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Ottobrunner Ausbau-Pläne für Finsinger Feld sorgen in Unterhaching und Neubiberg für Ärger

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Von: Iris Janda

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Blick vom Landschaftspark Hachinger Tal Richtung Ottobrunn.
Bereits jetzt sticht der kürzlich in Ottobrunn errichtete, 40 Meter hohe Büroturm beim Spaziergang durch den Landschaftspark ins Auge. Sollten die Pläne umgesetzt werden, würden die Gebäude im danebenliegenden Finsinger Feld diesen mit bis zu 66 Metern deutlich überragen. © ija

Ottobrunn hat große Pläne für das Gewerbegebiet am Finsinger Feld: Dort soll ein Büro- und Technologiecampus entstehen. Doch die Nachbarn aus Neubiberg und Unterhaching äußern nun erhebliche Bedenken.

Die Gemeinde Ottobrunn möchte ihr Gewerbegebiet am Finsinger Feld weiterentwickeln und dazu das Baurecht erheblich erhöhen. Es sollen unter anderem Büro- und Verwaltungsräume, Service-, Produktions-, Labor- und Lagerflächen sowie Gastronomie-, Fitness- und Nahversorgungsangebote entstehen. Die verdichtete Bebauung sieht auf einer Gesamtfläche von etwa 19,8 Hektar eine Geschossfläche von knapp 297.000 Quadratmetern vor.

Die Höhen­entwicklung bewegt sich generell zwischen 18 und 27 Metern. Allerdings sollen zwei Hochpunkte an der Staatsstraße zwischen 45 und 66 Metern Höhe sowie am Übergang zum Landschaftspark mit einer Höhe von maximal 38 beziehungsweise 46 Metern entstehen. Bisher bewegen sich die Bauhöhen auf dem Gebiet zwischen 12 und 16 Metern. Städtebauliches Ziel sei es, dass diese Gebäude als Landmarken besonders zur Sichtbarkeit des Campus beitragen.

Gerade an dieser Sichtbarkeit stören sich nun aber die Nachbargemeinden Neubiberg und Unterhaching, die im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung um Stellungnahmen gebeten wurden. Im jüngsten Unterhachinger Bau, Umwelt- und Ortsentwicklungsausschuss wurden besonders die negativen Auswirkungen auf den Landschaftspark Hachinger Tal kritisiert. Die Verwaltung hat aus diesem Grund bereits eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet sowie die Baubeauftragten des Gemeinderates, die lokale Agenda 21 und den Bund Naturschutz in das Verfahren eingebunden.

Bebauung am Rande des Regionalen Grünzugs

Letzterer kritisiert in einer Stellungnahme die Ottobrunner Pläne deutlich. Er sieht die Gefahr, dass die geplante Bebauung am Rande des Regionalen Grünzugs „Gleißental/Hachinger Tal“ mit Höhen von bis zu 66 Metern die Funktion der Frischluftschneise beeinträchtigt. Da Neubiberg mit dem Kapellenfeld sowie Unterhaching und Taufkirchen ebenfalls Bauvorhaben am Rande des Grünzugs planten, könnten sich deren Auswirkungen mit denen des Finsinger Felds summieren und die Funktion des Grünzugs beeinträchtigen. Zudem drohe eine Überhitzung des Gebiets. Außerdem würde die Naherholungsfunktion des Landschaftsparks für die Bürger stark eingeschränkt werden, da die Hochpunkte die freie Sicht versperren.

Die Verwaltung schlug vor, die Planungen der Gemeinde Ottobrunn abzulehnen und unter anderem Gutachten zu den verkehrlichen, naturschutzrechtlichen sowie städtebaulichen Auswirkungen auf Unterhaching in Auftrag zu geben. In der Diskussion lehnten die Fraktionen von Grünen, SPD, Freie Wähler und NEOs die Ottobrunner Pläne entschieden ab und unterstützen den Verwaltungsvorschlag.

Die Eingriffe auf das Gebiet seien durch das Vorhaben „sehr massiv“ erklärte Harald Nottmeyer (SPD) und verwies darauf, dass der Landschaftspark als Naherholungsgebiet angelegt worden sei. Die CSU-Räte Franz Felzmann und Korbinian Rausch bedauerten die geringe Datenlage und sahen hohen Aufklärungsbedarf. Letztendlich sprach sich das Gremium dennoch einstimmig für den Verwaltungsvorschlag aus.

Rund eine Woche später wurde auch im Neubiberger Gemeinderat über das Vorhaben der Nachbargemeinde diskutiert. Neben den Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den Landschaftspark sowie einen zu erwartenden Kaufkraftabzug in Neubiberg nahm das Gremium besonders die zu erwartenden verkehrlichen Auswirkungen auf die bereits überlastete Westumfahrung des Staatsstraße 208 sowie die stark ausgelastete Kreuzung der Staatsstraße/Äußeren Hauptstraße/Auf der Heid in den Blick.

Die Gemeinde Neubiberg ließ bereits vor der Sitzung die Ottobrunner Verkehrsuntersuchung der Firma Gevas vom Büro Ingevost prüfen. Christian Fahnberg von Ingenieurbüro Ingevost, der bereits in der Vergangenheit den kritischen Knotenpunkt für die Gemeinde untersucht hat, präsentierte dem Gremium seine Ergebnisse. Zunächst stellte er fest, dass Gevas beim Bestandsverkehr zu deutlich niedrigen Zahlen kam. Die Messung sei allerdings anders als bei Ingevost im Juni 2021, also während der Pandemie erfolgt.

Aus seinen Ergebnissen schließt er, dass die Kreuzung schon ihre Kapazitätsgrenze überschreiten werde, wenn alle in der Landeshauptstadt geplanten Vorhaben, wie der U-Bahnbetriebshof und die Bebauung des Siemens-Parkplatzes, realisiert sein werden. Durch die derzeitigen Pläne am Finsinger Feld würden zusätzlich 4400 Kfz-Fahrten hinzukommen, die die Kreuzung belasten. Fahnberg empfahl dringend eine mikroskopische Verkehrssimulation des gesamten Straßenzuges zwischen der Stadtgrenze von München und der Anschlussstelle Otto­brunn an die A8.

„Der Verkehrsinfarkt ist eine Konsequenz dieser Planung“, fasst Hartmut Lilge (CSU) die Ausführungen des Fachmanns zusammen. Und Lucia Kott (Grüne) kritisierte: „Das ist keine Nachverdichtung, sondern eine Nachverstopfung!“. Sie wollte von Fahnberg wissen, ob durch seine Untersuchungsergebnisse auf das Ottobrunner Verfahren Einfluss genommen werden könne. „In meiner 35-jährigen Berufspraxis habe ich bisher nur sehr selten erlebt, dass der Verkehr ein Hindernis ist, etwas umzusetzen“, erklärte der Fachmann zur Ernüchterung des Gremiums.

Sorge vor Verkehrsinfarkt

Volker Buck (SPD) und Reiner Höcherl (FW.N@U) bezeichneten das Ottobrunner Vorhaben auch mit Blick auf das Landschaftsbild als „Zumutung“ für Neubiberg. „Die Gemeinde Neubiberg ist wie ein Sandwich“, ärgerte sich Bernhard Rott (CSU). „Ottobrunn baut bunt, München macht das Perlacher Tor. Das ist nicht durchdacht, was die Ottobrunner machen. Keiner redet mit uns, wir sind die Deppen und müssen alles abfangen!“

Die Nachbargemeinden in Planungen dieser Größenordnung nicht mit einzubeziehen sei laut Nicola Gehringer (CSU) ein „grenzwertiger Umgang im interkommunalen Miteinander“. Vor einiger Zeit hätte Otto­brunns Bürgermeister Thomas Loderer ihn und den Unterhachings Kollegen Wolfgang Panzer bei einem Gespräch über die Pläne informiert, erklärte Rathauschef Thomas Pardeller (CSU). „Damals haben wir schon deutlich unsere Vorbehalte zum Ausdruck gebracht“, so Pardeller weiter.

Das Gremium war sich ebenso wie die Unterhachinger einig, dass dem Vorhaben aus verkehrstechnischer und landschaftlicher Sicht sowie aufgrund des zu erwartenden Kaufkraftabzugs nicht zugestimmt werden könne. Zudem bestand Einigkeit darüber, dass langfristig nur eine Verlängerung der U5 den Verkehrs­infarkt an diesen Knotenpunkten verhindern könne.

Anders als die Unterhachinger Kollege habe Neubiberg noch keinen rechtlichen Beistand eingeschaltet. Man wolle aber mit der Hachinger Verwaltung in engem Austausch stehen.

Iris Janda

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