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Naturbad-Projekt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wieder aufgenommen

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Von: Iris Janda

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Frauen sitzen im Bikini auf einem Steg mit dem Rücken zur Kamera während ein Mann im Wasser schwimmt.
Nach zehn Jahren der Planung soll noch in diesem Jahr eine Entscheidung in Höhenkirchen zum Naturbad fallen. © Daniel Karmann/dpa

Ein Naturbad in Höhenkirchen-Siegertsbrunn – nach vielen Jahren des Planens soll nach pandemiebedingter Verzögerung in diesem Jahr eine Entscheidung zum Projekt fallen.

Seit zehn Jahren schon setzt sich der Verein Naturbad Höhenkirchen-Siegertsbrunn dafür ein, dass in der Gemeinde ein Naturbad gebaut wird. Pandemiebedingt geriet der Prozess die vergangenen zwei Jahre zum Stillstand, jetzt sei es „höchste Zeit“, dass das Projekt wieder aufgenommen wird, wie Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) in der Februarsitzung des Gemeindesrates betonte.

Das liege auch daran, dass bald entschieden werden soll, wie sich der Sportpark weiter entwickeln soll. Das Naturbad soll nach derzeitigen Plänen auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube am Hirschwinkel entstehen. Der Tagesordnungspunkt galt allerdings lediglich zur Information über den aktuellen Stand, eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen.

Die lange Zeit der Planungen habe auch Vorteile gebracht, erklärte Vereinsvorstand Jochen Karl dem Gremium. So könnte nun dank des technischen Fortschritts mithilfe von Photovoltaik-Anlagen und Erdwärme in ökologisches und nachhaltiges Bad errichtet werden, das keine Energie von externen Quellen benötigt. „Wir möchten das Maximale für Mensch, Natur und Umwelt rausholen“, betonte Karl. Untersuchungen zur Flora und Fauna sind bereits 2017 erfolgt und ergeben, dass auf dem Gelände keine streng geschützten Reptilien- oder Amphibienarten leben.

Die aktuellen Pläne umfassen nur einen kleinen Teil des Gesamtgeländes. Das Naturbad soll auf reiner Grasfläche entstehen, sodass kein Eingriff in die umliegenden Baumreihen erfolgt. Das Wasser werde einmal pro Tag komplett umgewälzt. Zum Filtern sollen keine Chemikalien, sondern spezielle Wasserpflanzen zum Einsatz kommen, die zirka 30 Prozent der Wasserfläche ausmachen.

Auch gebe es laut Karl keine Anzeichen auf mögliche schädliche Auswirkungen der Altlasten. Ein Gutachten aus dem Jahr 2019 ergab keine Gefährdung hinsichtlich der Nutzung als Liegeflächen. Auf diesen könnte außerdem zusätzlich eine Folie eingezogen werden, erklärte Karl. Ob mögliche Eintragungen in das Grundwasser erfolgen können, wurde 2020 zusätzlich geotechnisch untersucht. Das Wasserwirtschaftsamt München teilte bereits 2015 mit, dass die Errichtung eines Naturbades aus wasserwirtschaftlicher Sicht grundsätzlich denkbar erscheint.

Das Naturbad auf der Fläche der ehemaligen Kiesgrube zu errichten, sehe Karl als großen Vorteil: „Wir können so die Fläche am Hirschwinkel maximal aufwerten, nachdem wir sie jahrelang als Kiesgrube ausgebeutet haben.“ So würde das Grundstück durch die Abdichtung der Oberfläche mit dem Becken und Schutzfolien sogar zusätzlich versiegelt und damit weitere Eintragungen vermieden werden.

Dem Verein schwebt ein Bad für Jung und Alt vor, eine „Kommunikationsinsel“, an der sich die Gemeindebürger treffen. Über eine Rampe könnten beispielsweise auch Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, damit in das Becken fahren. Darüber hinaus könne dort auch der Schwimmunterricht der Grundschulen stattfinden. „Das Schulschwimmen ist uns ganz wichtig“, betonte Karl in der Sitzung.

Nach derzeitigem Stand soll das Projekt 2,29 Millionen Euro kosten. Finanzieren möchte das der Verein über Spendengelder, Sponsoring, Kredite und Eigenleistungen. An Spenden seien bereits 610.000 Euro über die Jahre zusammengekommen. Wenn die Gemeinde erst ihre Zustimmung gebe und die Realisierung des Naturbads in Aussicht stehe, könne wieder intensiver um Spenden geworben werden. Nach zehn Jahren des Planens pocht der Verein nun auf eine Entscheidung in diesem Jahr. „Wenn ein Nein kommt, ist die Sache für uns gestorben“, verdeutlichte der Vereinsvorstand.

Auch im Gremium war deutlich zu vernehmen, dass eine zeitnahe Entscheidung gewünscht wird. Zuvor sah der Beschlussvorschlag der Verwaltung aber vor, dass sich die Arbeitsgruppe von einst erneut zusammensetzt. „Ich plädiere dafür, dass wir da jetzt Dampf machen“, stellt Manfred Eberhard (UB) klar. „Wenn es schon nicht Markt Höhenkirchen heißt, dann vielleicht ja bald Bad Höhenkirchen“, geriet er ins Schwärmen. „Es wird kein Dauerarbeitskreis“, betonte Rathauschefin Konwitschny. Im März oder April sollen dem Arbeitskreis die Pläne vorgelegt werden.

CSU-Fraktionschef Roland Spingler hielt ist für wenig sinnvoll, den Arbeitskreis wiederzubeleben. Die wichtigsten Fragen wie etwa das Grundstück seien bereits geklärt worden. Wichtiger wären nun juristische Belange. Ihm folgend stimmten auch vier Mitglieder seiner Fraktion dagegen, dass der Arbeitskreis sich erneut mit Vertretern des Naturbads zusammensetzen soll.

Iris Janda

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