Höhenkirchen-Siegertsbrunn veranstaltete einen Bürgerdialog

Es weht Kritik im Höhenkirchner Forst um die möglichen Windräder

Windräder
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Drei Windräder sollen im Höhenkirchner-Forst ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

Neben dem Hofoldinger Forst, sollen in Zukunft auch im Höhenkirchner Forst Windräder für die nachhaltige Energiegewinnung eingesetzt werden. Um die Bürger über dieses Vorhaben zu informieren, starteten die Arge-Mitglieder der Gemeinden Höhenkirchen, Egmating und Oberpframmern einen Bürgerdialog – der kritischen Anklang fand.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Im Höhenkirchner Forst weht der Wind der Kritik, in Bezug auf mögliche Windkraftanlagen. Über hundert Fragen stellten mehr als 300 Teilnehmer bei dem vergangenen Bürgerdialog rund um mögliche Windäder im Höhenkirchner Forst.Die Gemeinden Höhenkirchen, Egmating und Oberpframmern taten sich zu einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) zusammen und schlossen mit den Bayerischen Staatsforsten einen Standortsicherungsvertrag, um so das Heft der Planung in der Hand zu halten. Ein Windrad pro Gemeinde soll im Forst seinen Platz finden. Die drei Experten Willie Stiehler, Robert Sing und Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, die die Bürgerschaft über die bisherigen Ergebnisse unterrichteten.

Von März bis Oktober vergangenen Jahres wurden die natur- und artenschutzrechtlichen Aspekte genau untersucht. Eingangs sagte Höhenkirchen-Siegertsbrunns Bürgermeisterin Mindy Konwitschny, dass keine Entscheidungen getroffen werden würden, bevor alles gut untersucht sei. „Erst wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, werden wir transparent über die Realisierung von Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst – in Form einer Bürgerbeteiligungsgesellschaft entscheiden. Weil es eine Bürgerbeteiligung sein soll, auch in der Realisierung, möchten wir immer, dass die Bürger sehr gut informiert sind.“

Warum die Windenergie im Höhenkirchner Forst so wichtig wäre, erklärte Willie Stiehler, Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München. Beide Landkreise – Ebersberg und München – hätten sich, was den Klimaschutz anbelangt, viel vorgenommen. Denn der Kreistag des Landkreises München habe eine Reduktion der jährlichen Pro Kopf CO2 Immission beschlossen. Von 13 Tonnen im Jahr 2010 soll diese Reduktion der Immission bis auf 6 Tonnen im Jahr 2030 und auf 2,8 Tonnen im Jahr 2050 sinken.

Um die Wichtigkeit des Klimaschutzes visuell zu untermalen, zeigte Stiehler in seinem Vortrag ein Bild der Erde, das aus dem Weltall geschossen wurde. Abgebildet war ein schwarzes Nichts, in dem der Planet Erde wie hineingesetzt wirkte. Stiehler erklärte, weshalb er ausgerechnet dieses Foto wählte. „Die Astronauten von Apollo 8 waren damals erschüttert von der schwarzen Leere des Kosmos und von der Erkenntnis der Einzigartigkeit unseres Heimatplaneten.“ Er verdeutlichte: „Letztlich ist die Erde der einzige Planet, wo wir Menschen leben können. Es ist unsere Lebenswelt“.

Ein weiteres Bild zeigte die Aufnahme der Erde aus jüngerer Zeit. Eine grüne Schicht ummantelte dabei im Kontrast des schwarzen Weltalls die Erdkugel. Es handle sich hierbei um die Ionosphäre beziehungsweise ein Polarlicht, das sich in mehreren hundert Kilometern abspielt.

„Die Dicke der Luftschicht, in der wir leben, ist lediglich zirka 15 Kilometer dick. Wenn man das mit einem Luftballon vergleicht, ist das in etwa die Haut des Luftballons im Verhältnis zu seinem Volumen. Hier spielt sich alles ab: Unser Leben und auch der Treibhauseffekt. Schlussendlich sitzen wir alle gemeinsam in einem abgeschlossenen Treibhaus, aus dem nichts rausgeht und in das nichts reinkommt“, so Stiehler. Auch verwies er auf die immer weiter steigende Jahresdurchschnittstemperatur. Um den Klimawandel zu bremsen appellierte er auf Erneuerbare Energien, wie eben die Windkraft im Höhenkirchner Forst.

Robert Sing vom Ingenieurbüro Sing teilte mit, dass „laut fachgutachterlicher Einschätzung, dem Projekt aus natur- und artenschutzrechtlicher Sicht, keine entscheidenden Belange entgegenstehen.“ Dennoch obliege die einzelne Wertung noch der Unteren Naturschutzbehörde, die eng mit der Höheren Naturschutzbehörde und der Regierung von Oberbayern zusammenarbeite und sich gemeinsam berate. Sing führte aus, dass der jährliche Windenergieertrag bei 10,3 bis 11,3 Kilowattstunden pro Windrad und pro Jahr erzeugt werden würde.

Auch sei laut Berechnungen, unter der jetzigen Marktvoraussetzungen, die Wirtschaftlichkeit gegeben. Auch zeigte er auf, wie sich die drei möglichen Standorte ergaben. An dem Weg „Theresien Geräumt“ sollen zwei Räder östlich und eines westlich errichtet werden. Allerdings würden diese Standorte im Bereich aller drei Gemeinden der Landschaftsschutzverordnung unterliegen. Eine Änderung dieser Landschaftsschutzverordnung für die Realisierung des Projektes wäre also erforderlich.

Damit sich die Bürger vorstellen können, wie sich der Bau der möglichen Windkraftanlagen auf das Landschaftsbild auswirken könnte, visualisierte Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann von der Technischen Universität München dies maßstabgetreu. Ihm war es wichtig, die mögliche Zukunft möglichst objektiv darzustellen. Denn es kursierten Bilder, auf denen die Anlagen wesentlich größer dargestellt wurden. „Die Anlagen auf eine reißerische Art und Weise zu zeigen, sind einfach schlichtweg in ihrer Landschaftlichen Wirkung falsch“, mahnte der Professor.

Nach dem detaillierten Vortrag ging es in die Fragerunde über, die mehrere Stunden dauern sollte. Eine Sorge der Bürger war unter anderem, ob die Immobilien und Grundstücke durch die Errichtung der Windräder an Wert verlieren würden. Robert Sing konnte aus dem Erfahrungsschatz der Gemeinde Berg im Landkreis Starnberg greifen. Ein Jahr nach der Errichtung des Windrades sei es zum Verkauf eines Grundstücks nahe des Windrades gekommen. „Es ist keinerlei finanzieller zu keinem finanziellen Verlust spürbar gewesen. Ganz im Gegenteil.“

Auch war der Wunsch zur Einsicht in die Rohdaten der Windmessung groß. Dem konnte Sing nicht nachkommen: „Aber nicht, weil ich etwas verstecken will. Die Arge hat hier 100.000 Euro für die Windmessungen ausgegeben. Es ist so, dass Rohdaten sehr viel wert sind, auch beispielsweise für die Planungen, die dann auch in der Umgebung stattfinden sollen.“

Schließlich wurde auch kritisch hinterfragt, ob Sing oder andere Vortragende von dem Projekt profitieren würden. Bürgermeisterin Konwitschny entgegnete, dass er sicherlich von dem Projekt profitieren würde, solange er die Untersuchungen mache. Sie stellte aber klar: „Er hat die Aufgabe, zu untersuchen. Das ist sein Beruf.“ Er würde allerdings keine Marge bekommen, sollte das Windkraftprojekt positiv ausgehen. „Er hat keine persönlichen Vorteile. Das gilt für alle Beteiligten der Runde.“

Ein Windrad kostet unter fünf Millionen Euro, sagt Sing. Bis die Windkraftanlage aber in den Höhenkirchner Forst ziehe und diese ihren Beitrag zur Energiewende leiste, dauere es laut Sing noch. Vor 2024 sei nicht damit zu rechnen.

Schöbel-Rutschmann räumte ein, dass es natürlich zu deutlichen Veränderungen des Landschaftsbildes kommen werde. Er betonte: „Die Landschaft wird nicht zerstört – wir bekommen ein anderes Landschaftsbild als vorher, aber werden die Landschaft als solche, aber als vertraute und heimische Landschaft ganz normal weiterhin wahrnehmen können, da bin ich mir ganz sicher. Auch mit Windenergieanlagen.“

Bis zur Realisierung des Vorhabens ist es noch ein weiter Weg, doch sollen die Bürger weiterhin gut über alle Entwicklungsschritte informiert werden und weitere Veranstaltungen stattfinden. Konwitschny will dann auch der Bitte der Bürger nachgehen und einen Förster einladen, um konkretere Fragen zum Thema Wald ausräumen zu können.

Melanie Schröpfer

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