Mausert sich Gauting zum Modell?

Gauting bewirbt sich für Corona-Pilotprojekt – so will die Gemeinde den Zuschlag dafür erhalten 

Harald Ruhbaum, Vorsitzender des Gewerbevereins Gauting, ließ sich als Erster von Dr. Stefan Heindl im neuen Schnelltestzentrum in der alten Pizzeria am Bahnhof testen.
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Harald Ruhbaum, Vorsitzender des Gewerbevereins Gauting, ließ sich als Erster von Dr. Stefan Heindl im neuen Schnelltestzentrum in der alten Pizzeria am Bahnhof testen.

Die Gemeinde Gauting hat sich für ein Pilotprojekt zur Corona-Teststrategie beworben. Wie sich die Gemeinde gegen Corona rüstet und wie sie den Zuschlag erhalten will.

Gauting - Es wäre ein Coup für das Würmtal: Die Gemeinde Gauting hofft, als Standort für ein Corona-Pilotprojekt ausgewählt zu werden.

Seit gut einem Monat liegt die entsprechende Bewerbung beim Bayerischen Gesundheitsministerium. Das sucht acht Modellorte in Bayern, die Alternativen zum strengen Corona-Lockdown austesten sollen. Wie im baden-württembergischen Tübingen könnten dort Geschäfte, Schulen oder Außengastronomie geöffnet bleiben, die Nutzer aber regelmäßig und umfassend getestet werden.

„Das Interesse geht jedoch deutlich über diesen definierten Teilnehmerkreis hinaus, sodass bis zum 12. April knapp 100 Gebietskörperschaften ihr Interesse am Projekt bekundet haben“, so ein Ministeriumssprecher auf Hallo-Anfrage.

Ursprünglich hätte zu dem Stichtag bekannt gemacht werden sollen, ob – und wenn ja wann und wo – das Pilotprojekt startet. Doch dieser Termin wurde vom Ministerrat um zwei Wochen verschoben.

Schnellteststation am Gautinger Bahnhof

Zeit, die Gauting durchaus entgegenkam. „Gauting bereitet sich vor“, so Gemeinde-Sprecherin Charlotte Rieboldt gegenüber Hallo. So ist seit Montag in der alten Pizzeria am Gautinger Bahnhof eine Schnellteststation eingerichtet. Sie ist an fünf Tagen die Woche je zwei Stunden geöffnet, pro Stunde können zwölf kostenlose Corona-Tests durchgeführt werden.

„Der Inzidenzwert kann mit ausreichend Schnelltests gesenkt werden“, hofft Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU). Nachdem viele Ladengeschäfte derzeit nur mit negativem Testergebnis betreten werden dürfen, sieht Kössinger auch darin einen großen Mehrwert der Station. „Damit wird die Situation für Gautinger Gewerbetreibende erleichtert.“

Weiteres Testzentrum im Gautinger Rathausgarten

Keine 500 Meter weiter soll zeitnah ein weiteres Testzentrum etablieren werden – und zwar im Gautinger Rathausgarten. Für die Schnelltest-Station dort wäre dann der Landkreis zuständig. Auch eine Gautinger Apotheke bietet Tests an.

Klar ist: Ohne große Test-Infrastruktur gibt es keine Chance auf den Zuschlag. „Aber aktuell ist sowieso unsicher, ob die Modellregionen kommen“, so Bürgermeisterin Kössinger.

Auch aus dem Ministerium kommen zurückhaltende Töne – etwa im Hinblick auf die bundesweiten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes. Dessen Inhalte seien für weitere Erwägungen zum Pilotprojekt „maßgeblich“, so ein Sprecher.

Auch München hatte zunächst eine Bewerbung für das Pilotprojekt abgegeben. Ausgewählt werden aber nur Orte mit bis zu 100 000 Einwohnern.

Zwei weitere neue Schnelltest-Stationen im Würmtal

Auch in den anderen Würmtal-Gemeinden gibt es neue Test-Angebote: Seit dieser Woche betreiben die Malteser eine Schnellteststation in der Gräfelfinger Bahnhofstraße. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig, es muss lediglich der Personalausweis mitgebracht werden.

Geöffnet ist die Station montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Zudem gibt es eine mobile Teststation für das Würmtal. Betreiber ist der Planegger Marcus Gebhard, der normalerweise Großveranstaltungen organisiert. Jetzt hat er zwei Anhänger, einen Bus und ein Wohnmobil zu fahrbaren Schnelltestzentren (Foto: rea) umgerüstet, die auch in Gräfelfing, Krailling und Germering Halt machen sollen. „Noch suchen wir nach Stellplätzen und Helfern“, so der Initiator.

Mobile Teststation für das Würmtal.

Unter www.corona-testcenter.net können Stehzeiten und Standorte eingesehen sowie Termine angemeldet werden. Weitere Infos unter Telefon 27 19 438.

rea/cewe

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