Ein Familienmensch mit Gesangstalent

Neuer Pfarrer der Michaelskirchengemeinde Ottobrunn, Neubiberg und Hohenbrunn im Porträt

Pfarrer Joachim Rohrbach vor der Corneliuskirche in Neubiberg.
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Der evangelische Pfarrer Joachim Rohrbach hat zum 1. September seine Stelle in Neubiberg angetreten.

Joachim Rohrbach ist seit September neuer Pfarrer in der Michaelskirchengemeinde Ottobrunn, Neubiberg und Hohenbrunn. Im Porträt erzählt er, warum er nach acht Jahren in Taufkirchen die Stelle gewechselt hat und wie er seine zweite Leidenschaft – die Musik – in seinen Beruf integriert. 

Von Umzugskartons ist bei einem Besuch im Büro von Pfarrer Joachim Rohrbach in Neubiberg keine Spur. Anfang September hat er seine Stelle bei der evangelisch-lutherischen Michaelskirchengemeinde angetreten. Stattdessen stechen ein dunkelbrauner Holzschrank mit Türen aus Walnussholz und der dazu passende Schreibtisch beim Blick durch das ansonsten mit hellen, modernen Möbeln gestaltete Zimmer sofort ins Auge. Auf einer weißen Kommode steht eine Paulus-Figur. Die habe ihm sein Großvater vererbt, genauso wie Schrank und Tisch. Nun sind sie bereits zur vierten Pfarrstelle mit ihm umgezogen. „Da habe ich meinen Großvater immer ganz nah“, meint Rohrbach.

Die vergangenen acht Jahre waren Figur und Möbel in der Jerusalemkirche in Taufkirchen zuhause. Dort hatte Rohrbach die alleinige Pfarrstelle inne. „Das war eine unglaublich schöne Zeit“, schwärmt der 45-Jährige. Doch er ist ein absoluter Familienmensch. Seine beiden ältesten Kinder Sophia (15) und Jonathan (12) stammen aus erster Ehe und gehen seit der Grundschule auf die Gymnasien in Ottobrunn und Neubiberg. Mit seiner zweiten Frau hat Rohrbach außerdem einen vierjährigen Sohn. Durch die Stelle in Neubiberg lässt sich nun der Patchwork-Alltag bessern meistern. „Ich habe meine Kinder an jedem Tag vermisst, an dem ich sie nicht sehen konnte“, erklärt er.

Rohrbach kennt den Beruf des Pfarrers seit kleinauf – sein Großvater und Vater waren Pfarrer, seine Mutter stammt ebenfalls aus einer Pfarrersfamilie. Sein Vater Martin Rohrbach war 35 Jahre lang Geistlicher der Friedenskirche in Trudering. Dort ist der Joachim Rohrbach mit seinen beiden älteren Brüdern im Gemeindeleben groß geworden. „Es fand damals noch ganz viele Angebote im Pfarrhaus statt“, erklärt er. „Wenn abends ein Bibelkreis oder eine Gottesdienstvorbereitung stattfand, habe ich mich oben an die Treppe gesetzt und zugeschaut“, erinnert sich der dreifache Vater zurück.

Schnell war ihm klar, dass er etwas mit Menschen machen möchte. Den Pfarrberuf kannte er durch Vater und Großvater sehr gut. Am meisten fasziniert ihn daran die Vielfalt: Von Baby bis Senior, ob Feste oder Trauerfeiern, Gottesdienste oder Verwaltungsarbeit. „Und natürlich ist es mir genauso wichtig, den Menschen den Glauben als Kraftquelle nahe zu bringen“, so Rohrbach.

Auch seine zweite große Leidenschaft – die Musik – hätte er zum Beruf machen können. Seit seiner Kindheit singt er in Chören, bei Musicals, und in Bands. Er besuchte ein musikalisches Gymnasium und hätte nach dem Abi sogar ein Angebot für einen Plattenvertrag. Aber er dachte sich: „Ich muss mit der Musik als Pfarrer doch nicht aufhören, ich kann sie in den Beruf integrieren.“ Und das hat Rohrbach gemacht – er singt bei Festen, Hochzeiten oder Gottesdiensten, oft auch mit seiner Frau Lila, die als Berufsmusikerin arbeitet, im Duett.

Sein musikalisches Engagement hat ihm über die Jahre in der Presse auch die Bezeichnung als „singender Pfarrers“ eingebracht. Es sei wunderschön, die Menschen durch die Musik mit der christlichen Botschaft zu erreichen. „Durch die Melodie öffnen sich die Menschen schon emotional und können den Text besser aufnehmen“, erklärt Rohrbach. „Ich erreiche so auch Menschen, die ich sonst vielleicht nicht erreicht hätte.“

Über die Ortsgrenzen bekannt waren seine Rendezvous-Gottesdienste mit seiner seit 2011 bestehenden Band und das Rendezvous-Konzert, das einmal im Jahr stattfand. Er hoffe, damit auch bei seiner neuen Stelle weitermachen zu können. Schließlich spiele Musik in der Michaelskirchengemeinde mit der Arbeit vom hauptamtlichen Kantor Christoph Demmler eine wichtige Rolle.

Doch zunächst gilt es, sich in das neue Team einzufinden und gemeinschaftlich an Konzepten zu arbeiten. Gemeinsam mit Joachim Rohrbach startet Olivia Palumbiny in der Gemeinde ihre erste Pfarrstelle. Zum Eröffnungsgottesdienst am 19. Oktober wird sie nicht nur eingeführt, sondern auch vom Regionalbischof ordiniert. „Wir sind ein junges Team und verstehen uns super. Ich wurde sehr herzlich in der Gemeinde empfangen und freue mich unheimlich auf die Arbeit hier“, schwärmt Rohrbach. Er wird in der Michaelskirchengemeinde, die die Orte Ottobrunn, Neubiberg und Hohenbrunn umfasst, für die Familien- und Kinderarbeit sowie den Seniorenbereich zuständig sein.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge tritt Pfarrer Rohrbach die neue Stelle an. „Die Redewendung mag ich eigentlich nicht, aber es ist einfach so.“ Nach acht Jahren in Taufkirchen sei ihm der Abschied sehr schwer gefallen. „Ich bin dem Kirchenvorstand und der Kirchengemeinde unheimlich dankbar“, so Rohrbach. Sein größtes Projekt wird den Taufkirchnern aber über seine Zeit dort hinaus bleiben.

Er wollte, dass die Kirche, ein 1970er-Jahre-Bau ohne Kirchturm oder Glocken, auch als Kirche erkennbar ist. So entstand vor zwei Jahren die Idee für ein sieben Meter hohes Kreuz aus Stahlstelen. Die Innenfläche der Konstruktion wird mit Glas gefüllt, das leuchtet, wenn Sonnenlicht durchfällt. „Es ist ein Lichtkreuz, ein Kreuz der Hoffnung“, sagt Rohrbach. Bis zu seinem Abschied im August konnte es zwar nicht fertiggestellt werden, aber im Herbst wird das Kreuz voraussichtlich aufgestellt. Als Abschiedsgeschenk gab es stattdessen ein eigens angefertigtes Modell, dass nun auf seinem Schreibtisch in Neubiberg steht.

Aus der Welt ist Joachim Rohrbach mit dem Umzug nach Neubiberg für die Taufkirchner nicht – und für die ganze Welt gibt es seine Predigten sogar im Internet bei Youtube. Dort hat er während der Corona-Zeit den Video-Podcast „Da berühren sich Himmel und Erde“ gestartet. Der Greenscreen für die Videos und eine Handyhalterung mit Ringlicht stehen auch schon im neuen Büro bereit. „Natürlich mache ich das für die Gemeindebürger, aber wenn ich auch anderen Menschen damit helfen kann, ist das doch umso schöner“, meint der 45-Jährige. Gerade während der Pandemie konnte er so viele Menschen erreichen.

Ganz analog predigt Joachim Rohrbach erstmalig am Sonntag, 10. Oktober, in der Corneliuskirche. „Ich will einen lebendigen und fröhlichen Gottesdienst bieten. Eine schöne Zeit, in der die Sorgen vergessen werden“, so der Pfarrer.

Iris Janda

Der Einführungsgottesdienst findet am Sonntag, 19. September, um 17 Uhr in der Michaelskirche an der Ganghoferstraße 26 statt. Es gilt die 3-G-Regel. Anmeldungen zu dem Gottesdienst, der auch per Zoom übertragen wird, unter www.michaelskirche.de.

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