Angst um historisches Gebäude

Villa am Krapfberg: Gemeinde erlaubt auch Abriss-Investoren - Gibt es noch Hoffnung?

In Sichtweite zum Gautinger Rathaus steht die Krapfberg-Villa, die abgerissen werden könnte.
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In Sichtweite zum Gautinger Rathaus steht die Krapfberg-Villa, die abgerissen werden könnte.

Bangen um die Villa am Krapfberg: Die Gemeinde entschied nun, dass sich auch Investoren bewerben können, die einen Abriss und Neubau anstreben. Wie es jetzt weitergeht.

Update: 5. Mai 2021:

Gauting - Eine sichere Rettung ist gescheitert. Doch noch besteht Hoffnung für die alte Villa am Gautinger Krapfberg 5.

Um einen Abriss zu verhindern, wollten die Grünen gemeinsam mit der SPD im Gautinger Gemeinderat einen Antrag durchbringen, demzufolge sich für das Gebäude zunächst nur Investoren bewerben hätten können, die es sanieren wollen. Interessenten hatte die SPD mit einer Flyeraktion bereits gefunden.

Doch der Antrag der Grünen wurde abgelehnt. „Nun hat der Gemeinderat beschlossen, dass alle Interessenten Angebote abgeben können, egal ob sie sanieren oder abreißen und neubauen wollen“, sagt Eberhard Brucker (SPD). Der Antrag war von der CSU-Fraktion eingereicht worden. Mit 23 zu acht Stimmen erhielt er eine große Mehrheit.

Investoren müssen jetzt nicht nur ihre Pläne mit der Villa darlegen, sondern auch, ob sie das der Gemeinde gehörende Anwesen kaufen oder in Erbpacht übernehmen wollen.

Bis die ersten Vorschläge bei der Gemeinde eintrudeln, wird es allerdings noch ein bis zwei Monate dauern. Die Gemeinde muss das Prozedere erst ausarbeiten. Außerdem sollten die Interessenten die Villa besichtigen können. Dazu muss zunächst der noch darin lagernde Hausrat entfernt werden.

„Bislang ist noch alles offen“, sagt Gemeinderat Eberhard Brucker. Er möchte die 110 Jahre alte Villa erhalten. „Wir hoffen noch auf einen Retter. Heutzutage wird von den Architekten meist nur ein kubistischer Einheitsstil gepflegt. Das alte Gebäude dagegen ist fantasievoll gebaut und eine Bereicherung fürs Ortsbild.“

Erstmeldung vom 2. April 2021:

Gauting - Bis vor ein paar Jahren ist die Villa am Krapfberg 5 das Zuhause der Gautinger Tafel gewesen. Unter anderem für deren Neubau hatte der Gemeinderat 2015 beschlossen, das dringend sanierungsbedürftige Gebäude zu veräußern. Sechs Jahre später schlägt das Vorhaben jetzt große Wellen.

Denn im Januar hat der Gemeinderat mehrheitlich einen Vorbescheid für das Grundstück gebilligt. Anstelle der Villa aus dem Jahr 1911 könnte damit ein Neubau mit bis zu neun Metern Wandhöhe und mehreren Tiefgaragen entstehen.

Im Hinblick darauf forderten unter anderem Kreisheimatpfleger Gerhard Schober und mehrere Ex-Bürgermeister den Erhalt des Gebäudes – zumal mit dem Wunderl-Hof (siehe unten) einem weiteren geschichtsträchtigen Haus im Zentrum der Abriss droht.

Per Flugblatt gefunden: Interessenten für Sanierung

Gemeinderat Eberhard Brucker (SPD) ging noch einen Schritt weiter: Er suchte per Flugblatt nach „Liebhabern“, die „dieser charmanten, historischen Villa im Zentrum Gautings“ neuen Glanz verleihen. Anscheinend mit Erfolg, wie Hallo auf Anfrage erfuhr:

„Es sind sechs Interessenten auf mich zugekommen“, so Brucker, der das als positives Signal wertet. „Ich habe ihnen empfohlen, ihr Interesse schriftlich bei der Bürgermeisterin anzumelden.“

So oder so liegen die weiteren Planungen derzeit auf Eis, teilt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) mit. Bevor es weitergeht, soll sich der gesamte Gemeinderat erst mal ein eigenes Bild der Villa machen – das hat der Bauausschuss jüngst beschlossen.

„Eine Besichtigung am Krapfberg ist bereits vorgesehen“, so Kössinger. Wann genau, wolle man aber nicht bekanntgeben. Das Ergebnis aus dem Treffen werde aber „die Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung“ des Grundstückes darstellen.

So steht’s um den Wunderl-Hof

Noch für ein weiteres historisches Gebäude in Gauting stehen die Zeichen auf Abriss: beim Wunderl-Hof an der Starnberger Straße. Schon seit 2019 ist bekannt, dass der alte Bauernhof im Ortskern weichen muss . Aktuell wartet die Gemeinde auf die bodendenkmalschutzrechtliche Erlaubnis.

„Anschließend können wir je nach dem Ergebnis entweder mit den Bodendenkmaluntersuchungen beginnen oder die Abrissarbeiten vergeben“, so die Bürgermeisterin. Was genau mit dem Grundstück passiert, ist vom Gemeinderat noch nicht entschieden. Zuvor müssten noch Gespräche mit den anliegenden Eigentümern geführt werden.

Romy Ebert-Adeikis/hil

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