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Streit wegen Straßennamen in Stockdorf: Anwohner wollen sich mit Klagen wehren

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Klaus Peter Follak (v.l.), Gertraud Mayr und Karl Ludwig Müller wollen die Umbenennungen verhindern.
Werben in der Nachbarschaft für Unterstützung: Klaus Peter Follak (v.l.), Gertraud Mayr und Karl Ludwig Müller wollen die Umbenennungen verhindern. © rea

Bereits vor acht Jahren wollte die Gemeinde Gauting einige Straßen umbenennen. Jetzt ist dieses Thema wieder brandaktuell. Anwohner wollen sich erneut dagegen wehren.

Würmtal - Schon 2013 plante die Gemeinde Gauting eine Umbenennung der Max-Dingler- und Zugspitzstraße. Damals wehrten sich Anwohner wie Getraud Mayr mit Schreiben an die Gemeinde und Unterschriftenlisten gegen die Pläne.

Am Ende verliefen sie im Sand. Seit einem entsprechendem Gemeinderatsbeschluss im Juni sind die Überlegungen wieder aktuell – und die Anlieger besorgter denn je.

Einige Stockdorfer wollen gegen neue Straßennamen klagen

„Von Seiten der Gemeinde ist die Stimmung jetzt aggressiver. Dieses Mal steht der ganze Gemeinderat dahinter“, sagt Mayr, die jetzt bei ihren Nachbarn wieder um Unterstützung geworben hat. „90 Prozent der Anwohner der Max-Dingler-Straße haben vor acht Jahren für den Verbleib des Namens unterschrieben. So ist es auch dieses Mal“, berichtet die 79-Jährige. Und: Einige seien sogar bereit, zu klagen.

Die Gründe für die Umbenennung sind verschieden. Die Zugspitzstraße gibt es in Gauting wie in Stockdorf. „Die Umbenennung ist eine Bitte der Rettungskräfte. Es gab schon den Fall, dass externe Kräfte falsch gefahren sind“, erklärte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) in der Bürgerversammlung.

Bürgerschreiben ist bei Anwohnern nicht angekommen

Bei der Max-Dingler-Straße geht es hingegen um die NS-Gesinnung des Mundartforschers. Wie bei der Parallelstraße, die nach der Dichterin Ina Seidel benannt ist und demnächst Marieluise-Fleißer-Straße heißen soll.

Dem Ort stehe es nicht gut an, „Personen mit einem Straßennamen zu ehren, die durch ihr literarisches Werk diesen Unrechtsstaat verherrlicht haben“, heißt es in der Begründung der Referentin für Ortsgeschichte, Carola Wenzel.

Das Kuriose: Deren Schreiben – samt Aufforderung bis Anfang November eine Stellungnahme zu den Umbenennung abzugeben – haben viele Anwohner gar nicht erhalten. „Alle Betroffenen werden das Schreiben noch bekommen, aber wir müssen erst feststellen, wen es betrifft“, versprach Kössinger in der Bürgerversammlung.

Auf Nachfrage erklärt die Gemeinde allerdings, das dies bis jetzt nicht geklärt sei. Betroffene würden aber noch einen Brief bekommen und dann vier Wochen Zeit für Einwendungen haben. Erst dann würden alle Bürgerschreiben ausgewertet werden, so die Gemeinde.

Erklärungsschilder statt Umbenennungen

Trotzdem haben viele Nachbarn Einwendungen eingereicht. „Ich verstehe nicht, wie man die Sensibilität für die Geschichte schärfen will, indem man Namen einfach auslöscht“, sagt Karl Ludwig Müller aus der Max-Dingler-Straße, die bald nach Oskar Maria Graf benannt werden soll.

Er und seine Nachbarn plädieren stattdessen für ein Erklärungsschild, dass am Straßennamen angebracht wird. So hat es kürzlich auch Starnberg für seinen Ina-Seidel-Weg beschlossen.

Bei solchen Optionen sei eine Umbenennung „schlicht unverhältnismäßig“, findet Klaus Peter Follak aus der Ina-Seidel-Straße. Neben dem bürokratischen Aufwand müsste der Wirtschaftsjurist alle Visitenkarten und Geschäftsadressen ändern lassen. Allein für die Ummeldung seines Eintrags im Handelsregister rechnet er mit Kosten von über 500 Euro.

Die Gemeinde wolle nur die Gebühren übernehmen, die sie bei einer Adressänderung selbst erheben würde. „Das Risiko einer Klage ist da geringer“, sagt Follak. Darum erwäge er ernsthaft rechtliche Schritte.

Wie auch die Familie von Autor Werner Siegert aus der Zugspitzstraße. „Vielen unserer Kontakte müssten wir Postkarten mit der neuen Adresse schicken. Nicht alle sind digital“, erzählt die 84-jährige Gerda Siegert. Sie wollen nun in ihrer Straße Mitkläger suchen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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