Solidarität gegen versteckte Armut

Corona-Hilfsfonds gestartet – auch im Würmtal nimmt Zahl der Hilfesuchenden zu

Wohlfahrtsverbände und Landkreis starten Corona-Notfond für Hilfsbedürftige.
+
Wohlfahrtsverbände und Landkreis starten Corona-Notfond für Hilfsbedürftige.

Auch im Landkreis München leiden immer mehr Menschen sowohl finanziell als auch psychisch unter der Corona-Krise. Deswegen haben Wohlfahrtsverbände und Landkreis nun einen Notfonds gestartet.

Landkreis München - Eine 70-jährige, die ihre Witwenrente seit Jahren mit einem Job in der Gastronomie aufbessert und seit dem Lockdown kaum noch genug Geld für Lebensmittel hat.

Eine 55-Jährige, die seit der Corona-Krise rund um die Uhr ihre Mutter pflegen muss und vollkommen isoliert lebt, weil sie nicht genug Geld für Handy oder Internetanschluss hat. Eine Familie, die wegen Kurzarbeit und Homeschooling mehr Zeit daheim verbringt, sich die Miete und gestiegenen Nebenkosten aber nicht mehr leisten kann.

Diese drei Geschichten – und viele vergleichbare – hat die Corona-Krise im Kreis München geschrieben. Es sind Geschichten, die den Nachbarschaftstreffs und Wohlfahrtsverbänden vor Ort zu Ohren gekommen sind, von Menschen, die in den vergangenen Monaten unverschuldet in Existenznot geraten sind.

Für all diese hat der Landkreis München jetzt zusammen mit den Sozialverbänden einen Corona-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Über den sollen Betroffene einfach Unterstützung erhalten.

„Wir haben viel versteckte Armut im Landkreis München“

„Wesentlich schneller, als über Novemberhilfen oder andere öffentliche Instrumente, die unglaublichen bürokratischen Hürden unterliegen“, verspricht Landrat Christoph Göbel.

Die Notwendigkeit ist groß, wie Andrea Betz von der Diakonie München und Oberbayern betont. „Täglich haben unsere Sozialarbeiter Kontakt mit Menschen, die enorme Zukunfts- und Existenzsorgen haben.“

Die Anschaffung von FFP2-Masken und Endgeräten fürs Homeschooling oder höhere Nebenkosten bringen diejenigen in Schwierigkeiten, die schon vorher am Rande der Belastung waren.

„Wir haben viel versteckte Armut im Landkreis München“, sagt Caritas-Kreisgeschäftsführer Matthias Hilzensauer. Durch die Pandemie werde diese nun sichtbarer. „Und je länger sie andauert, desto heftiger sind die sozialen und finanziellen Nöte“, sagt Betz von der Diakonie.

Erhöhter Beratungsbedarf bei der Würmtal-Insel

Dass sich die Lage verschärft, beobachtet auch Friederike Hopfmüller von der Würmtal-Insel. „Es ist ein schleichender Prozess.“ In der Einrichtung in Planegg werden in der Regel circa 950 Beratungsgespräche im Jahr geführt.

Zwar waren es 2020 weniger, weil viele dachten, dass auch die Würmtal-Insel geschlossen habe. „Aber jetzt merken wir eine Zunahme von Beratungsanfragen“, so Hopfmüller. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Notlagen, sondern auch um psychische.

„Etwa weil Lebensmittelausgaben oder Hilfsangebote für pflegende Angehörige nur eingeschränkt arbeiten können. Die Menschen, die auf diese Angebote angewiesen sind, belastet das psychisch stark.“

Höherer Zulauf bei Lebensmittelausgabe

Auch beim WürmtalTisch, der Lebensmittelausgabe des Diakonievereins in Gräfelfing, Planegg und Krailling, macht sich die Corona-Krise bemerkbar. „Die Kundenzahl ist an der maximalen oberen Grenze“, sagt Petra Schaber vom Organisationteam.

Zuletzt seien viele neue Bedürftige an den WürmtalTisch herangetreten, zum Beispiel weil sich durch die Pandemie ihre Arbeitsverhältnisse verschlechtert hätten. 

Hilfsfonds: Wie es läuft

Die Idee für den Corona-Fonds angestoßen hatten die Grünen im Kreistag. Anders als von der Fraktion gefordert, kann der Landkreis aber nicht selbst Gelder auszahlen.

Stattdessen werden ab sofort mit der Aktion „Gemeinsam stark“ Spenden von Unternehmen und Privatpersonen gesammelt, die von den Wohlfahrtsverbänden an Bedürftige ausgegeben werden.

Plakat der Aktion „Gemeinsam stark“.

Anfragen für eine sogenannte Einzelhilfeleistung können bei den Verbänden und den Nachbarschaftstreffs im Kreis gestellt werden. Dort prüfen Mitarbeiter die Bedürftigkeit und beraten die Antragsteller.

„Wir wollen und können nämlich nichts finanzieren, wofür es schon andere Finanztöpfe gibt“, erklärt Andrea Betz von der Diakonie. Eine Obergrenze für die Hilfen habe man bisher nicht vereinbart, ab 500 Euro werde der Antrag aber intensiver geprüft.

Alle Infos zum Angebot und wie man spenden kann, ist zusammengefasst auf www.landkreis-muenchen.de/coronanothilfe.

Romy Ebert-Adeikis

Auch interessant

Kommentare