Die Tradition hält wieder Einzug

Neubau des Oberhachinger Festl-Wirts  

Festl-Wirt am Bahnhof Deisenhofen in Oberhaching
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An der Deisenhofener S-Bahn steht das bekannte Wirtshaus „Aphrodite“. Beliebt ist der Grieche nicht nur wegen seiner Speisen, sondern auch wegen des Biergartens mit den großen, alten, schattenspendenden Bäumen.

Ein Wirtshaus am Bahnhof. In Bayern an vielen Orten ein gewohntes Bild. So auch am S-Bahnhof Deisenhofen, wo der frühere „Festl-Wirt“ sein Zuhause hat. Doch jetzt stehen gravierende Änderungen an.

An der Deisenhofener S-Bahn steht ein Wirtshaus, in dem derzeit der Grieche „Aphrodite“ zu Speis und Trank einlädt. Nun soll der „Festl-Wirt“ abgerissen und in nahezu gleicher Stellung und Gestaltung wieder aufgebaut werden. Neugebaut werden muss das Wirtshaus, weil der Zustand des Gebäudes so schlecht sei, dass sich eine Sanierung nicht lohne. „Außen Hui, innen pfui; das ist wohl die richtige Beschreibung“, sagte Bürermeister Stefan Schelle.

Architekt Markus Bernlochner, der derzeit auch in Aying das Bräustüberl umbaut, leitete seinen Sachvortrag mit einem Zitat von Angelika Inselkammer ein: „Welch ein Depp baut heutzutage noch eine Wirtschaft? Das kann doch nur ein Fachfremder sein.“ Dem fügte Bernlochner im Bezug auf das entstehende Wirtshaus in Oberhaching hinzu: „Ich bin froh, einer dieser Deppen sein zu dürfen.“ Das Wirtshaus soll wieder ein traditionelles Wirtshaus werden. „Es soll ein Ort werden, wo gefeiert werdenkann , getanzt und auch mal im kleineren Kreis Musik gespielt werden kann.“

Im Erdgeschoss der Gastwirtschaft ist Platz für 260 Quadratmetern. Im Obergeschoss entstehen Personalräume und drei Wohnungen für das Personal. Im Dachgeschoss gibt es Räume für die Technik und die Lüftung sowie eine Wohnung für den Betriebsleiter. Außerdem soll Platz sein für Nebenräume der Wohnungen für das Personal im Obergeschoss. Auch werde darüber nachgedacht, auf dem Dach Photovoltaikanlagen zu installieren.

Besonders ist, dass zudem ein Nebenhaus mit Gartensaal entstehen soll; und das ist noch nicht alles: Es soll Platz für zwei Sudkessel zum Bierbrauen geschaffen werden. Margit Markl (SPD) erkundigte sich, wie oft gebraut werde und ob dies zu einer Geruchsbelästigung führe. Bürgermeister Schelle aber klärte auf, dass nur kleine Mengen gebraut werden würden, und auch nicht das Oberhachinger Bier. „Es sind eher Spezialbiere, der dunkle Bock oder ein Sommerbier.“ Die Biere die entstehen sollen unmittelbar verbraucht werden.

Der Biergarten bleibt erhalten

An dem Gebäude ist außerdem ein Anbau für die Freischankfläche geplant und der Biergarten, der derzeit rund 200 Plätze zählt, bleibt erhalten. Das gilt auch für die großen, alten Kastanienbäume. Dass diese nicht gefällt werden, war dem Gremium durch die Bank wichtig. Architekt Bernlochner versicherte: „Wir werden alles tun, diese Bäume zu schützen. Auch, weil sie das Kapital eines Biergartens sind.“ Der Architekt bezog sich erneut auf das Ayinger Projekt, denn dort konnten die Bäume auch bestehen bleiben: „Wir werden alles menschenmögliche tun, um sie am Leben zu erhalten.“ Doch konnte er nicht leugnen: „Eine Bauphase ist für einen Baum nicht gerade das, was er sich zu Weihnachten wünscht.“

Einer der Wurzelriesen musste bereits weichen, weil dieser zu sehr beschädigt war und ein weiterer wird ebenfalls entfernt werden müssen. Gleiches gilt für die Buchenhecken. Da in den vergangenen Jahrzehnten weder das Gebäude noch die Natur gepflegt worden sind, ist es nicht zu vermeiden, dass mancher Baum gefällt werden muss. Doch werde alles dafür getan, durch fachgerechte Wurzelbehandlung und Beschneidung, den Baumbestand weitestgehend zu erhalten.

Der derzeitige Stand des Verfahrens ist, dass es sich bei diesem Vorhaben um ein „13 a) Verfahren“ handelt. Das heißt, die Nachbarn und die Öffentlichkeit, das Landratsamt und der Bund Naturschutz werden miteinbezogen. Ein Bauvorhaben ohne Probleme gibt es so gut wie nicht. So auch in diesem Fall: Die acht derzeit bestehenden Parkplätze müssten um 17 erweitert werden. Doch sei dies nicht möglich. Der Plan ist nun, dies im Rahmen der Ablösevereinbarung zu klären. Das heißt, an anderer Stelle einen Stellplatz herzustellen.

Das bereitete Margit Markl (SPD) „bissl Bauchweh“, weil die Gastronomie gegenüber eigentlich ebenfalls Stellplätze benötigen würden. Bis alle Bauchschmerzfaktoren beseitigt sind, dauert es jedenfalls noch. Möglicherweise, ohne Gewähr, wie Bernlochner sagte, könnte Anfang nächsten Jahres der Bebauungsplan durchgehen, sodass Mitte nächsten Jahres frühestens angefangen werden könnte, dann sind es ungefähr noch mal zwei Jahre Bauzeit.

Melanie Schröpfer

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