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„Es ist eine einzige Bruchbude“

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Von: Iris Janda

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Auch bei strahlendem Sonnenschein wirkt die Eschenpassage wenig einladend. Wegen dem Modernisierungsstau und maroder Bausubstanz fordert das medizinische Fachpersonal aus dem Quartier den Bau eines Ärztehauses.
Auch bei strahlendem Sonnenschein wirkt die Eschenpassage wenig einladend. © ija

Das medizinische Fachpersonal aus Taufkirchen schlägt Alarm – aufgrund des maroden Zustands der Passagen westlich des Bahnhofs ist ein Arbeiten dort nicht mehr lange möglich. Sie fordern den Bau eines Ärztehauses. Als Standort schweben ihnen die Kegelfelder vor.

Veraltete Teppichböden, marode Gebäudeteile, ein Leck im Dach – die Zustände, die Ärzte aus den Passagen westlich des Bahnhof Taufkirchen schildern, sind erschreckend. „Es ist eine einzige Bruchbude“, stellt Dr. Oliver Groll in der jüngsten Taufkirchner Gemeinderatssitzung ernüchtert fest. Er betreibt die Praxis Groll & Rampp an der Eschenstraße und machte stellvertretend für seine Kollegen sowie weitere Gesundheitsdienste aus dem Quartier den Gemeinderat vergangene Woche auf die dramatische Lage aufmerksam.

Seit Jahren sei von Sanierung, Um- oder Neubau der Passagen die Rede. Der derzeitig Eigentümer, der Immobilienentwickler Rock Capital, habe in den vergangenen Jahren immer mit Hinweis auf eine baldige Sanierung oder einen Neubau Modernisierungsmaßnahmen aufgeschoben und auch Instandhaltungsarbeiten nur schleppend oder gar nicht durchgeführt. Patienten seien bereits verunglückt, verdeutlichte Groll. „Die Vorgaben der Gesundheitsämter sind nicht mehr lange umzusetzen“, machte der Mediziner die Dringlichkeit deutlich. Zusätzlich zur schlechten Bausubstanz würden auch einige der Mietverträge in den nächsten drei bis vier Jahren auslaufen. Ob diese wie versprochen verlängert werden, sei fraglich. Die fehlende Planungssicherheit und Zukunftsaussichten seien für die Betroffenen das schwierigste.

Wegen der Zustände drohe ein Abwandern von Ärzten, Apotheken, Physiotherapeuten und Co. Um das zu vermeiden haben diese sich zum „Gesundheitsnetz Taufkirchen“ zusammengeschlossen und einen Dringlichkeitsantrag an den Gemeinderat gestellt. Darin fordern sie die Errichtung eines Ärztehauses und liefern zugleich einen möglichen Standort.

Ihnen schweben die Kegelfelder vor, jene unbebaute, zirka zwölf Hektar große Fläche östlich des Bahnhofs, deren Bebauung schon in der Vergangenheit ein sensibles Thema war. Nach einem ersten Entwurf einer möglichen Bebauung würde das Ärztehaus am Friedensweg im nördlichen Randbereich der Fläche entstehen. Eine Straße mit einem Kreisverkehr könnte östlich des Gebäudes entstehen und zusätzlich den nördlichen Rand des Geländes erschließen. Für das Vorhaben gebe es bereits einen Investor, erklärte Groll. Dieser komme selbst aus dem medizinischen Umfeld und hätten im Umland bereits mehrere Ärztehäuser errichtet.

„Wir würden die Kegelfelder damit ankratzen, aber vielleicht auch sinnvoll“, gab Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) in der Sitzung zu bedenken. Er betonte aber auch, dass dort viele Aspekte berücksichtigt werden müssen, etwa die Erschließung und die Eigentümersituation. Mit den Grundstücksbesitzern hätten bereits vor der Sitzung Gespräche stattgefunden. Diese wären grundlegend mit dem Ärztehaus einverstanden, sofern drei bis vier Doppelhäuser im nördlichen Bereich des Areals ergänzend gebaut werden könnten. Der Nachteil an dem Vorschlag sei, dass die Fläche noch nicht überplant ist und sich die Umsetzung daher deutlich länger als an anderer Stelle dauern würde.

Das selbe gilt für einen weiteren Standort, den Gemeinderat Peter Hofbauer (Freie Wähler) ins Spiel brachte: den Oberweg. Dort gebe es noch immer Pläne für ein medizinisches Versorgungszentrum, wodurch Synergien entstehen könnten. Für die Kegelfelder schwebe ihm eher etwas parkähnliches vor. „Ich will keine Planungen mit solchen Schnellschüssen verbauen“, so Hofbauer. Der Oberweg sei aus seiner Sicht schlecht gelegen, meinte wiederum Hausarzt Groll. Der Großteil seiner Patienten sei sehr alt und komme aus den Hochhäusern bei den Passagen. Der Weg bis zum Oberweg wäre für sie nicht zu stemmen.

Rathauschef Sander plädierte dafür, die Entwicklung des Quartiers westlich des Bahnhofs abzuwarten: „Ich glaube, dort ist die Umsetzung deutlich schneller möglich.“ Das Areal zwischen Bahnhof, Lindenring, Eschenstraße und Waldstraße soll in den kommenden Jahren komplett umgestaltet werden. Über das Architektur-Grundkonzept für die städtebauliche Planung entschied der Gemeinderat ebenfalls vergangene Woche. Das Gebiet sei hinreichend erschlossen, auch gebe auf dem Gelände an der Mehlbeerenstraße eine freie Fläche, die vergleichsweise schnell bebaut werden könnte. Die Gemeinde sollte dazu mit den Eigentümern in Beratung treten, ob eine Umsetzung im Quartier am Bahnhof möglich ist. „Rock Capital könnten das Projekt am schnellsten realisierten“, erklärte Sander und meinte, dass der Eigentümer auch ein Interesse daran habe, die Ärzte dort zu halten.

Dem Gemeinderat war es vor allem wichtig, den medizinischen Fachkräften zu zeigen, dass sie das Problem und die Dringlichkeit erkannt haben. „Wenn hier die Ärzte weg sind, können wir alle gleich weg ziehen!“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzende Rosemarie Weber. Der Gemeinderat sprach sich daher einstimmig dafür aus, das Ansinnen zum Bau eines Ärztehauses grundlegend zu unterstützen. Neben dem Standort an den Kegelfeldern soll zusätzlich die Lage am Oberweg geprüft werden. Auch soll Rock Capital hinsichtlich des dringenden Bedarf der Ärzte zu einem Bau westlich des Bahnhofs befragt werden. In der Aprilsitzung sollen weitere Entscheidungen getroffen werden.

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