Gemeinde sperrt Ehrenamtliche aus

Gautinger Repair Café plötzlich ohne Räumlichkeiten – schmeißen die Betreiber jetzt hin?

 Unser Archivbild zeigt Horst Breitenfelder (re.) und den – inzwischen verstorbenen – Maz Grimm beim Werkeln.
+
Bis zu 70 Reparaturen wurden an einem normalen Samstag des Repair Cafés erledigt. Unser Archivbild zeigt Horst Breitenfelder (re.) und den – inzwischen verstorbenen – Maz Grimm beim Werkeln.

Das Gautinger Repair Café steht plötzlich ohne Räumlichkeiten da. Die Gemeinde hat am Bahnhof ein Testzentrum eingerichtet. Bei den Betreibern des Cafés stoßt das auf Kritik.

Die jüngsten Lockdown-Lockerungen hätten es möglich gemacht: Nach über sechs Monaten sollte das Gautinger Repair Café – bei dem Elektrogeräte, Textilien oder Fahrräder wieder fit gemacht werden – am 15. Mai endlich wieder öffnen. Doch auf die Ankündigung folgte der Schock. Die Betreiber dürfen dafür nicht mehr die alte Pizzeria am Bahnhof, wo das Café seit 2014 untergebracht war, nutzen. Der Grund: Seit April ist dort ein Corona-Schnelltestzentrum eingerichtet. Eine Mehrfachnutzung sei der Gemeinde zufolge nicht möglich. „Wir sehen es als ein Zeichen der Geringschätzung, dass man uns nicht mal darüber informiert hat, welche Folgen das Testzentrum für uns hat“, ärgert sich Café-Initiatorin Christiane Lüst.

Christiane Lüst hat das Repair-Café initiiert.

Von jetzt auf gleich sei das Projekt außerdem nicht nur ohne Räume dagestanden. „Wir kommen aktuell nicht mal an unser Werkzeug und Material, das noch im Bahnhof gelagert ist. Das Schloss wurde ohne unser Wissen ausgetauscht“, so Mitstreiter Karl Heinz Jobst. Lüst weiter: „Wir hätten nicht wenig Lust, alles hinzuschmeißen, weil unsere ehrenamtliche Arbeit von der Gemeinde Gauting anscheinend nicht gewürdigt wird.“

Repair-Café in Gauting: Betreiber überlegen hinzuschmeißen

Den Vorwurf lässt die Gemeinde nicht gelten – schließlich habe das Café die Räume viele Jahre unentgeldlich nutzen dürfen. Wegen Corona habe man im November aber keinen weiteren Nutzungsvertrag vereinbaren können, „da die Entwicklung der Lage in keiner Weise abzusehen war. Bislang hat sich leider an dieser Situation sehr wenig geändert“, teilt Sprecherin Charlotte Rieboldt mit.

Wenn die Pandemie es zulassen sollte, sei eine neue Nutzungsgenehmigung aber möglich – und damit die Übergabe der neuen Schlüssel, so Rieboldt. Der Austausch sei jedoch nötig gewesen: „Offensichtlich wurden Schlüssel auch an Dritte weitergeben, die die Räumlichkeiten ohne unser Wissen nutzten“, sagt die Sprecherin.

Als Alternative hat die Gemeinde den Betreibern Räume im Bürgerzentrum Stockdorf angeboten. „Dort gibt es aber kein Lager“, erklärt Jobst. Darum hoffen er und Lüst jetzt auf Hilfe. „Gesucht wird eine leerstehende, heizbare Immobilie mit großem Raum, kleinem Lager, sanitärer Anlage und eventuell kleiner Küche. Und wenn möglich ohne Raummiete.“ Denn die Gautinger würden ihr Café vermissen. „Bei uns rufen täglich Leute an, die eine Reparatur brauchen“, berichtet Lüst.

Offene Werkstatt bald Obdach bei Würmtal-Insel?

Drei Jahre lang hat das Offene-Werkstatt-Projekt „machBar im Würmtal“ nach einem Zuhause gesucht. Jetzt ist eine Lösung in Sicht. Zwar hat sich die zuletzt geplante Anmietung an der Planegger Bahnhofstraße zerschlagen, so Vorstandsmitglied Lotar Krahmer. Aktuell verhandelt der Verein aber über vier Räume im Untergeschoss der Würmtal-Insel, die laut Krahmer „gut geeignet und bezahlbar“ sind.

Ziel sei es, dort den Vereinssitz sowie Arbeitsplätze für Elektronik, 3D-Druck und Keramik mit einem Brennofen einzurichten. „Kurse werden wir teilweise weiterhin bei externen Partnern veranstalten, weil es dafür zu eng sein wird“, so Krahmer. Noch sind nicht alle Renovierungsarbeiten abgeschlossen und technischen Fragen geklärt. Man sei aber zuversichtlich, in wenigen Wochen den Mietvertrag unterschreiben zu können.

Auch interessant

Kommentare