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Die Flüchtlingszahl steigt mit jedem Tag

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Von: Verena Rudolf

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Mit Hochdruck arbeitet das Landratsamt München daran, für die geflüchteten Frauen und ihre Kinder adäquate Unterkünfte im  Landkreis zu schaffen.
Mit Hochdruck arbeitet das Landratsamt München daran, für die geflüchteten Frauen und ihre Kinder adäquate Unterkünfte im Landkreis zu schaffen. © Mykola Tys/dpa

Die Corona-Lage im Landkreis München ist weiter angespannt. „Die Infektionszahlen gehen durch die Decke“, sagt Landrat Christoph Göbel, der überdies vermutet, dass auch der neue Omikron-Subtyp längst im Landkreis angekommen sei. 

So unerfreulich die Infektionslage ist, so berichtet Landrat Christoph Göbel, dass die Verläufe bei geimpften Personen insgesamt eher milde seien. Nun stehen am 2. April bundesweit Lockerungen an, die Göbel indes nicht so sehr beunruhigen. Mit den wärmeren Temperaturen können sich hoffentlich wieder vieles nach draußen verlagern.

An Schulen und Kindertageseinrichtungen haben die Infektionen im Vergleich zur Vorwache allerdings sehr zugenommen. Waren es zuvor 1561 so gab es im Landkreis München (Stand 17. März) 2877 infizierte Kinder und Jugendliche. Keine Schule oder Kindertageseinrichtung ist jedoch ganz geschlossen, ein Ausbruchsgeschehen mit gravierender Häufung gibt es derzeit nur an einer Kita im Landkreis. Auch in Pflegeeinrichtungen sind die Infektionszahlen gestiegen, sowohl bei den Bewohner als auch bei den Mitarbeitern. 127 Bewohner waren am 16. März infiziert, in der Vorwoche waren es 85.

„Bei den Flüchtlingen, die bei uns ankommen und die bei uns erfasst sind, ist das Infektionsgeschehen aber vergleichsweise niedrig“, berichtet der Landrat. Bisher gab es nur vereinzelt positiv auf Corona getestete Flüchtlinge, die dann separat untergebracht werden. Die Impfquote bei der ukrainischen Bevölkerung sei jedoch sehr niedrig, man schätzt diese auf 30 Prozent. Um die Mütter und ihre Kinder sorgt sich der Landrat nicht so sehr. Sorgenvoll ist Göbels Blick eher auf die vielen älteren Menschen gerichtet, die ihre Heimat verlassen mussten und nun hier in Sammelunterkünften untergebracht sind. Bei dieser Generation sollte das Virus nicht fröhliche Urständ feiern.

So weist das Landratsamt ausdrücklich daraufhin, dass Geflüchtete bei jedem angebotenen Impftermin im Landkreis willkommen sind. Ob in den Impfzentren des Landkreis oder bei Sonderaktionen direkt in den Gemeinde. Ebenso schickt die Behörde auch mobile Teams, im besten Fall mit Dolmetschern, in die größeren Unterkünfte. Wegen der gesunkenen Nachfrage nach Impfungen, auch nach dem neuen Novavax-Impfstoff, werden die Öffnungszeiten der Landkreis-Impfzentren angepasst. Diese haben täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Um die täglich mehr werdenden, dem Landkreis zugeteilten Flüchtlinge unterbringen zu können, arbeiten die Mitarbeiter des Landratsamtes weiter mit Hochdruck. Leerstehende Hotels wie in Kirchheim werden bezogen. In Unterhaching wird die Kaserne an der Biberger Straße hergerichtet. Container-Anlagen sollen in Neubiberg auf der Landebahn im Landschaftspark errichtet werden. Ebenso werden Traglufthallen hochgezogen, zum Beispiel in Oberhaching und Taufkirchen. Ferner mietet die Behörde auch private Immobilien an wie Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften oder Einlieger-Wohnungen. Die Resonanz der Landkreis-Bürger, Flüchtlinge privat aufzunehmen, sei beeindruckend, so der Landrat. Aber in privaten Unterkünften, wo oft auf die Schnelle ein Zimmer freigeräumt wurde, können Geflüchtete nicht auf Dauer bleiben. Auch für diese zunächst so gut versorgten Flüchtlinge müsse für die kommenden Monate eine adäquate Unterkunft gefunden werden, auch im Hinblick auf die vielen Kinder, die aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen wurden. Und bei all den Bemühungen des Landratsamtes um die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine weist Göbel zudem daraufhin, dass sich das Landratsamt noch immer um Menschen kümmere, die in den Jahren 2015 und 2016 ebenso aus ihrer Heimat geflüchtet sind und im Landkreis untergebracht worden.

In mehrfacher Hinsicht stellen die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie eine Zusatzbelastung für die Mitarbeiter der Behörde da. Zumal die einrichtungsbezogene Impfpflicht nun greift. 130 Impfverweigerer, die im Gesundheitswesen tätig sind, wurden dem Landratsamt bisher gemeldet. Nun werden die Betroffenen angeschrieben, auf Betretungsverbote ihre Arbeitsstätte hingewiesen, Fristen für die Impfungen gesetzt und mit Bußgeld gedroht, berichtet Jörg Spennemann, Leiter des Geschäftsbereichs Gesundheit im Landratsamt. „Ein Freikaufen gibt es nicht“, so Spennemann. Die Prüfung aller Belange könne sich jedoch bis Juli hinziehen. „Ein großer bürokratischer und rechtlicher Rattenschwanz“, denn in jedem einzelnen Fall werde die konkrete Gefährdungslage am Arbeitsplatz geprüft.

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