Senioren sollen im Mittelpunkt stehen

Neubiberg weicht für schnelle Realisierung des Seniorenzentrums von ursprünglichen Plänen ab

Das Seniorenzentrum an der Hauptstraße in Neubiberg.
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Ein überarbeitetes Konzept soll dabei helfen, zeitnah das Seniorenzentrum in Neubiberg neu zu errichten.

Wegen der positiven Haushaltsentwicklung werden die Pläne für das neue Seniorenzentrum in Neubiberg wieder aufgenommen. Durch den Verzicht auf Wohnraum soll das Projekt zügiger umgesetzt werden.

Damit es schneller voran geht mit dem Bau des neuen Seniorenzentrum, macht die Gemeinde Neubiberg nun eine Rolle rückwärts. Klingt widersprüchlich, erscheint aus Sicht von Verwaltung und Gemeinderat aber als überaus sinnvoll.

Anlass dafür, dass sich der Gemeinderat in seiner Juni-Sitzung mit dem Thema beschäftigen konnte, sind die positiven Entwicklungen bei der Gewerbesteuereinnahme. Wegen der unsicheren Haushaltslage aufgrund der Corona-Pandemie war das Projekt Mitte 2020 gestoppt worden. Doch die Zahlen sehen gut aus und so sind im jetzt verabschiedeten Nachtragshaushalt in diesem Jahr 50.000 Euro für die Fortsetzung der Planung vorgesehen. Zudem hatten die Fraktionen von Freie Wähler und SPD gemeinsam im März beantragt, die Projektplanung wieder anzugehen.

Mittlerweile habe das Vorbescheidserfahren beim Landratsamt ergeben, dass das Projekt nach ursprünglicher Planung keine Baugenehmigung bekommen werde. „Ohne eine Bebauungsplan-Anpassung wird es dort nicht funktionieren“, verdeutlichte Bauamtsleiter Christian Einzmann. Architekt Peter Zarecky fügte erklärend hinzu, dass es eine große Herausforderung gewesen sei, die Nutzen Wohnen und Seniorenzentrum in Einklang zu bringen. Für das Projekt, das in Kooperation mit der Baugesellschaft München-Land entstehen sollte, war ein Wohnanteil von 50 Prozent vorgesehen.

Wenn das Projekt so umgesetzt werden würde, müsste der Bebauungsplan geändert werden, was interne Ressourcen benötigt und die Verfahrensdauer deutlich verlängert. Außerdem wäre der Gebäudekörper dadurch deutlich größer als bei den Nachbarhäusern. Eine Präzedenzwirkung für die ganze Hauptstraße sei zu befürchten. Die Verwaltung schlägt daher vor, beim Neubau nicht den bisherigen Baurechtsrahmen zu überschreiten.

Der bisherige Ansatz mit hohem Wohnanteil soll daher über Bord geworfen werden und die Nutzung als Seniorenzentrum in den Mittelpunkt rücken. Eine fortgeschriebene Machbarkeitsstudie soll untersuchen, inwieweit der angepasste Planungsansatz umgesetzt werden kann. Danach werde ein geeignetes Realisierungsmodell vorgestellt, das einen schnellen Projektstart ermöglicht.

„Wir sollten jetzt die Chance ergreifen, um das Ziel rasch und ohne große Verrenkungen zu erreichen“, erklärte Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) das Vorgehen. So könne ein zeitgemäßes und modernes Seniorenzentrum in absehbarer Zeit entstehen. Die Gemeinderäte begrüßten reihum, dass die Planung nun wieder angegangen werde.

Elisabeth Gerner plädierte dafür, an dem Bau der Wohneinheiten, die barrierefreies und seniorengerechtes Wohnen ermöglichen sollen, festzuhalten. In Neubiberg gebe es kaum Wohnungen dieser Art. „Ich hätte kein Problem damit, eine B-Plan-Änderung anzustoßen“, meinte sie. Da es sich um ein Gebäude öffentlichen Interesses handle, sehe sie keine Gefahr eines Präzedenzfalls.

CSU-Fraktionsprecher Léon Bogner hielt dagegen: „Es ging Frau Gerner immer darum, das Seniorenzentrum schneller zu realisieren. Bei der Bebauungsplanänderung geht es ja nicht nur um die Verwaltungskapazität, sondern auch um die Verfahrensdauer.“ Finanzreferent Hartmut Lilge (CSU) bat darum zu prüfen, ob durch die veränderte Planung nicht doch das Bestandsgebäude erhalten werden könne. „Wir kommen zum Ergebnis, dass es unwirtschaftlich ist, das Gebäude zu erhalten“, stellte Architekt Zarecky deutlich klar. Das liege vorrangig am hohen Gebäudealter. Alles müsste darin erneuert werden, um den heutigen Vorschriften gerecht zu werden.

Auch wenn sich neben Elisabeth Gerner auch Reiner Höcherl (FW) über barrierefreie Wohnungen gefreut hätte, überwog letztendlich der Wunsch aller, schnellstmöglich das Seniorenzentrum zu realisieren. Daher stimmte das Gremium einstimmig dafür, die fortgeschriebene Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Der Rathauschef zeigte Verständnis für den Wunsch nach barrierefreien Wohnungen. Dafür wolle die Gemeinde an anderer Stelle Platz schaffen. „Das steht im Pflichtenheft“, beteuerte er.

Iris Janda

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