Testen, testen, testen – aber womit?

Landkreis München weitet Testkapazitäten intensiv aus

Eine Mitarbeiterin einer Corona-Teststelle hält ein Wattestäbchen in der Hand.
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Bürger dürfen in Apotheken oder Testzentren mindestens einmal pro Woche einen kostenlosen Antigen-Schnelltest machen.

Testen und Impfen – so möchte die Bundesregierung die Ausbreitung des Coronavirus bekämpfen. Während die Infrastruktur für die kostenlosen Schnelltest vielerorts bereits steht, hapert es noch bei den Selbsttests.

„Ich drücke Ihnen gleich mal einen Packung Taschentücher in die Hand“, meint die Apothekerin freundlich. „Den meisten kommen ein paar Tränchen, wenn ich die Probe entnehme.“ In voller Infektionsschutz-Montur steht sie in dem abgetrennten Raum der Apotheke, bereit mit einem Wattestäbchen, eine Probe aus der Nase zu entnehmen.

Seit Montag, 8. März, kann sich jeder Bürger mindestens einmal die Woche kostenlos mit einem Schnelltest auf Covid19 testen lassen. In der Apotheke im Neuperlacher Zentrum war noch am Vortag bei der Onlinebuchung ein Termin zu bekommen. Ein Zettel mit Angaben zu Name und Wohnsitz muss vorab ausgefüllt und mitgebracht werden.

Vor Ort erklärt die Apothekerin den Ablauf sehr detailliert und geduldig, um Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. „Und nein, ich komme mit dem Stäbchen nicht bis ans Gehirn, das ist gar nicht möglich“, sagt sie lachend. Eine Nachfrage, die sie immer wieder hört. Auch wenn es abwegig klingen mag, aber wer schon einmal einen PCR-Test mit Nasenabstrich gemacht hat, weiß, wie unangenehm sich das anfühlt. Der Antigen-Schnelltest ist dagegen fast schon harmlos, denn dabei wird das Stäbchen nicht so tief wie beim PCR-Test in die Nase gesteckt.

Über einen separaten Ausgang wird der Raum verlassen. Das Ergebnis gibt es nach zirka 30 Minuten per E-Mail oder ausgedruckt vor Ort. Die Fehlerquote bei Schnelltests ist allerdings höher als beim PCR-Test. Deshalb sind Apotheken, kommunale Testzentren und private Anbieter, die die Schnelltests durchführen, verpflichtet, positive Tests bei den Behörden zu melden.

In der Eschenapotheke in Taufkirchen gibt es seit dem 15. März die kostenlosen Schnelltests, die auch als „Bürgertest“ bezeichnet werden. „Wir wollten erst abwarten, bis die genauen Abläufe klar sind“, erklärt Apotheken-Leiterin Cornelia Löwig. Denn nicht jede Apotheke kann die Schnelltests ohne Weiteres anbieten, zusätzliches Personal und ein abgetrennter Raum werden benötigt. „Wir haben da mithilfe der Gemeinde einen sehr guten Weg gefunden“, freut sich Löwig.

Die Gemeinde stellt dafür die Räume des Bürgertreffs gegenüber der Eschenapotheke zur Verfügung, die Tests werden dort durch Mitarbeiter der Hausarztpraxis Groll & Rampp durchgeführt. Apothekerin Löwig kümmert sich um die Beschaffung von Tests und Material sowie die Organisation. Gerade die personelle Entlastung sei hilfreich, stehen auch Apotheker seit einem Jahr Corona unter hoher Mehrbelastung. Ihnen kommen viele zusätzliche Aufgaben zu, sei es die Ausgabe der kostenlosen FFP2-Masken oder nun die Schnelltests. Ebenso brauchen viele Kunden derzeit mehr Beratung.

Schnelltest-Nachfrage hält sich in Grenzen

Bei den Schnelltests hält sich der Antrag – zumindest in der Taufkirchner Apotheke – derzeit noch in Grenzen. Viele würden anrufen und nach einer kurzen Aufklärung meinen „Ach, dann brauch ich das doch nicht“, erklärt Löwig. Bei einigen herrsche das Missverständnis, dass die Schnelltests verpflichtend seien. „Die Nachfrage ist ganz unterschiedlich, wenn man sich so unter den Kollegen umhört“, verdeutlicht die Fachfrau. In Grenz­regionen sei der Andrang größer, weil die Menschen die Tests für die Arbeit brauchen. Ebenso in Gebieten, in denen es wenig Testzentren gibt.

Bisher würden vor allem Mütter mit ihren Kindern kommen, die den Test für den Kindergarten brauchen, oder Senioren, die es zum Beispiel für einen Röntgentermin benötigen. Apothekerin Löwig vermutet einen anderen Grund hinter der noch mäßigen Nachfrage: „Die meisten Leute wissen glaube ich gar nicht, was sie mit dem Test jetzt machen sollen. Man kann nicht verreisen und durch den verlängerten Lockdown gibt es wenig Möglichkeiten, den Test einzusetzen.“

Testkapazität wird jetzt hochgefahren

Mit der Verlängerung des Lockdowns bis Mitte April rücken weitere Öffnungsschritte zwar vorerst in weite Ferne. Wenn der Inzidenzwert aber wieder sinkt, möchte der Landkreis München für weitere Öffnungen, etwa von Gastronomie und Kultureinrichtungen, gerüstet sein. Landrat Christoph Göbel rechnet in diesem Zuge den Schnelltests in einer ausgeweiteten Teststrategie große Bedeutung zu. „Wir fahren intensiv die Testkapazitäten hoch“, erklärte er dazu.

In den 17 bestehenden Testzentren im Landkreis werde dazu die Zahl der möglichen Schnelltests ausgeweitet. Außerdem wurden alle 29 Gemeinden angeschrieben und gebeten zu prüfen, wo Testkapazitäten verdichtet werden können. „Es wird in nächster Zeit ganz entscheidend darauf ankommen, dass die Menschen auf eine gut funktionierende Test­infrastruktur treffen“, betont der Landrat. Ein wichtiger Baustein für diese In­frastruktur soll außerdem die Plattform „Darfichrein“ sein. Gastronomen, Vereine, Kulturschaffende, Unternehmen und kommunale Einrichtungen können diese schon jetzt im Rahmen eines sechsmonatigen Pilotversuchs zur Kontaktdatenerfassung kostenlos nutzen.

Gleichzeitig biete das System eine sichere Schnittstelle zu der im Gesundheitsamt zur Kontaktpersonen-Nachverfolgung verwendeten Software und könne „im Fall einer bekannt gewordenen Infektion die Unterbrechung der Infektionsketten deutlich beschleunigen“, verdeutlicht Göbel. In einem weiteren Schritt soll es möglich sein, negative Testzertifikate dort einzuspeichern und bei einer Einlasskontrolle vorzeigen zu können. Außerdem könnte dort auch ein digitaler Impfpass hinterlegt werden. Der Landkreis stehe dazu in intensivem Austausch mit der Landeshauptstadt, die der Plattform laut Göbel aufgeschlossen gegenüberstehe.

Anders als bei den Schnelltests sah es bis diese Woche bei der Verfügbarkeit von Selbsttests aus. Das ist besonders fatal, da im Freistaat Bayern Schüler und Lehrer eigentlich schon seit 15. März ein bis zweimal die Woche Selbsttests durchführen sollten. „Die Selbsttests sind nicht da“, stellte Landrat Christoph Göbel noch in seiner Presse-

Info am 18. März verärgert fest. Deshalb sind die Kommunen und Sachaufwandträger zunächst in Vorleistung gegangen und organisierten die Selbsttests auf eigene Faust. Der Landkreis erstattet im Nachhinein die Kosten. Eine Woche später sieht die Lage schon deutlich besser aus. Wie der Landrat am Mittwoch erklärte, sollen bis zum Ende dieser Woche 190.000 Tests Selbsttests für die Schulen im Landkreis eingetroffen sein. Bei einmaliger Testung pro Woche werden für die Landkreis-Schüler insgesamt 39.000 Tests benötigt. „Ich denke damit können wir die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten gut verbringen“, stellte Göbel zufrieden fest. Weitere Lieferungen seien bereits angekündigt.

„Bei uns sind jetzt auch die ersten Selbsttests eingetroffen“, erklärt Apothekerin Löwig. Sie glaubt, dass nach Ostern die großen Lieferungen ankommen. Doch weshalb gibt es solche Lieferschwierigkeiten, hatte der Bund sich doch laut Gesundheitsministerium bereits Ende Februar 200 Millionen Selbsttests gesichert? „Ich denke das ist wie immer, wenn plötzlich eine große Nachfrage besteht. Die ganze Logistik, die dahinter steckt, muss sich erst einmal einspielen. Das geht nicht über Nacht“, zeigt Löwig Verständnis. Anders als die Selbsttests seien die Schnelltests schließlich schon seit Monaten auf dem Markt.

Auch wenn die Selbsttests für Jedermann sein sollen, wird bei dem ein oder anderen eine gewisse Beratung nötig sein. „Die Anweisungen sind im Grunde einfach, aber das ist wie mit Möbelbau-Anleitungen, die einen haben Spaß dran und die anderen lesen es nicht richtig durch“, meint Löwig und fügt lachend hinzu: „Aber ich habe es mit meinem Kind gemacht, das hat es zumindest gleich verstanden.“

Iris Janda

Verschiedene Testmöglichkeiten auf das Coronavirus im Überblick

PCR-Test

Als „Goldstandard“ bezeichnet das Gesundheitsministerium den PCR-Test. Es werden durch medizinisches Personal per Wattestäbchen Proben im Nasen- oder Rachen-Raum entnommen. Die Auswertung der Proben erfolgt im Labor. Die Ergebnisse liegen in der Regel nach ein bis zwei Tagen vor.

Antigen-Schnelltest

Der Schnelltest ist für Menschen ohne Symptome gedacht. Wie beim PCR-Test wird durch geschultes Personal, zum Beispiel in Apotheken oder Testzentren, ein Nasen- oder Rachenabstrich durchgeführt. Die Auswertung des Tests erfolgt direkt vor Ort und liegt nach zirka 30 Minuten vor. Seit 8. März haben Bürger Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche. Diese Möglichkeit des kostenlosen Schnelltests wird auch als „Bürgertest“ bezeichnet.

Selbsttest

Selbsttests sind zur Anwendung durch Privatpersonen bestimmt und können beispielsweise zu Hause durchgeführt werden. Dafür muss die Probenentnahme und -auswertung entsprechend einfach sein.

Schnell- und Selbsttests haben eine höhere Fehlerrate als der PCR-Tests. Daher soll nach jedem positiven Schnell- und Selbsttest immer ein PCR-Test zur Bestätigung gemacht werden.

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