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Spielerisch Lernrückstände abbauen

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Von: Iris Janda

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Auch ein ordentliches Federmäppchen ist wichtig für einen erfolgreichen Schultag. Lernpaten unterstützen Brunnthaler Grundschüler mit zusätzlichem Betreuungsbedarf.
Auch ein ordentliches Federmäppchen ist wichtig für einen erfolgreichen Schultag. Lernpaten unterstützen Brunnthaler Grundschüler mit zusätzlichem Betreuungsbedarf. © Sven Hoppe/dpa

Der Soziale Hilfsring Brunnthal hat gemeinsam mit der örtlichen Grundschule das Projekt der Lernpatenschaften ins Leben gerufen. Ehrenamtliche helfen Schülern dabei, Lernrückstände abzubauen. Auch Kinder aus der Ukraine profitieren von dem Angebot.

Zwei Jahre Corona-Pandemie und nun auch noch die zusätzliche Herausforderung durch die Aufnahme geflüchteter Kinder in den Klassen: die Belastung für Lehrkräfte und Schulleitungen ist enorm. Der seit Jahren bestehende Lehrermangel wurde durch die Pandemie zusätzlich verstärkt.

Aufgrund von monatelangem Distanzunterricht haben sich bei vielen Schülern Lernrückstände aufgebaut. Doch Angebote wie Förderstunden, in denen einzelne Kinder gezielt unterstützt wurden, können aufgrund des Lehrkräftemangels seit Pandemiebeginn nicht mehr angeboten werden.

Eine gemeinsame Initiative der Grundschule Brunn­thal-Hofolding, der Schulsozialarbeiter des Kreisjugendrings München-Land und der Nachbarschaftshilfe Sozialer Hilfsring Brunn­thal hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, diese Lernrückstände mithilfe von ehrenamtlichen Lernpatenschaften abzubauen. Nina Hammer, stellvertretende Vorsitzende des Sozialen Hilfsrings, weiß, dass die Hilfe dringend nötig ist. Lernrückstände seien bei vielen Schülern, unabhängig von sozialer Schicht und gesellschaftlicher Herkunft, bemerkbar. Wenn die Eltern beide Vollzeit berufstätig sind – was nicht selten im teuren Münchner Umland vorkommt –, sei es vielfach nicht möglich, die Wissenslücken durch gemeinsames Lernen zu Hause zu schließen. Hort und Mittagsbetreuung könne wiederum keine eins zu eins Betreuung leisten.

Anders ist es bei den Lernpaten, ehrenamtlichen Helfern des Hilfsrings, die sich einmal die Woche für eine Stunde mit ihrem „Patenkind“ in den Räumlichkeiten der Grundschule treffen. Anders als bei der klassischen Nachhilfe stehen dabei nicht die Noten oder das Erledigen der Hausaufgaben im Vordergrund. Schwerpunkte werden vorab mit Eltern und den zuständigen Lehrern abgestimmt, in der Stunde mit dem Lernpaten dreht sich dann sehr viel um die spielerische Vermittlung der Lerninhalte.

„Menschen lernen leichter, wenn sie Spaß haben“, betont Hammer. Den Lernpaten steht dazu eine Kiste mit unterschiedlichen Materialien zur Verfügung. Wenn ein Kind keinen Text vorlesen möchte, werde beispielsweise gemeinsam ein Spiel gespielt. „Da wird dann die Aufgabenvorstellung vorgelesen und so ganz nebenbei das Lesen geübt“, erklärt Hammer.

Das ist bedeutend, weiß auch Gabi Hennen: „Die wichtigste Grundkompetenz ist das flüssige Lesen.“ Das Lesen und Verstehen des Textes werde nämlich ebenso für andere Fächer benötigt, etwa um Sachaufgaben bearbeiten zu können. Hennen ist eine der Lernpatinnen. Sie betreut seit ein paar Wochen zwei Patenkinder, beides Jungen in der ersten und der dritten Klasse.

Neben Lesen, Rechnen und Schreiben legt Hennen auch auf andere Kompetenzen ein besonderes Augenmerk. „Ein großes Thema ist die nicht vorhandene Ordnungsliebe“, meint die Lernpatin lachend. Sie bringt den Kindern bei, dass ein ordentliches Federmäppchen im Unterricht wichtig ist. In Zeiten von Distanz­unterricht seien solche Elemente des Schulalltags den Kinder überhaupt nicht vermittelt worden.

„Das sind kleine Nebendinge, über die sich viele gar keine Gedanken machen“, sagt Hammer. Aus ihrer eigenen Erfahrung als Mutter dreier Schulkinder wisse sie, dass sich beispielsweise auch die Routine beim Schultasche packen bei den Grundschülern durch Lockdown und Wechselunterricht erst verspätet eingestellt habe.

Das Projekt der Lernpatenschaften wurde erst vor Kurzem ins Leben gerufen. Derzeit unterstützen die ehrenamtlichen Lernpaten in einem ersten Schritt zehn Schüler mit erhöhtem Förderbedarf. Das Engagement soll weiter ausgebaut werden. Wer Lernpate werden möchte, braucht keine besondere Ausbildung oder pädagogische Vorerfahrung. Die Helfer haben von einer Brunnthaler Lerntherapeutin eine vorbereitende Einführung für die spielerische Arbeit mit den Kindern erhalten. Zusätzlich werden die Ehrenamtlichen noch bei der Lernpaten­akademie in München fortgebildet.

Helferin Hennen war bei einer Telekommunikationsfirma im Personalbereich tätig und ist mittlerweile im Ruhestand. Sie wollte ihre freie Zeit sinnvoll einsetzen und hat sich deshalb bereits vor vier Jahren an die Grundschule gewandt und als Leseoma beworben. Durch die positive Erfahrung mit den Schülern war für sie klar, dass sie sich auch als Lernpatin engagieren möchte. „Ich bin ex­trem dankbar für diese Aufgabe. Kinder sind unser wertvollstes Gut!“

Für den Sozialen Hilfsring Brunnthal, der in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert, ist es daher auch selbstverständlich, die aus der Ukraine angekommenen Kinder so gut es geht zu unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf Kindern, die erst im Herbst eingeschult werden müssten. „Das größte Geschenk, dass wir ihnen machen können, ist ihnen bis dahin so viel Deutsch wie möglich beizubringen“, verdeutlicht Nina Hammer. Gerade befinde sich das Angebot noch in der Feinplanung, ein paar Kinder werden aber bereits betreut. Hennen kümmert sich um zwei ukrainische Mädchen und sieht schon erste Erfolge. „Heute hat mich eines der Mädchen mit ,guten Morgen‘ begrüßt“, erzählt sie freudig. Sie spielen derzeit viel Memory, um Begriffe zu lernen oder üben Zahlen mit Buchstabenwürfeln. „Mit spielerischem Lernen kann man so viel erreichen“, schwärmt Hammer.

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