friedhof“, sagt Luisa El Shamaa. Ihre Nachbarin Nina Wiegand ergänzt: „Hier wohnen viele Familien mit Kindern, es gibt zwei Kindergärten in der Nähe und die Hälfte der Autofahrer ist schneller als erlaubt.“

Die Sorge der beiden Mütter: Weil in der engen Straße auch viele Fahrzeuge parken, könnte die Verkehrssituation gerade für Kinder unübersichtlich werden – und gefährlich. „Ich sehe derzeit mehr Einschränkungen als Nutzen“, so Wiegand.

Neue Bus-Route für den 967er sorgt für Ärger in der Kraillinger Ligsalzstraße

Was die Anwohner zudem stört: Nur durch Zufall haben sie davon erfahren, dass es Pläne für eine neue Bus-Route gibt. „Ich habe gesehen, dass ein Bus in unserer Straße stand und Leute etwas gemessen haben. Die habe ich dann angesprochen“, erzählt Werner Mikschiczek aus der Parkstraße.

Doch warum es die neue Linienführung braucht, habe er nicht erfahren, auch nicht beim digitalen Info-Abend der Gemeinde. „Der Gedanke mit dem Bus ist ja gut. Aber gerade, wenn es Geld kostet, wovon Krailling derzeit nicht viel hat, muss doch der Bedarf geklärt sein.“

Dem scheint aber nicht unbedingt so zu sein. Denn laut Haux prüft die Gemeinde derzeit, ob man die Busführung – sollte sie sich nach zwei Jahren nicht bewährt haben – wieder ändern kann. Bislang seien auch nur provisorische Haltestellen ohne Überdachung geplant. „Uns fehlt aber noch eine Antwort des Landratsamts, ob eine Rücknahme möglich ist.“

Gegen Raser will die Gemeinde mit Geschwindigkeitsmessern vorgehen, sagte Haux beim Info-Abend. Bauliche Veränderungen seien hingegen mit Kosten verbunden, welche die Gemeinde aktuell nicht stemmen könne. Allerdings, so musste Haux zugeben:

Auch ein provisorischer neuer Bus-Stopp kostet etwa 20 000 Euro. Hoffnung machte der Bürgermeister immerhin für den Vorschlag von El Shamaa, in der Straße ein „Vorsicht, Kinder!“-Schild anzubringen. „Das können wir jederzeit tun“, versprach der Rathauschef.

Am Dienstagabend wollte der Gemeinderat Krailling sein endgültiges Urteil abgeben, ob die Bus-Route verlegt werden soll. Eine Entscheidung stand zu Redaktionsschluss noch aus.

Radwege und Internet: Das wollen die Kraillinger noch

Neben der veränderten Busroute lagen den Kraillingern bei der ersten digitalen Info-Veranstaltung der Gemeinde noch andere Themen am Herzen:

• Radwege: „Ein riesen Thema für uns“, sagt Bürgermeister Rudolph Haux (FDP). So arbeite man an einer Kooperation mit Gauting und Germering für einen durchgehenden Weg über die Kraillinger Innovationsmeile. „Dafür suchen wir gerade eine Fördermöglichkeit.“ Eine Querungshilfe, um die Einmündung in die Pentenrieder Straße (Foto) von Germering aus für Radler sicherer zu machen, könne man sich aktuell nicht leisten.

• Schnelles Internet in den kleineren Ortsteilen: „Wir sind dran“, verkündete Haux. Problem sei aber weniger die Gemeinde, sondern die Versorgerfirmen wie Telekom. „Die sind so beschäftigt, dass die Umsetzung ewig dauert.“

• Wlan in der Ortsmitte: Darüber habe sich die Gemeinde schon Gedanken gemacht „Mein Schwerpunkt liegt auf dem Paul-

hanplatz“, so Haux. Zumindest dort soll man kommendes Jahr schon online gehen können.

• E-Ladesäulen: Auch diese seien geplant – als Schnellladesäulen. Derzeit lote man mit Bayernwerk und Regionalwerk die Kosten für mögliche Standorte aus. „Zum Beispiel vor der Volks- und Raiffeisenbank“, sagt Haux.

• Mehr Busverbindungen zur S-Bahn am Abend: „Der normale ÖPNV ist da etwas unflexibel“, erklärte Haux. Stattdessen setze er auf alternative Konzepte wie Rufbusse. „Da sind die Hürden für eine einzelne Gemeinde aber groß. Das würde ich gern für das ganze Würmtal anstoßen.“

• Präsenz-Bürgerversammlung: Diese wird bis März nachgeholt, versprach Haux. Wer den digitalen Bürger-Abend verpasst hat, kann sich die Infos zudem ausgedruckt im Rathaus abholen.

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