1. tz
  2. München
  3. Region
  4. Hallo München

Welche Personen hinter Planeggs Straßennamen stecken – HS-Dozent klärt in Hallo auf

Erstellt:

Kommentare

Biographien bedeutender Personen sind das Hobby von Ulrich Spies. In Planeggs Straßen finden sich davon viele, etwa Bertha von Suttner, die 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt.
Biographien bedeutender Personen sind das Hobby von Ulrich Spies. In Planeggs Straßen finden sich davon viele, etwa Bertha von Suttner, die 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt. © kko

Meist sind es berühmte Personen, die hinter unseren Straßennamen stecken. Ulrich Spies beschäftigt sich mit den Namensgebern von Planegger Straßen. Hallo hat mit ihm gesprochen.

Planegg - Liesl Karlstadt, Robert Koch, Johannes Kepler: 59 der insgesamt 110 benannten Straßen in Planegg sind berühmten Wissenschaftlern, Künstlern oder lokalen Persönlichkeiten gewidmet.

Plaketten unter vielen Straßenschildern geben darüber Auskunft. Für Ulrich Spies eine „besondere Freude“: Der 67-jährige Pasinger erforscht als Hobby die Biographien bedeutender Personen.

Sein Wissen über die Namensgeber von Planegger Straßen will Spies am Montag, 14. Juni, bei einem Kurs der Volkshochschule Würmtal weitergeben – und in Auszügen exklusiv in Hallo (siehe unten).

„Zu wissen, wo man wohnt, in welcher Straße, hat etwas mit Identität zu tun“, erklärt der Sozialpädagoge und Bestattungsfachwirt, wo sein Interesse herrührt. „Sonst könnte man Straßen auch einfach nur durchnummerieren.“

Von der Nummerierung zu den Straßennamen

Das Nummerieren aller Häuser, unabhängig von deren Straßenzugehörigkeit, war in Planegg in der Tat bis in die 20er-Jahre der Fall. „Tatsächlich gab es auch schon vorher Straßennamen“, weiß Barbara Reinicke, Leiterin des Gemeindearchivs. Diese fanden bei der Nummerierung aber keine Berücksichtigung. Mit jedem neuen Ortsteil wurde die Orientierung jedoch immer schwieriger.

Der Planegger Gemeinderat beschloss daher am 1. April 1924 eine Neueinteilung. Hausnummern wurden dann für jede Straße einzeln vergeben – auf der einen Seite mit geraden, auf der anderen Seite mit ungeraden Ziffern.

In Martinsried wurden Straßennamen sogar erst in den 50ern eingeführt. In dem Ortsteil sind besonders viele Straßen Wissenschaftlern gewidmet – schließlich wuchs er mit seinem Biotechnologie-Campus.

Der Kurs „Von Albert Schweitzer bis Lena Christ – Straßennamen in Planegg“ findet am Montag, 14. Juni, um 19.45 Uhr in der Volkshochschule Planegg, Am Marktplatz 10a, statt. Die Teilnahme kostet elf Euro. Anmeldung im Internet unter www.vhs-wuermtal-de.

Ein Unglück führt zur Wissenschaft

Viele Firmen und Forschungseinrichtungen gibt es in der Fraunhoferstraße in Martinsried. Benannt ist die Straße ebenfalls nach einem Forscher: Joseph von Fraunhofer. Dessen Lebensgeschichte ist eine der liebsten von Ulrich Spies: Geboren 1878 in Straubing wird Fraunhofer für seine Lehre zum Spiegelschleifer nach München geschickt.

Dort überlebt er 1801 den Einsturz seines Lehrhauses. Kurfürst Maximilian IV., später König von Bayern, war Zeuge der Rettung des Jungen und schenkte ihm 18 Dukaten. „Glück im Unglück“, so der VHS-Dozent.

Denn von dem Geld leistete sich Fraunhofer Glasschneidewerkzeuge und Literatur, mit denen er zu einem der bedeutendsten deutschen Optiker wurde. „Mit einem seiner Fernrohre wurde 1846 der Planet Neptun entdeckt.“

Die Frauenhoferstraße in Martinsried wurde nach Joseph von Frauenhofer benannt, der einer der bedeutendsten deutschen Optiker war.
Die Frauenhoferstraße in Martinsried wurde nach Joseph von Frauenhofer benannt, der einer der bedeutendsten deutschen Optiker war. © kko

Semmelweisstraße

Wissenschaft steht auch in der Semmelweisstraße im Mittelpunkt. Nicht nur, weil dort heute Pharmaziefirmen angesiedelt sind. Sondern auch, weil sie nach Ignaz Semmelweis benannt ist.

Der 1818 geborene ungarische Arzt setzte das regelmäßige Händewaschen in Kliniken durch und sorgte so unter anderem dafür, dass merklich weniger Frauen am Kindbettfieber starben. „Ein Pionier der Infektiologie“, sagt Spies.

Lena-Christ-Straße

Viele Straßen in Bayern sind nach Lena Christ benannt – so auch in Martinsried. Die bayerische Schriftstellerin wurde 1881 in Glonn geboren. „Als uneheliches Kind einer Köchin hatte sie es vom Beginn ihres Lebens an schwer“, erzählt Spies.

In ihren „Erinnerungen einer Überflüssigen“ verarbeitete sie körperliche und seelische Misshandlungen, die ihr Mutter und erster Ehemann zugefügt hatten. 

Die Bahnhofstraßen des Würmtals

Sowohl in Planegg, Gräfelfing als auch in Gauting ist das Zentrum des Ortes die Bahnhofstraße. Der Grund: Bereits 1854 wurde die Bahnlinie Starnberg-Pasing erschlossen.

„Damit wurde Planegg mit seinen Biergärten eines der beliebtesten Ausflugsziele für Münchner, die der Stadt entfliehen wollten“, erklärt Spies. Gleichzeitig war die Strecke im 19. Jahrhundert eine wichtige Verbindung für Güterverkehr und Reisen in den Süden.

Im Zentrum von Planegg ist die Bahnhofstraße.
Im Zentrum von Planegg ist die Bahnhofstraße. © rea

Auch interessant

Kommentare