1. tz
  2. München
  3. Region
  4. Hallo München

Neubiberger Ehepaar engagiert sich als EU-Klimabotschafter

Erstellt:

Von: Iris Janda

Kommentare

Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberg mit Plakaten zum Thema Klimaschutz.
Die EU-Klimabotschafter Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberg veranstalten am 7. März ein weiteres Peer Parliament zum Thema Konsum. © oh

Annika Gehrmann und Michael Kusterer aus Neubiberger informieren als EU-Klimabotschafter über die Klimaschutzmaßnahmen der Europäischen Union. Auch in ihrem Alltag spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. 

Brücken zwischen den Bürgern und der Europäischen Kommission beim Thema Klimaschutz schlagen – das ist die Aufgabe von ehrenamtlichen EU-Klimabotschaftern. 700 gibt es davon europaweit, 60 in Deutschland. Das Neubiberger Ehepaar Annika Gehrmann und Michael Kusterer gehört dazu.

Um diese Brücken zu schlagen und auch Menschen zu erreichen, die sich noch nicht am Klimaschutz beteiligen, haben die beiden Klimabotschafter in den vergangenen Wochen sogenannte Peer Parliaments zu den Themen Energie, Mobilität und Konsum veranstaltet. Weil die Nachfrage groß und die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt war, haben die Neubiberger zwei zusätzliche Sitzungen organisiert. Die letzte findet am Montag, 7. März, um 19.30 Uhr zum Thema Konsum statt.

Gehrmann und Kusterer sind im Bereich Klimaschutz keine Neulinge. Sie ist Mitbegründerin der Neubiberger Initiative „Klimaneutral 2035“, er engagiert sich vor allem bei „Parents for future“. Wieso die Entscheidung, nun auch noch als EU-Klimabotschafter aktiv zu werden? „Ich glaube, dass die EU beim Klimaschutz einen sehr großen Hebel hat“, erklärt Kusterer. Die EU sei bei vielen Themen ein entscheidender Treiber. Beispielsweise könne sie anders als die Nationalstaaten C02-Zölle auf in die EU importierte Waren erheben. Eine häufige Kritik an der EU – dass ihre Mühlen sehr langsam mahlen – kann Annika Gehrmann in gewisser Weise bestätigen. „Die Entscheidungen sind oft langwierig und schwierig“, räumt sie ein. „Aber der Hebel ist groß und deshalb ist es wert, die Mühe auf sich zu nehmen.“

Ihr Ziel, auch Menschen außerhalb der „Klima-Blase“ anzusprechen, hätten sie bereits in den ersten drei Sitzungen erreicht. Dort wären auch Teilnehmer dabei gewesen, die bestimmten Klimaschutzmaßnahmen kritisch gegenüber stehen. Dass auch Menschen außerhalb der Blase erreicht werden, sei wichtig, denn „betreffen wird es uns alle“, betont Michael Kusterer und ergänzt: „Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Klimaschutzmaßnahmen, die kommen werden. Der CO2-Preis wird steigen, das werden wir alle merken.“ Daher müssten so viele Menschen wie möglich in die Entscheidungen der EU mit einbezogen und zu Beteiligung animiert werden.

Genau dazu dienen die Peer Parliaments zum EU-Klimapaket „Fit for 55“. Damit werden EU-Richtlinien auf den Weg gebracht, um CO2 zu reduzieren. Ziel ist bis 2030 den CO2-Ausstoß in der EU um 55 Prozent des Wertes von 1990 zu reduzieren. Pro Sitzung werden zwei Fragestellungen zum jeweiligen Sitzungsthema diskutiert. Vier Antwortmöglichkeiten gibt die EU vor, eine fünfte wird aus der Diskussion heraus gemeinschaftlich gefunden.

Am Ende erfolgt eine Abstimmung, deren Ergebnisse bis zum 8. März an die EU geschickt werden können. Sie fließen dann in die Konferenz zur Zukunft Europas ein. „Durch die Bank war das Miteinander sehr konstruktiv“, zieht Gehrmann ein positives Fazit der ersten Sitzungen. Auch das Feedback im Nachgang wäre gut gewesen. „Ich sehe das als unseren Beitrag zu Demokratie.“

Auch im Alltag versucht das Ehepaar weitestgehend CO2-Emmissionen zu vermeiden. „Das letzte Mal geflogen sind wir 2005“, erklärt Kusterer. Im Sommer wollen sie und ihre beiden Kinder mit der Bahn nach Schottland reisen. Das Auto stehe die meiste Zeit in der Garage und über die hauseigene Solaranlage werde mehr Strom erzeugt, als sie verbrauchen können. „Wir betreiben das aber nicht missionarisch“, betont Gehrmann. Hin und wieder komme auch Fleisch auf den Teller oder es wird etwas gekauft, das nicht nachhaltig produziert wurde. Am Jahresende schauen sie immer mithilfe des CO2-Rechners des Umweltbundesamts auf ihren Verbrauch. Dort liegen sie ungefähr bei der Hälfte an CO2 einer deutschen Durchschnittsfamilie.

„Für uns ist klar, dass so einen Lebensstil nicht jeder bezahlen kann“, erklärt Gehrmann. Beispielsweise sei es oft deutlich günstiger zu fliegen, als mit der Bahn zu fahren. „Gerade deshalb wollen wir die Rahmenbedingungen ändern“, verdeutlicht sie.

Bisher bestand die ehrenamtliche Arbeit der EU-Klimabotschafter Gehrmann und Kusterer vor allem im Vernetzen und Informationsaustausch. Über einen monatlichen Stammtisch sind sie mit ihren Kollegen in Deutschland verbunden. Bei europaweiten Veranstaltungen, an denen auch hochrangige Mitglieder der EU-Kommission teilnahmen, gab es außerdem die Möglichkeit, sich auszutauschen. „Mit den Peer Parliaments habe ich jetzt das erste Mal das Gefühl, dass wir mit den Menschen in direkten Kontakt kommen und ein bisschen etwas bewegen können“, meint Gehrmann strahlend.

Iris Janda

Das letzte Peer Parliament zum Thema Konsum findet am Montag, 7. März um 19.30 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung erfolgt unter annikag-Eu-cli­mate-pact@protonmail.com.

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant

Kommentare