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Landratsamt München arbeitet mit Hochdruck an der Versorgung der Geflüchteten

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Von: Iris Janda

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Traglufthalle auf einer Freifläche.
Bei der Flüchtlingswelle 2015 wurden im Landkreis München bereits mehrere Traglufthallen errichtet. Wie hier in Unterföhring. © LRA München

Wohnen, Arbeit, Kinderbetreuung – das Landratsamt sieht sich mit einer Vielzahl an Aufgaben zur Versorgung der Geflüchteten aus der Ukraine konfrontiert. Die ersten Großunterkünfte befinden sich im Aufbau und auch Aufenthaltsanträge können nun schneller abgearbeitet werden.

Knapp sieben Wochen nach Kriegsbeginn in der Ukraine sind gut 3800 Geflüchtete im Landkreis München angekommen. Etwa 800 davon sind in staatlichen Unterkünften, etwa angemieteten Hotels oder Pensionen, untergebracht, der Großteil wurde von Privatpersonen aufgenommen. „Das Ganze lebt von der Unterstützung und Hilfsbereitschaft der Bürger“, erklärt Martin Scholtysik, Leiter des Koordinierungsstabs Ukraine im Landratsamt bei einem Pressegespräch vergangene Woche.

Wer über den Verteilungsschlüssel von der Regierung Oberbayern an den Landkreis zugewiesen wird, kommt zur Erstaufnahme in die ehemalige BND-Kaserne an der Wasserburger Landstraße in Haar. Als Erstes werden die Ankommenden dort auf das Coronavirus getestet, um positive Fälle abzusondern. Anschließend werden die Daten der Geflüchteten aufgenommen und sie werden medizinisch untersucht.

In der Regel könnten die Personen danach noch am selben Tag in eine geeignete Unterkunft gebracht werden. Vor der Weiterreise erhalten sie unbürokratisch ein Hygienepaket, in dem sich Produkte wie Zahnbürsten, Deos, Dusch­gel und Damenhygieneprodukte befinden. Selbstverständlich werden die Geflüchteten sowohl bei der Erstaufnahme in Haar als auch in den Unterkünften mit Essen versorgt.

Großunterkünfte werden errichtet

Dass der Großteil im Landkreis privat untergebracht ist, sei bayernweit nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Im Freistaat sind seit Kriegsbeginn zirka 100.000 Menschen aus der Ukraine angekommen, nur etwa ein Drittel davon lebt in staatlichen Unterkünften. Eine Sorge teile das Landrats­amt München mit den anderen Behörden in Bayern: Die Frage, wie lange diese privaten Wohnverhältnisse halten. Das sei schwer einzuschätzen, weil die Verhältnisse je nach Unterbringung sehr unterschiedlich sein können. „Daher müssen wir diese Personen beim Aufbau unserer Unterkünfte mit einplanen“, betonte Scholtysik.

Das Landratsamt arbeite derzeit „mit Vollgas“ daran, im Landkreis Großunterkünfte in Containern und Traglufthallen aufzubauen. In Unterhaching und Unterschleißheim sei bereits mit dem Container-Aufbau begonnen worden. „Das ist nicht wie ein Zelt, das man im Garten aufstellt“, erklärt der Koordinationsstableiter die Dauer des Aufbaus. Der Untergrund müsse dafür hergerichtet und Strom- wie Wasserversorgung zunächst aufgebaut werden. Außerdem sei die Nachfrage nach Containern, Traglufthallen und dazugehörigen Materialien aktuell groß, da sie überall benötigt werden.

Etwa 3000 Plätze sollen in den kommenden Wochen in den Großunterkünften entstehen. Davon unter anderem 400 Plätze in einer Container­anlage beim Landschaftspark in Neubiberg, eine Traglufthalle mit 300 Schlafplätzen in Taufkirchen sowie die bereits im Aufbau befindliche Container­unterkunft mit Platz für 260 Menschen in Unterhaching. Außerdem prüfe das Landrats­amt derzeit die Errichtung weiterer Unterkünfte unter anderem in Kirchheim und Oberhaching.

Vorerst werden die Großunterkünfte dort aufgebaut, wo ausreichend Platz zur Verfügung steht. Auf lange Sicht werde angestrebt, die Anlagen gleichmäßig auf den Landkreis zu verteilen. Die Bürgermeister der Kommunen würden durch die Bank weg große Hilfsbereitschaft signalisieren, betont Scholtysik.

Mehr Termine verfügbar

Neben dem Wohnen ist eine weitere wichtige Säule die Arbeit. „Es gibt kein besseres Integrationsprogramm als Arbeit“, weiß Scholtysik. Daher habe das Landratsamt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mehr Kapazitäten für die Anträge auf Aufenthaltsrecht bereitstellen zu können. Sobald der Antrag gestellt ist, erhalten ukrainische Geflüchtete eine sogenannte Fiktionsbescheinigung mit der sie automatisch die Erlaubnis haben, in Deutschland zu arbeiten. Die Bescheinigung ist für sechs Monate gültig.

Mit Erhalt des elektronischen Aufenthaltstitels dürfen ukrainische Geflüchtete im Anschluss dann für zunächst zwei – mit Verlängerungsoption auf drei – Jahre in Deutschland leben und arbeiten. Dank personeller Umschichtungen in der Ausländerbehörde sowie der Amtshilfe durch fünf Polizisten der Bayerischen Polizei können in der Ausländerbehörde nun 900 statt bisher 200 Geflüchtete pro Woche vorsprechen, nachdem sie online einen Termin vereinbart haben.

Auch für die Betreuung der ukrainischen Kinder werde nach Lösungen gesucht. Etwa 500 Schüler seien bisher im Landkreis in Willkommensgruppen oder auch in den Regelklassen untergebracht. Interessant sei laut Scholtysik auch die Anfrage aus der Ukraine, die Kinder über Onlineunterricht auf ukrainisch zu beschulen. Das sei beispielsweise zur Weiterführung ukrainischer Schulziele oder für Stipendien wichtig. Ob dadurch die Schulpflicht, die ab drei Monaten nach Einreise beginnt, ersetzt wird, könne noch nicht gesagt werden. Das Landratsamt werde auf jeden Fall eine leistungsfähige Wlan-Struktur in den Unterkünften aufbauen, um dafür den nötigen Rahmen zu schaffen.

Bei der Kita-Betreuung seien 350 Einrichtungen angeschrieben und nach freien Räumen gefragt worden. „Der entscheidende Punkt wird sein, an Erziehungspersonal in ausreichender Form zu kommen“, so Scholtysik. „Wir glauben, dass es hier auch Potenzial bei den Geflüchteten selbst gibt. Auch das wollen wir nutzen.“

Iris Janda

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