Auf Schülerwunsch sollen nun Taten folgen

Neubiberger Pläne für Cramer-Klett-Straße als Fahrradstraße werden fortgesetzt

Auf einer Straße ist ein blaues Fahrrad-Symbol zu sehen, unter dem in weißer Schrift „Fahrradstraße“ steht.
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Die Gemeinde Neubiberg möchte in diesem Jahr noch letzte offene Fragen zur Umgestaltung der Cramer-Klett-Straße in eine Fahrradstraße beantworten.

2018 galt die Umgestaltung der Cramer-Klett-Straße in Neubiberg zu einer Fahrradstraße eigentlich schon als beschlossene Sache. Nun wurde erneut im Gemeinderat darüber diskutiert. Dabei sollten offene Fragen geklärt werden.

Seit dem Beschluss des Planungs- und Umweltausschusses sind gut zweieinhalb Jahre vergangen und es hat sich seitdem auch etwas getan. Durch die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht und die Demontage der entsprechenden Beschilderung können die Radler die Fahrbahn benutzen. Dem langfristigen Ziel, der Fahrradstraße, ist die Gemeinde damit aber noch nicht deutlich näher gekommen.

Personalbedingt hätte das Projekt bisher nicht bearbeitet werden können, heißt es von Verwaltungsseite. „Das Projekt wurde nicht mit höchster Priorität weiter verfolgt“, gibt Bürgermeister Thomas Pardeller zu. Das soll sich jetzt ändern. Bis spätestens zum Jahresende sollen Antworten auf noch offene Fragen vorliegen. Diese konnte die Räte in dem seit 2018 neu zusammengesetzten Gemeinderat formulieren. Zuvor wurden ihnen von Verkehrs­planer Ralf Kaulen das Projekt sowie erste Analyseergebnisse vorgestellt.

In seiner Präsentation betonte der Experte, dass die fahrradfreundliche Erschließung der Cramer-Klett-Straße als Teil des 2014 beschlossenen Radverkehrskonzepts der Gemeinde hohe Bedeutung habe. Die Straße habe zwei wichtige Funktionen: Als Verbindungsstraße zwischen München und Ottobrunn sowie als Zubringer für die Schüler des Gymnasiums Neubiberg.

Kaulen erläuterte, warum von verschiedenen Maßnahmen zur Fahrradförderung die Fahrradstraße bei der Cramer-Klett-Straße mit ihren 5,70 Metern Breite die beste Lösung sei. Ein wichtiger Vorteil: Auf Fahrradstraßen darf nebeneinander gefahren werden. „Dadurch können die pulkartigen Schülerströme vor Schulbeginn und am Mittag besser bewältigt werden“, so der Fachmann. Er machte auch darauf aufmerksam, dass die gesetzlichen Regelungen zum Errichten einer Fahrradstraße Auslegungssache seien.

Zwar heiße es primär, dass eine Fahrradstraße nur dort errichtet werden dürfe, wo der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist. Allerdings sei das auch dann möglich, wenn die Straße nach der Maßnahme primär von Radlern genutzt werde. In Baden-Württemberg werde die rechtlichen Vorgabe beispielsweise sehr fahrradfreundlich ausgelegt.

„In Fahrradstraßen ist der Autofahrer der Gast“, stellte Kaulen auf die Frage Tobias Thalhammers hin klar, ob die Maßnahme möglicherweise eine einschüchternde Wirkung auf Autofahrer habe. „Am Ende ist es eine politische Entscheidung, die sie treffen müssen“, erklärte Kaulen dem Gremium.

Jürgen Knopp (Freie Wähler) konnte genauso wie Lucia Kott (Grüne) nicht nachvollziehen, warum nach der einstimmigen Entscheidung für die Fahrradstraße im Jahr 2018 erneut darüber diskutiert werde. Besonders die Schüler des Gymnasiums hatten sich damals dafür stark gemacht. „Wir haben 2018 den Kindern versprochen, dass die Straße kommt. Wenn wir jetzt anfangen, uns abzustimmen, wird sich das ewig hinziehen“, so Kotts Befürchtung. Dort seien Massen an Radlern zu den Stoßzeiten unterwegs. Da stimmte Parteikollege Kilian Körner mit ein: „Ich sehe den dringenden Handlungsbedarf sehr deutlich.“

Bürgermeister Pardeller konnte diese Sorge nehmen. An dem Beschluss werde sich nichts ändern. „Das ist überhaupt kein Abbruch des Ganzen“, betonte der Rathauschef. Er wolle lediglich ermöglichen, dass jeder seine offenen Fragen stellen kann. Dieser Möglichkeit kamen die Gemeinderäte nach. So wollten Elisabeth Gerner (SPD) und Franziska Zeller (CSU) wissen, ob es durch die Maßnahme zu Ausweichverkehr kommen könne. Kaulen erklärte, dass das unwahrscheinlich sei, da bereits jetzt dort Tempo 30 herrsche. Auch für den Busverkehr würde die Neuregelung keine weitere Beeinträchtigung darstellen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung bleibe gleich und schon heute sei ein Überholen von Radlern nicht möglich.

Noch unklar ist außerdem, ob und inwieweit sich die Nachbarkommunen München und Ottobrunn beteiligen möchten. Im Bereich der Landeshauptstadt herrsche eine andere Situation, weil es dort einen Radweg gibt, erklärte Pardeller. Bei Ottobrunn sei es sinnvoll, sich zu beraten. „Gerade wenn man weiter geht, kommt schon das nächste große Gymnasium“, machte Pardeller deutlich. Jürgen Knopp hielt diesen Schritt für überflüssig: „Schon 2018 war klar, dass Ottobrunn nicht mitzieht. Wir sollten den Prozess mit der Nachfrage nicht aufhalten.“ Vielleicht habe sich dort die Meinung geändert, gab der Rathauschef zu bedenken. Unabhängig davon sei der Bau der Fahrradstraße nicht von einem „Ja“ oder „Nein“ aus Ottobrunn abhängig.

Die offenen Fragen sollen geklärt und die Ergebnisse dem Gemeinderat noch in diesem Jahr vorgelegt werden, so die einstimmige Meinung im Gremium. Womöglich könnte das Projekt dann für den Haushalt 2022 eingeplant werden.

Iris Janda

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